ASV-Führung bestellt Spieler nach Pleite zum Rapport

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Enttäuschte Gesichter nach dem Nordhorn-Spiel beim ASV.

HAMM - Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. Nach der blutleeren Vorstellung des ASV Hamm-Westfalen am Mittwoch im Heimspiel der 2. Bundesliga gegen die HSG Nordhorn-Lingen (23:30) baten Manager Kay Rothenpieler und Geschäftsführer Franz Dressel die Spieler zum Rapport.

„Wir haben die Dinge sehr deutlich angesprochen“, sagt Dressel. „Und wir haben der Mannschaft gesagt, dass diese Art, wie sie sich in der Halle präsentiert hat, nicht weiter von uns akzeptiert werden kann.“ Eine Brandrede von Dienstherren zu Angestellten sei dies aber keinesfalls gewesen, versichert der Geschäftsführer. Der Ton sei ruhig und sachlich, aber bestimmt gewesen. „Da wurde nicht herumgebrüllt, das ist nicht unsere Art: Wir haben lange miteinander gesprochen“, sagt er. „Und vielleicht sogar die eine oder andere Ursache ausgemacht, die dazu führt, dass unsere Spieler derzeit nicht die Leistung abrufen, die sie eigentlich zu bringen in der Lage sind.“

Ziel sei es gewesen, gemeinsam einen Weg zu finden, um „sportlich dahin zu kommen, wo wir hingehören in der Liga und vor allem zuhause deutlich besseren Handball zu spielen als bisher.“ Mit Platz elf sei derzeit niemand zufrieden. Weder die Mannschaft, noch die Verantwortlichen oder die Zuschauer. „Auf der anderen Seite muss man aber sehen, dass die Mannschaft ja auch schon sehr gute Spiele gezeigt hat – auch zuhause, wie etwa beim Sieg gegen Erlangen“, sagt Rothenpieler. „Aber insgesamt fehlt der Mannschaft die Leichtigkeit und eine gewisse Hierarchie im Team. Jeder muss wissen, was seine Aufgabe ist – das ist derzeit nicht der Fall.“

Welche Ergebnisse die Ursachenforschung gebracht hat, mochte Rothenpieler im Detail nicht preisgeben, räumte aber ein, dass „wir starke Mittelmänner brauchen, einen Ondrej Zdrahala und einen Apollo Just in Topform – Leute, die voran gehen.“

2.Handball Bundesliga: ASV Hamm Westfalen - Nordhorn Lingen 23:30

Dressel machte aber auch klar, dass es nicht Ziel der Sitzung gewesen sei, Trainer Niels Pfannenschmidt in Frage zu stellen. „Zunächst einmal ist die Mannschaft gefordert“, versichert Dressel. „Wenn es so sein sollte, dass wirklich jeder seine Leistung abruft und dann immer noch die gewünschten Ergebnisse fehlen, dann müsste man auch über solche Dinge nachdenken – aber das war nicht unser Ansatz.“

In erster Line gefiel den Verantwortlichen das Verhalten der Akteure auf der Platte gegegen Nordhorn nicht. „Die Frage stellt sich, ob die innere Bereitschaft groß genug ist, um im Spiel und beim Training 100 Prozent Leistung abzuliefern“, moniert Dressel. „Und da stehen wir auf jeden Fall erst einmal auf der Seite des Trainers. Aber auch er muss in der einen oder anderen Situation umdenken und Rat annehmen, wo man noch etwas herauskitzeln kann.“

Auch von Seiten der Spieler sei im Gespräch nicht herauszuhören gewesen, dass sie „mit dem Trainer nicht zufrieden seien“, so der Geschäftsführer. Und so appelliert er zunächst einmal an den Kampfgeist der Mannschaft. „Wenn da jemand Probleme hat, 100 Prozent für den Verein zu geben, dann interessiert es uns auch überhaupt nicht, ob einer bis 2016, 17 oder 18 Vertrag bei uns hat. Wenn jemand unseren Weg nicht mitgehen will oder kann, soll es laut sagen – dann werden wir Wege finden.“

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Dass Dressel und Rothenpieler bei der Mannschaft offene Ohren fanden, steht für den Geschäftsführer fest, zumal die Akteure nach der Nordhorn-Partie sehr selbstkritisch mit der eigenen Leistung umgegangen waren. „Wir haben scheiße gespielt“, hatte Marian Orlowski gesagt, und Julian Possehl zeigte sich „sehr, sehr enttäuscht von der Art und Weise, wie wir angetreten sind“. „Die Jungs waren sehr einsichtig“ sagt der Manager,

Nicht zuletzt aus diesem Grund hofft Dressel auf die reinigende Wirkung der offen geführten Diskussion gestern Mittag. „Die Spieler können ja auch ein bisschen befreit sein, weil wir nicht im stillen Kämmerchen Entscheidungen getroffen, sondern mit ihnen das Gespräch gesucht haben. Keiner muss bei uns Existenzangst haben. Aber es ist auch klar, dass wir uns das Verhalten der Spieler in der nächsten Zeit genau ansehen werden. Denn irgendwann ist der Punkt erreicht, wo Zuschauer und Sponsoren genug haben.“

Noch seien die internen Ziele, die sich die Mannschaft vor Saisonbeginn gesetzt hat, zu erreichen. „Aber fest steht auch, dass wir fünf bis sieben Punkte im bisherigen Verlauf leichtfertig liegen gelassen haben“, so Dressel.

Schon am Samstag in Rimpar erwarten die Verantwortlichen eine Reaktion der Mannschaft auf der Platte. „Ob es zu Punkten reichen wird, weiß ich nicht“, sagt Rothenpieler. „Aber die Mannschaft wird eine ganz andere Körpersprache an den Tag legen. Da bin ich mir ganz sicher.“

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