Abwehrspezialist Florian Bluhm ersetzt Pavel Platonov als Nummer eins beim TTC Grünweiß Bad Hamm

Eine neue Nummer eins für Grünweiß

In seinem Element: Abwehrspezialist Florian Bluhm komplettiert den GW-Kader.
+
In seinem Element: Abwehrspezialist Florian Bluhm komplettiert den GW-Kader.

Während der Spielbetrieb in der 2. Tischtennis-Bundesliga im Lockdown ruht, haben die Verantwortlichen des TTC GW Bad Hamm die personellen Weichen für die Zukunft gestellt. Mit Florian Bluhm präsentiert der GW-Vorsitzende Martin Vatheuer nun einen neuen Spitzenspieler für die kommende Saison. Seinen Vorgänger Pavel Platonov werden die Hammer Fans dagegen künftig nicht mehr im GW-Trikot sehen.

Hamm – Sein TTR-Wert (statistische Berechnung der aktuellen Leistungsstärke von Tischtennisspielern) liest sich wie die Entwicklung der aktuellen Corona-Inzidenz-Kurve: Sie zeigt steil nach oben. Florian Bluhm ist der Shooting-Star der abgebrochenen Saison in der 2. Tischtennis-Bundesliga. Mit seiner 8:2-Einzel-Bilanz am oberen Paarkreuz spielte sich die Nummer eins der NSU Neckarsulm sogar in den Fokus der TTBL-Vereine (Tischtennis-Bundesliga).

Das Rennen um den 24-Jährigen hat schließlich der TTC GW Bad Hamm gemacht, wie der Vorsitzende des Vereins, Martin Vatheuer bestätigt. „Eigentlich hatte ich Florian schon in den vergangenen zwei Jahren im Vorfeld der Saison angesprochen. Aber irgendwie war er in Neckarsulm gut verbandelt und verspürte keinen Drang zu wechseln“, sagt Vatheuer, dessen Hartnäckigkeit sich dann doch auszahlte. „Jetzt habe ich es wieder versucht. Und dieses Mal hat es geklappt.“

Weil Bluhm noch ehrgeizige Ziele verfolgt und den Sprung in die 1. Liga schaffen will. Einige Interessenten hat es gegeben – Hamm ist es geworden. „Als wir die ersten Gespräche geführt haben, sah es ja noch so aus, als wenn wir aufsteigen könnten“, sagt Vatheuer, dem der vorzeitige Saisonabbruch diesbezüglich einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. „Jetzt werden wir es dann eben noch einmal versuchen.“

Bluhms Ziel: der nächste Schritt

Mit Bluhm an Position eins. „Mein Ziel ist es schon, sportlich da nochmal weiter zu kommen, den nächsten Schritt zu machen“, sagt der Neu-Grünweiße, der in Hamm gute Chancen sieht, um dieses Vorhaben zu verwirklichen. „Schade, dass es nicht direkt klappt, aber in der nächsten Saison haben wir eine Mannschaft, mit der es in Richtung erste Liga gehen kann.“

Dass es mit Bluhm und Grünweiß irgendwann klappen musste, war dem langen Abwehr-Schlaks trotz seines Geburtsorts Karlsruhe schon in die Wiege gelegt. Schließlich spielte auch Vater Matthias in seiner aktiven Zeit für die Hammer in der 1. Bundesliga. Und gab seine Erfahrungen an den Junior weiter. „Ihn frage ich sowieso immer, wenn es ums Sportliche gehe“, versichert Florian Bluhm. „Und er hat gesagt, dass es gut war, damals. Das hat mit den Ausschlag für mich gegeben.“

Immer schon etwas weiter weg von der Platte

Gemeinsam mit dem Belgier Laurens Devos, Gerrit Engeman und Pekka Pelz wird Bluhm das Hammer Zweitliga-Quartett bilden. Als klassischer Abwehrspieler gehört er dabei eher zu einer Randgruppe im Tischtennissport. Denn fast alle Topakteure bevorzugen das Angriffsspiel. „Ich habe nie so ein tischnahes Spiel gehabt – auch nicht, als ich noch Angriffsspieler war“, sagt Bluhm, der mit sechs Jahren erstmals an der Platte gestanden hat und mit zehn dann endgültig auf das Abwehrsystem gesetzt hat, weil „ein Verbandstrainer gefragt hat, ob ich nicht Bock hätte, das richtig zu trainieren – für vier Wochen, erst einmal. Daraus sind dann jetzt fast zehn Jahre geworden.“

Bis auf Platz 15 der aktuellen deutschen Rangliste hat er sich hoch gekämpft. So steil, wie in den vergangenen zwei Jahren ging die Erfolgskurve allerdings nicht immer nach oben. Als er sich nach dem Abitur ein Jahr lang nur auf Tischtennis konzentriert hatte, lief es nicht so wie erhofft. Bluhm zog die Konsequenz, begann in Stuttgart ein Studium, wo er gerade seinen Master im Zweig Wirtschaftspädagogik baut – und ohne den selbst erzeugten Druck, erfolgreich sein zu müssen, läuft es plötzlich. „In den letzten zwei, drei Jahren ist da schon was passiert“, sagt der Spätentwickler. „Zwischendurch gab es auch mal einen Stillstand. Aber zuletzt lief es gut. Und ich hoffe, dass meine Kurve im Gegensatz zu der Corona-Inzidenz weiter steigt.“

Sparringspartner mit großem Bezug nach Hamm

Dass seine 8:2-Bilanz aus der Vorsaison kein Garant dafür ist, dass es auch künftig für ihn so gut läuft, weiß Bluhm. „Diese Bilanz ist ja nicht so aussagekräftig, weil sie keine ganze Saison abbildet“, weiß er. „Aber ich habe gezeigt, dass ich zu den Besten gehören kann. Jetzt gilt es, in der Rangliste die Spieler, die hinter mir stehen, auf Distanz zu halten und weiter nach oben zu kommen.“

Trainieren wird der Abwehrspezialist weiter heimatnah in Böblingen, wo er mit Torben Wosik auf einen Sparringspartner trifft, der einiges über seinen neuen Klub zu erzählen hat. Wosik wurde in Hamm geboren und hat das Tischtennisspielen beim TTC Grünweiß gelernt, ehe er Bundes- und Nationalspieler sowie 1999 und 2008 Deutscher Meister im Einzel wurde.

Falls die Corona-Schutzverordnung in der kommenden Saison wieder uneingeschränkten Teamsport in der Halle erlaubt, dürfte sich die Suche nach einem Doppelpartner für Florian Bluhm als spannend erweisen. „Das ist so eine Sache als Abwehrer“, weiß er. „Die Meisten haben noch nie mit einem Defensivspieler zusammengespielt. Ich habe schon unterschiedliche Ergebnisse gehabt. Als Spezialist würde ich mich daher nicht bezeichnen.“

Platonov wechselt zurück nach Belgien

Während sich Bluhm auf seine Partien im GW-Trikot freut, ist die Zeit von Pavel Platonov in Hamm damit beendet. Der Weißrusse wird in der kommenden Saison zu PW Diest in die belgische Superdivision zurückkehren. Beim belgischen Meister von 2019 hat er bereits vor seinem Wechsel zu den Grünweißen bis 2019 gespielt. „Ich will Florian aber nicht mit Pavel vergleichen“, erwartet Vatheuer nicht, dass Bluhm den besten Spieler der Zweitliga-Saison 2019/20 eins zu eins ersetzen wird. „Das muss er auch gar nicht. Aber eine stark positive Bilanz trauen wir ihm schon zu.“

Dass es nicht mit Platonov in Hamm weitergeht, war neben einer finanziellen Entscheidung auch eine für den Nachwuchs. „Wir geben den jungen deutschen Spielern die Chance, sich weiter zu entwickeln und vielleicht den Schritt in Richtung erste Liga zu tun“, freut sich Vatheuer auf ein spannendes Projekt in der neuen Saison – in der Hoffnung, dass diese auch stattfinden wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare