Handball

Familienduell beim Topspiel des ASV Hamm-Westfalen in Hamburg

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Erstversorgung: Christina Dressel verarztet die Spieler des HSV Hamburg.

Tabellenführer gegen Ligadritten – für Handball-Zweitligist ASV Hamm-Westfalen ist es eine besondere Partie, wenn er am Sonntag zum zweiten Topspiel der noch jungen Saison beim HSV Hamburg antritt (17 Uhr/Sporthalle) – und für Franz und Christina Dressel ein Familienduell.

Hamm – Das Telefon schellt in Dauerschleife. Am anderen Ende schafft es Christina Dressel nicht rechtzeitig, das Gespräch anzunehmen, ruft aber kurze Zeit später zurück. Natürlich ist sie in der Trainingshalle des HSV Hamburg, und natürlich ist sie dort sehr beschäftigt. 

Dressel ist neben HSV-Trainer Torsten „Toto“ Jansen wohl diejenige, die am besten weiß, wie es um die Fitness der Spieler des Tabellenführers der 2. Handball-Bundesliga bestellt ist. Und sie ist diejenige, die dieses Wissen ganz sicher geheim halten wird. Selbst vor ihrer Familie. Und das ganz besonders, bevor die am Sonntag anstehenden Begegnung des vierten Spieltags gegen den ASV Hamm-Westfalen angepfiffen wird. Denn Dressel ist nicht nur Physiotherapeutin beim HSV, sie ist auch die Tochter des ASV-Geschäftsführers Franz Dressel. „Wir haben derzeit mit Jan Kleineidam einen Langzeitverletzten, der in den letzten Zügen auf dem Weg zurück ins Mannschaftstraining ist“, sagt sie lachend. „Wer sonst noch angeschlagen ist, behalte ich aber für mich.“

Seit fast neun Jahren gehört Dressel zum Inventar des früheren Deutschen Meisters – zunächst nach der Insolvenz 2010 zuständig für die zweite Mannschaft, mittlerweile für die erste. Tagsüber arbeitet sie in der Innenstadt im LANS Medicum, einem Partner des HSV, nach Feierabend führt der Weg dann täglich in die Halle. „Das kann dann abends bis halb acht gehen“, sagt sie. „Und am Wochenende bin ich mit der Mannschaft unterwegs. Das ist zwar sehr zeitaufwendig, aber es macht auch Spaß – das ist kein Job, sondern eine Leidenschaft.“

Am Sonntag ist nun der ASV zu Gast in der Hamburger Sporthalle, und das Familienduell knistert ordentlich im Vorfeld. Schließlich spielt der HSV vor vollem Haus als verlustpunktfreier Spitzenreiter gegen den Hammer Verfolger, bei dem der Ärger über den Punktverlust in Konstanz noch immer nicht ganz verraucht ist. „Klar hätte die Mannschaft das gewinnen müssen“, grantelt Franz Dressel nach der verspielten Vier-Tore-Führung und dem 23:23 beim Aufsteiger. „Aber das Team macht das ja nicht extra. Und vielleicht können wir den Punkt ja schon in Hamburg wiederholen. Ich traue dem Team sogar zu, dass es beim HSV gewinnen kann.“

Was allerdings nicht ganz einfach werden dürfte, angesichts eines hoch motivierten Gastgebers. „Die Tabelle sieht doch super aus“, mag Dressel-Tochter Christina nicht in das Unentschieden-Angebot einwilligen. „Die Stimmung bei uns ist richtig gut und das Selbstvertrauen gestiegen.“

Harmonie bei den Gastgebern 

Dass es derzeit so reibungslos beim HSV läuft, liegt für die Wahl-Hamburgerin darin begründet, dass „das Teams im Kern zusammen geblieben ist und super harmoniert. Im Vorjahr mussten wir uns als Aufsteiger in der Liga erstmal zurechtfinden, haben aber ab Februar, März schon viel besser gespielt.“

Immerhin: Wenn es nicht gerade gegen ihren HSV geht, drückt Christina Dressel dem ASV noch die Daumen. „Ich habe mich geärgert, als ich das ASV-Ergebnis aus Konstanz gesehen habe“, sagt sie. „Ich freue mich über jeden Hammer Sieg – nur nicht, wenn es gegen uns geht.“ Am besten für den Familienfrieden wäre es, wenn beide Vereine aufsteigen würden, aber daran verschwendet die Physiotherapeutin keinen Gedanken: „Wie viele Spieltage haben wir hinter uns“, winkt sie ab. „Nein, nein. Daran denke ich sicher nicht.“

Hoffen auf Südmeier

Am Samstag wird der Teil der Familie aus Hamm anreisen, um das Wochenende mit der Tochter zu verbringen. Das Duell vom Sonntag wird dann Tabu sein – bis es in die Halle geht, die wahrscheinlich rappelvoll sein wird. 7 000 Fans passen in die Sporthalle – und die werden zum Großteil die Daumen für die Heimmannschaft drücken. Nur eine im weiten Rund wird neutral sein, wenn die Partie beginnt: „Meine Frau wünscht sich ein Unentschieden“, sagt Franz Dressel und hofft, dass „ein Mann wie Sören Südmeier bei uns wieder fit wird. Wie wichtig er für uns ist, haben wir in Konstanz gesehen, wo er verletzt war.“ Wenn es dagegen nach seiner Tochter geht, brauchen die Hammer die Halle gar nicht erst zu betreten: „Wir gewinnen 29:23“, lässt sie keinen Zweifel aufkommen, wer ihrer Meinung nach siegreich sein wird. Danach kann der ASV dann gerne wieder gewinnen.

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