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Für Dani Baijens läuft‘s - nicht nur wegen der Wahnsinns-EM

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Von: Günter Thomas

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Dani Baijens, links neben Alexander Engelhardt, befindet sich derzeit auf einer Glückswelle.
Dani Baijens, links neben Alexander Engelhardt, befindet sich derzeit auf einer Glückswelle. © Reiner Mroß/Digitalbild

Eine Wahnsinns-Europameisterschaft hat er gespielt, den Wechsel im Sommer zum HSV Handball Hamburg perfekt gemacht – und nebenbei hat er noch alle Chancen, auch mit seinem aktuellen Verein noch den Sprung in die Bundesliga zu schaffen: An Glückshormonen mangelt es Dani Baijens derzeit nicht.

Hamm - Der 23-Jährige vertrat gemeinsam mit Lars Kooij, der in der Hauptrunde nachnominiert worden war, die Farben des ASV Hamm-Westfalen bei der Europameisterschaft in der Slowakei und Ungarn – und die Erfahrungen, die der Rückraumspieler mit der niederländischen Nationalmannschaft in der ungarischen Hauptstadt in Budapest gemacht hat, übertrafen die Erwartungen bei weitem – in die eine, wie die andere Richtung. „Eigentlich habe ich gedacht, wir gewinnen nur ein Spiel“, sagt Baijens zum sportlichen Abschneiden. „Aber dass es so laufen würde, habe habe ich vorher nicht erwartet.“

EM-Sieg gegen Ungarn vor 20 000 Fans

Als Zweiter ihrer Vorrundengruppe zogen die Niederländer in die Hauptrunde ein, bezwangen Gastgeber Ungarn vor 20 000 Zuschauern mit 31:28 und Portugal mit 32:31. Nur gegen Island reichte es beim knappen 28:29 nicht ganz. In der Hauptrunde brachten ein Sieg über Montenegro (34:30) und ein Unentschieden gegen Kroatien (28:28) schließlich den zehnten Turnier-Rang ein – nicht schlecht für eine Mannschaft, die als krasser Außenseiter gestartet war. „Eigentlich haben wir schon vor der EM gut gespielt“, sagt Baijens. „Für Europa war das mehr Überraschung als für uns selbst.“

Selbst von der Corona-Welle verschont

Was aber auch zum Ungarn-Trip gehört, ist die Tatsache, dass die Niederländer nicht von der Corona-Welle verschont geblieben sind. Und das auch irgendwie mit Ansage. Denn: „Als wir in unserem Hotel angekommen sind, waren da viele Leute, die nichts mit Handball zu tun hatten – auch ohne Maske“, sagt Baijens. „Die ersten drei, vier Tage haben wir noch trainiert – danach haben wir die sechs Corona-Fälle bekommen.“ Insgesamt wurden es zwölf – die zweitmeisten des Turniers hinter der deutschen Mannschaft – schwer zu verkraften für ein Team, das sowieso schon Außenseiter ist.

Die Sportliche Leitung entschied: Ab sofort kein Training mehr. „Wir haben die Vorbereitung auf den nächsten Gegner nur noch per Video gemacht. In kleinen Gruppen. Also Rückraum für sich, Kreisläufer und Außenspieler“, schildert Baijens die skurrile Situation. „Außerdem hat jeder ein eigenes Zimmer bekommen. Und im Essraum durften wir nur zu zweit an einen Tisch.“

Dass er selbst zu den wenigen gehörte, die sich nicht infiziert hatten, führt er darauf zurück, dass „ich schon vor einem Jahr im März Corona gehabt habe. Ich denke, dass ich dadurch noch geschützt bin. Und natürlich bin ich auch dreifach geimpft und geboostert.“

Der Kontakt zu den anderen Teams – drei weitere waren im selben Hotel untergebracht – lief auf Sparflamme. „Wir waren viel allein auf dem Zimmer“, sagt der Niederländer. „Das war ein bisschen langweilig. Ich habe meist Videos vom Gegner studiert, oder ein Buch gelesen. Und war viel draußen, die Stadt erkunden. Da waren überall diese E-Scooter, die man nutzen konnte – Budapest ist eine schöne Stadt.“

„Froh, dass es mit Hamburg geklappt hat“

Seit Dienstag ist er nach einem freien Wochenende zu Hause in Rotterdam wieder beim ASV-Training, um sich auf die Rückserie vorzubereiten, an deren Ende nach nur einem Jahr in Hamm schon wieder der Abschied steht (WA berichtete). Seine starke Leistung in Ungarn (35 Tore) hat die Erstligisten Schlange stehen lassen – der HSV Hamburg hat das Rennen gemacht. „Ich wollte in die erste Bundesliga zurück und bin froh, dass es mit Hamburg geklappt hat. Das ist ein großer Verein, bei dem ich viele Möglichkeiten habe“, sagt Baijens. Der Kontakt kam noch in Ungarn zustande – zunächst über seinen Berater Fabian van Olphen, der das Vertragliche gesichert hat. „Und ich habe dann mit Trainer Toto Jansen nur noch über Handball gesprochen.“

Mit dem ASV „noch mehr zu erreichen“

Mit dem ASV will er dennoch „weitermachen, wie wir vor der Pause aufgehört haben. Da ist noch mehr zu erreichen.“ Durch den Ausfall des Rostock-Spiels am Samstag haben Baijens und der coronagebeutelte ASV nun ein paar Tage Vorbereitung gewonnen, ehe es am Mittwoch zur TSG Ludwigshafen-Friesenheim geht. Das einzige Manko: „Ein, zwei Tage mehr zuhause wären schön gewesen“, sagt Baijens, der sich aber freut, „die anderen Jungs wiederzusehen. Das ist auch wichtig.“

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