Reaktion auf Pleitenserie

Die Hammer SpVg hat schon einen Nachfolger für Claudio Marzolla

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Dennis Herrmann ist neuer Trainer der Hammer SpVg II.

Am Montagabend wurde Claudio Marzolla von seinen Aufgaben als Trainer der HSV II entbunden. Am Dienstagmorgen kritisierte er die Art und Weise seiner Absetzung.

Update vom 24. Oktober, 10.15 Uhr: Der Fußball-Bezirksligist Hammer SpVg II hat einen neuen Trainer: Dennis Herrmann, der bereits am Mittwochabend das Training leitete, wird ab sofort wortführend das schwierige Projekt Klassenerhalt leiten. 

Der 29-jährige gebürtige Soester, der reichlich Erfahrung als Jugendtrainer der Bundesligisten FC Schalke 04 und SC Paderborn mitbringt und sowohl eine B- als auch C-Trainerlizenz besitzt, überzeugte HSV-Teammanager Ulrich Rolfing in einem ausführlichen Gespräch am Dienstagabend, an dem sich beide Parteien auf eine Zusammenarbeit einigten. 

„Dennis Herrmann war bereits als C-Jugendtrainer bei der Hammer SpVg im Gespräch. Er ist fußballverrückt und vollkommen von unserem Projekt überzeugt. Wir erhoffen uns deshalb, dass er der Mannschaft die Impulse gibt, die sie benötigt, um bis zur Winterpause den Abstand zu den Nichtabstiegsplätzen zu verkürzen“, sagte Rolfing. Dann, so Rolfing, soll der Kader der HSV-Reserve mit neuem Personal verstärkt werden. 

Im Auftrag des FC Schalke in China

Herrmann, der bis April noch im Auftrag von Schalke 04 die U11 des chinesischen Topklubs Hebai China Fortune trainierte, zeigte sich nach den Eindrücken des ersten gemeinsamen Trainings am Mittwochabend äußerst optimistisch: „Die Qualität der Truppe entspricht nicht dem Tabellenplatz und der aktuellen Punkteausbeute“, sagte der 29-Jährige, der im Hammer Osten seine Premiere als Coach einer Seniorenmannschaft feiert. 

Für Dennis Herrmann keine große Umstellung

Für ihn keine große Umstellung: „Die zweite Mannschaft zählt noch immer zum Juniorenbereich. Es sind junge Burschen, deren Moral am Misserfolg der vergangenen Wochen gelitten hat“, so Hermann, der deshalb hervorhob: „Es war richtig Feuer drin in unserer ersten Einheit. Jetzt geht es erst einmal darum, an den Kleinigkeiten zu arbeiten. In der kommenden Woche werde ich dann meine Spielphilosophie vermitteln.“ 

Seine Defensive soll kompakt stehen, sich aber dennoch nicht hinten rein stellen. „Ich will aktiven Fußball spielen lassen und gute Umschaltmomente erzeugen“, verriet der neue HSV-Coach.

Update vom 22. Oktober, 13. 20 Uhr: Aus sportlicher Sicht war die Absetzung von Claudio Marzolla als Trainer des Fußball-Bezirksligisten Hammer SpVg II wenig überraschend. Der Zeitpunkt, den die Verantwortlichen für diese Entscheidung gewählt haben, machte den 35-Jährigen dennoch stutzig. „Eigentlich hatte ich damit bereits nach dem 0:15 gegen Lohauserholz in der Vorwoche gerechnet“, so Marzolla. 

Sein Telefon blieb jedoch still, weshalb er sein Team in der vergangenen Woche auf die nächste schwierige Aufgabe gegen den Tabellendritten SG Bockum-Hövel vorbereitet hatte. Zunächst mit Erfolg, ging die HSV-Reserve doch durch Hendrick Beste (16.) früh in Führung. Nach 90 absolvierten Minuten setzte es dennoch eine 1:5-Niederlage, die Marzolla unter dem Strich Mut machte. „Ich war mir sicher, dass wir mit mir an der Seitenlinie die anstehenden zwei immens wichtigen Aufgaben gegen Sönnern und Sünninghausen positiv gestaltet hätten“, sagte er. 

Marzolla gesteht Fehler ein - "Hätte einige Situationen besser lösen können"

Davon jedoch waren Jugendleiter Karlo Tenji, dessen Stellvertreter Robin Berghaus und Teammanager Ulrich Rolfing nicht überzeugt, die am Montagabend in einem halbstündigen Gespräch den Schlussstrich zogen, um neue Impulse zu setzen. Für Marzolla nachvollziehbar, schließlich weiß auch er, dass Trainer an Punkten und Ergebnissen gemessen werden. Dennoch hinterließ die Art und Weise beim ehemaligen Übungsleiter einen faden Beigeschmack. „Den Zeitpunkt finde ich nicht richtig“, so Marzolla, der zugleich nach ausführlicher Selbstreflexion eigene Fehler eingestand: „Natürlich hätte ich in den vergangenen Wochen die eine oder andere Situation besser lösen können. Aber manchmal ist man als Trainer eben machtlos.“ 

Marzolla stellte sich gegen Lohauserholz selbst auf

Die desolate Personalsituation der HSV-Reserve mit gerade einmal zwölf einsatzfähigen Akteuren war schon lange kein Geheimnis mehr. Die daraus resultierende schwache Trainingsbeteiligung hatte zusätzlich die Arbeit Marzollas eingeschränkt. Der ehemalige Coach stellte sich deshalb höchstselbst gegen den TuS Germania Lohauserholz auf. „Meine Frau zeigt mir heute noch für diese Aktion den Vogel“, sagte er schmunzelnd und fügte an: „So ist es unmöglich, eine Konstante in das Spiel rein zu bekommen. Lichtblicke waren in beinahe jeder Partie dabei, jedoch sind die Jungs im Laufe der 90 Minuten immer wieder eingebrochen“, sagte der 35-Jährige, dessen Arbeitspapier eine Gültigkeit bis zum 30. Juni 2020 besitzt. 

Keine Verabschiedung, aber weiterhin Kontakt

Wie es nun für ihn weitergeht, konnte und wollte Marzolla noch nicht verraten. Nicht umsonst hatte er sich eine zweiwöchige Bedenkzeit geben lassen, nachdem er am Montagabend das Angebot erhalten hatte, die B-Jugend in der Westfalenliga zu trainieren. „Ich bin mir noch nicht sicher, ob mich diese Aufgabe wirklich reizt. Ich würde gerne meinen väterlichen Pflichten am Sonntagmorgen nachkommen. Mein Sohn spielt selber Fußball und würde sich sicherlich freuen, wenn ich ihm regelmäßig zuschauen würde. Das wäre mit dem Aufwand, den ich bei den B-Junioren in Kauf nehmen müsste, nicht möglich“, sagte Marzolla vorausblickend. 

Stand am Sonntag gegen Bockum-Hövel noch hoch motiviert an der Seitenlinie: Claudio Marzolla

Auf eine Verabschiedung von seiner Mannschaft hatte der 35-Jährige verzichtet. „Einige Jungs kamen von ganz alleine auf mich zu. Mit ihnen werde ich weiterhin in Kontakt bleiben. Wenn mich meine Menschenkenntnis nicht täuscht, war das Verhältnis zur Mannschaft immer ein gutes. Ich würde es mir wünschen, dass der neue Trainer positive Ergebnisse einfährt. Auch wenn die Aufgabe keine leichte ist. Die Mannschaft hat Qualität.“

Marzolla muss gehen, Lewejohann darf bleiben

Ursprungsmeldung: Hamm – Eines stellt Chiquinho, Sportlicher Leiter des Fußball-Oberligisten Hammer SpVg, gleich klar: „Der Trainer steht nicht zur Diskussion.“ René Lewejohann wird das nach dem 0:2 gegen den TuS Erndtebrück alleinige Schlusslicht also auch am Sonntag (15 Uhr) im Auswärtsspiel beim Tabellenzweiten RW Ahlen coachen. Claudio Marzolla hingegen, Trainer der Bezirksliga-Reserve, ist am Montagabend von seinen Aufgaben entbunden worden. 

Am Nachmittag hatte Dirk Blumenkemper noch gesagt, dass der Klub die Zusammenarbeit mit Marzolla, der die Mannschaft nach der Abmeldung aus der Landesliga im Sommer übernommen hatte, trotz der aussichtslosen Lage fortsetzen werde: „Mir ist nichts anderes bekannt.“ 

Am frühen Montagmorgen empfing Marzolla den Anruf

Dabei hatte Jugendleiter Karlo Tenji schon am Morgen Marzolla, dessen Team nach elf Partien null Punkte und 6:62-Tore aufweist, um ein klärendes Gespräch gebeten. Das folgte um 18 Uhr und dauerte rund 30 Minuten. Tenji, dessen Stellvertreter Robin Berghaus und Teammanager Ulrich Rolfing setzten Marzolla über sein Aus bei der HSV II in Kenntnis.

Gemeinsam durch die Krise: Chiquinho (links), Sportlicher Leiter der HSV, und Trainer René Lewejohann.

 

„Wir sind sehr dankbar, dass Claudio Marzolla das Projekt angegangen ist und jederzeit mit viel Leidenschaft und Willen dabei war. Jedoch lügen die Zahlen nicht, und ein Trainer wird nunmal an Zahlen gemessen. Wir haben in den kommenden zwei Wochen auswärts beim SC Sönnern und daheim gegen BW Sünninghausen zwei immens wichtige Partien vor uns, die unsere letzte Chance sind. Und dafür wollen und müssen wir mit einem Wechsel auf dem Trainerposten einen neuen Impuls setzen“, sagte Rolfing. 

Alexis Koumatzidis leitete Training am Montagabend - Suche nach Trainer beginnt

Das Training am Abend leitete bereits der Sportliche Leiter Alexis Koumatzidis. Die Suche nach einem Nachfolger werde am Dienstag aufgenommen. Marzolla, der sich am Montag nicht äußern wollte, sei angeboten worden, im Jugendbereich weiter für die HSV tätig zu sein. Eine Entscheidung stehe noch aus. Co-Trainer Marko Schröder solle sein Amt auch unter einem neuen Coach ausüben, habe sich aber Bedenkzeit erbeten. 

Ganz so aussichtslos wie bei der Reserve ist die Lage für die Oberliga-Mannschaft noch nicht. Die Schreckensvision eines Doppel-Abstiegs wird aber realer. Lewejohann hatte vor dem Kellerduell gegen Erndtebrück angekündigt, dass seine Elf „mit Schaum vor dem Mund auflaufen“ und dem Gast zeigen werde, „wer Herr im Haus ist“. Viel zu sehen war davon aber nicht. Das Urteil des 35-jährigen Coaches: „Unter dem Strich hatte ich nicht das Gefühl, dass wir für einen Sieg in Frage kommen.“ 

HSV-Anhang macht seinem Frust auf Facebook Luft

Entsprechend lesen sich die Kommentare auf der Facebook-Seite der HSV: „Es fehlt an Qualität in der Mannschaft. Wenn da spätestens im Winter nicht ordentlich zugelegt wird, ist der Abstieg besiegelt.“ „Ich habe heute ein wenig den Schaum vermisst. Wen wollen wir noch umhauen?“ „Das Problem ist, dass fast ausschließlich nur junge Jäuster geholt wurden (Ausnahme Loheider), aber kein Etablierter, der das Spiel mal in die Hand nimmt. So einer wie Schneider fehlt.“ Und: „Wann fliegt der Trainer raus?“ 

Letzteres hat Chiquinho ausgeschlossen, Krisengespräche würden nur intern vereinbart und nicht öffentlich angekündigt. „Wir haben vor der Saison gesagt, dass wir einen Umbruch mit unerfahrenen Spielern vollziehen. Wir brauchen viel Zeit“, sagt der Sportliche Leiter und verspricht: „Wir werden das durchziehen, in Ruhe arbeiten und nicht die Nerven verlieren. Wir wussten, was in der Mannschaft steckt.“

"Die Hoffnung stirbt zuletzt"

Innerhalb des Teams ist längst der Wunsch nach Neuzugängen entstanden, wie Linksverteidiger Niklas Sewing am Sonntag bestätigte: „Man muss gucken, ob man im Winter nachlegen kann.“ Laut Chiquinho eine Möglichkeit: „Wir schauen uns die ganze Zeit um. Wenn wir sehen, dass wir einen Spieler gebrauchen können, werden wir etwas machen.“ Blumenkemper bestätigt, dass Verstärkungen zur zweiten Halbserie „immer eine Option“ seien. Der Fußball-Abteilungsleiter betont: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ 

Tatsächlich zeigt ein Blick auf vergangene Oberliga-Spielzeiten, dass mit ähnlich desaströsen Bilanzen wie die, die die Hammer SpVg nach einem Drittel der Saison aufweist, der Klassenerhalt noch durchaus machbar ist. Westfalia Herne hatte 2018/19 nach elf Spieltagen nur sechs Zähler auf dem Konto, blieb als Tabellenachter mit 45 Zählern aber sicher drin. Auch der ASC 09 Dortmund hatte 2016/17 zum gleichen Zeitpunkt magere sechs Pünktchen gesammelt, um am Ende mit 41 Zählern knapp über dem Strich zu stehen. 

Abteilungsleiter weist Vorwürfe von sich

„Letzte Saison haben uns doch auch schon alle abgeschrieben“, sagt Chiquinho. Und Blumenkemper erklärt: „Wir haben gute Jungs, die weiter dran glauben. Wieso sollte ich es dann nicht tun?“ Den Vorwurf, der Klub sei mit falschen Erwartungen an die Kader, womöglich gar naiv in die Spielzeit gestartet, weist der Abteilungsleiter von sich: „Überhaupt nicht.“

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