HSV feiert nach Rückstand 3:2-Sieg gegen TSV Marl-Hüls

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Befreiter Jubel: Die HSV bejubelt den Torschützen zum 3:1, Djaniny Dos Santos Tavares.

Hamm - Was für ein Unterschied: Mit verkniffenen Mündern und gesenkten Blicken waren die Oberliga-Fußballer der Hammer SpVg nach einer schwachen ersten Halbzeit in die Kabine gegangen – eine Stunde später klatschten sie ab, umarmten sich und lachten. Durch den 3:2 (0:1)-Sieg gegen den TSV Marl-Hüls hat die HSV ihre Serie siegloser Heimauftritte beendet. Und nebenbei den Anschluss an die vorderen Plätze der Tabelle gehalten.

Vor allem Coach Oliver Gottwald war nach dem Schlusspfiff die Erleichterung anzusehen. „Da stehst du nach der Pleite in Siegen etwas unter Druck, es fallen Spieler krank aus, du gerätst in Rückstand, dazu verletzt sich Semih Yigit... Und dann zeigen die Jungs eine so starke zweite Halbzeit. Das war ganz, ganz toll. Ein Riesenkompliment“, sprudelte es aus dem Wittener heraus, während sein Marler Trainer-Kollege Michael Schrank konstatierte: „Schade. Wir haben die bessere Spielanlage, beherrschen den Gegner und holen keinen Punkt.“

Gottwald hatte seine Mannschaft noch stärker umbauen müssen als gedacht. Kurzfristig erreichten ihn die krankheitsbedingten Absagen von Marcel Ramsey und Amadeus Piontek. Auf der Ersatzbank saßen neben Torhüter Michael Strzys daher nur noch Jochen Höfler, der angeschlagene Kevin Thume und Jannik Prinz, der zuvor bereits für das Kreisliga-Team im Einsatz gewesen war. Auch Marl hatte personelle Probleme: Torjäger Christian Erwig fehlte wegen einer Entzündung an der Achillessehne.

Fußball Oberliga: Hammer SpVg - TSV Marl Hüls 3:2

Dennoch waren die Gäste vor den Augen von Ex-Nationalspieler David Odonkor und weiteren 409 Zuschauern in der Evora Arena das torgefährlichere Team. Die erste Chance gehörte allerdings den Hammern: Hugo Magouhi scheiterte aus spitzem Winkel am Ex-HSVer im TSV-Tor, Lukas Fronczyk (7.). Es war zugleich die letzte gefährliche Aktion der Gastgeber für eine lange Zeit. Der Spielaufbau war zäh und zu zentral – und Ballverluste gegen die schnellen Offensiven der Marler gefährlich. Dario Gedenk scheiterte nach einem Konter über Michael Smykacz an HSV-Keeper Manuel Lenz, der bei der folgenden Ecke machtlos war. Der Ball kam zu Maurice Kühn, der ihn wuchtig zum 0:1 ins Tor köpfte (12.).

Kurz darauf hatte Smykacz die Chance zum 0:2, doch erneut war Lenz zur Stelle (21.). Kurz vor der Pause war sein Tor zwei weitere Male in Gefahr, doch erst vertändelte Marls Spielmacher Sebastian Westerhoff den Ball (43.), dann schoss David Szduy drüber (45.+1). Dazwischen lag die zweite HSV-Chance. Wieder war es der rackernde Magouhi, der das Duell gegen Fronczyk verlor (44.).

Semih Yigit (Foto) stand zu diesem Zeitpunkt nicht mehr auf dem Platz. Er blieb nach einem Foul von Henning Witjes mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen (30.). Der Verdacht auf Schienbeinbruch bestätigte sich in der Barbaraklinik nicht. Yigit kam mit einer starken Prellung davon. „Bei der Vielzahl an Chancen hätten wir zur Pause 2:0, 3:0 führen müssen“, ärgerte sich TSV-Trainer Schrank. Doch es blieb beim 0:1 zur Halbzeit. Und das rächte sich. Sehr bald schon.

Keine zwei Minuten waren nach Wiederbeginn gespielt, als Yakup Köse den freien Thume auf dem rechten Flügel sah. Dessen Querpass verwertete Magouhi zum 1:1-Ausgleich (47.) – es war bereits der sechste Saisontreffer des Ivorers. Die HSV war jetzt all das, was sie vor der Pause nicht gewesen war: gallig, lauffreudig, aktiv und nah am Gegner. „Wir haben in der Kabine den Zaubertrank gefunden“, scherzte Gottwald später. Vor den Augen der Zuschauer entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Smykacz (47., 52.) und Kühn (63.) vergaben für Marl, auf der Gegenseite verpassten Magouhi (48.) und Tayfun Cakiroglu mit einem kapitalen Fernschuss (56.) das 2:1. Das gelang Serdar Yigit. Der 25-Jährige traf aus 25 Metern genau in den Winkel (64.). Danach verlor die Partie etwas an Schwung, nicht aber an Intensität und Spannung. Zweimal hatte Marls Smykacz den Ausgleich auf dem Fuß, zweimal blieb es beim 2:1 (75., 79.).

Besser machte es Hamms Dos Santos Tavares. Der Portugiese eroberte zu Beginn der Nachspielzeit den Ball und schoss ihn zum 3:1 ins Tor (90.+1). Lukas Diericks machte es mit seinem sehenswerten Seitfallzieher zum 3:2 (90.+3) noch einmal für ein paar Sekunden spannend. Dann pfiff Schiedsrichter Jens Jeromin ab. Und die HSVer fielen sich in die Arme. „So ein Sieg schweißt zusammen“, sagte Michael Kaminski.

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