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Heessener Spielertrainer als Not-Keeper

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Von: Günter Thomas

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Strafraumbeherrschung: Rouven Meschede kassierte in Sönnern in 85 Minuten nur ein Gegentor.
Strafraumbeherrschung: Rouven Meschede kassierte in Sönnern in 85 Minuten nur ein Gegentor. © Lindenau

Als der letzte Torwart beim Fußball-Bezirksligisten SVE Heessen ausfiel, schlug die Stunde von Spielertrainer Rouven Meschede: Nach anfänglicher Irritation kassierte er als Ersatzkeeper nur einen Gegentreffer.

Hamm – Sein erster Einsatz als Torwart? „Ich kann mich erinnern, einmal bei einem E-Jugendturnier in der Halle zwischen den Pfosten gestanden zu haben“, sagt Rouven Meschede. „Und ab und zu beim Abschlusstraining.“ Fast 25 Jahre nach seinem Hallenauftritt als Kinder-Keeper musste der Spielertrainer des SVE Heessen nun erneut das Tor hüten – wenn auch unfreiwillig. In der Bezirksligapartie beim SC Sönnern am Sonntag (2:2) hatte SVE-Torhüter Lukas Chrobok nach nur drei Minuten Spielzeit aufgrund von Herzproblemen ins Krankenhaus gebracht werden müssen. Erst nach langer Unterbrechungsphase und der Gewissheit, dass es dem Nachwuchstorhüter besser ging, entschieden sich der Schiedsrichter und beide Mannschaften, die Partie fortzusetzen. „Im Vordergrund steht, dass Lukas wieder fit wird“, betont Meschede, ehe er seinen kuriosen Auftritt von Sönnern schildert. „Er wollte auch, dass wir weiterspielen. Mittlerweile geht es ihm gut.“

Als feststand, dass die Partie fortgesetzt würde, musste sich ein Freiwilliger finden, der Chroboks Part zwischen den Pfosten übernimmt. Denn nach den verletzungsbedingten Ausfällen von Jan-Robin Stiepermann und Jannik Meeß stand kein weiterer etatmäßiger Keeper mehr zur Verfügung. „Im ersten Moment habe ich daher gedacht, ich bin im falschen Film“, sagt Meschede, der sich kurz entschlossen selbst ins Tor stellte, als die Partie nach 30-minütiger Unterbrechung schließlich fortgesetzt wurde. Ein paar Handschuhe, die ihm sein SC-Kollege Thorben Beckmann leihen wollte, passten nicht. „Ich habe dann die von Lukas genommen – und so schlecht habe ich es ja nicht gemacht.“

„Er lag da wie ein Maikäfer“

Wonach es zunächst allerdings nicht aussah, was vor allem Innenverteidiger Fynn Bsufka schmerzlich erfahren musste: „Mein erster Abschlag aus der Hand landete direkt an seinem Hinterkopf. Er lag da wie ein Maikäfer, und ich habe nur noch gedacht: Das wird nichts.“ Der Nachwuchsmann, der morgens noch in der A-Jugend gespielt hatte, nahm es mit Humor. „Er hat gesagt, dass er danach wenigstens richtig wach war...“, schildert Meschede, der sich anschließend deutlich besser anstellte. „Zehn Minuten später tauchte Sönnerns Frank Vollenberg vor mir auf, hat den Ball volley genommen und gegen den Lauf gespielt – den habe ich gut rausgeholt.“

Das Selbstvertrauen stieg, und die Gewissheit, „dass ich Bälle fangen kann“, hatte der Heessener Spielertrainer ohnehin schon vorher. „In Sachen Strafraumbeherrschung habe ich mir auch was von Sascha Kirschstein abgeguckt, der bei uns früher Torwarttrainer war.“

„Der ging genau in den Knick - den kannst du nicht halten.“

Bis auf das zwischenzeitliche 2:0 der Sönnerner (Meschede: „Der ging genau in den Knick, den kannst du nicht halten.“) ließ der Interims-Keeper, obwohl er viel beschäftigt wurde, keinen Ball mehr über die Linie und freute sich am Ende mit dem Team, trotz aller widrigen Umstände noch einen Punkt mitgenommen zu haben.

Ob er seine Torhüter-Karriere am Sonntag im Heimspiel gegen den TuS Freckenhorst fortsetzen wird, weiß der 31-Jährige noch nicht. „Erst einmal möchte ich mit unserem früheren Torwart Cedric Packheiser sprechen, ob ich ihn reaktivieren kann“, sagt Meschede, der aber durchaus Gefallen an der Torwartrolle gefunden hat. Zumal er auch Lob aus berufenem Munde bekam. „Mein alter Trainer aus Ahlen, Andreas Zimmermann, stand die ganze Zeit hinter dem Tor und wollte mich verunsichern – aber hinterher hat er gesagt, dass ich es sehr gut gemacht habe.“ Ein Angebot steht noch aus.

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