Handball

Ex-ASVer Stefan Lex: Das Ende der Profi-Karriere ist definitiv

Abschied aus Hamm: Stefan Lex (links) beendet seine Profi-Karriere und wird künftig in der Handball-Oberliga in der hessischen Heimat aktiv sein.
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Abschied aus Hamm: Stefan Lex (links) beendet seine Profi-Karriere und wird künftig in der Handball-Oberliga in der hessischen Heimat aktiv sein.

Stefan Lex beendet seine Profi-Karriere und wird künftig in der Handball-Oberliga in der hessischen Heimat aktiv sein. Hier erklärt er seine Beweggründe.

Hamm - Nur ein paar Minuten ist Stefan Lex am Telefonhörer, als sich Linus zu Wort meldet. Der fast zweijährige Lex-Spross will die Aufmerksamkeit seines Vaters für sich. Ein wenig muss er sich noch gedulden. Papa hat derzeit einiges zu erledigen.

Die Corona-Krise hat dem 30-Jährigen einen dicken Strich durch die Lebensplanung gemacht – und ein wenig auch der ASV Hamm-Westfalen. Denn ursprünglich hätte der Rückraumrechte beim Hammer Zweitligateam gerne seine Profi-Karriere als Handballer noch um ein, zwei Jahre verlängert. Die Gespräche liefen im Winter in diese Richtung. „Dann wurde mir ja erst Ende Januar mitgeteilt, dass es hier nicht weiter geht“, sagt Lex. „Danach war es eine längere Entscheidungsphase, bis ich mich mit der Familie dazu entschlossen habe, mich beruflich neu zu orientieren.“ 

Entscheidung für die HSG Pohlheim

Die Entscheidung fiel zugunsten einer Zukunft beim hessischen Oberligisten HSG Pohlheim, direkt in der Nachbarschaft seines Heimatorts Wetzlar. Dort ist sein Bruder Andreas als Co-Trainer aktiv – und dort will er seine Karriere ausklingen lassen.

Seinen Showdown am letzten Spieltag mit der möglicherweise noch für den Kampf um den Aufstieg relevanten Partie beim VfL Gummersbach hatte sich der Linkshänder bereits vor dem geistigen Auge ausgemalt. Doch durch die Corona-Pandemie kam alles anders. Jetzt weiß Lex nicht einmal genau, wann er zum letzten Mal vor der Krise einen Handball in der Hand gehalten hat. „Irgendwann im Training vor zwei Monaten“, sagt er schulterzuckend und empfindet das Finale seiner Profi-Karriere als irgendwie unvollendet. „Das war nicht ganz so easy. Eine kleine Verabschiedung beim Grillen gab es noch – dann hat sich das leider verlaufen.“

Angebote gab es reichlich

Angebote, um weiter unter Profibedingungen zu spielen, gab es, einige sogar „sehr interessante“, versichert Lex. „Aber wir wollten nicht mehr so weit von der Heimat weg. Hamm war mit zwei Stunden noch gut – alles darüber hinaus war uninteressant.“

Trotz des abrupten Endes empfindet der 2018 vom HSC Coburg zum ASV gewechselte Linkshänder seine Hammer Zeit als „eine schöne Station. Wir haben guten Kontakt mit der Nachbarschaft, in der Mannschaft habe ich mich wohl gefühlt“, sagt Lex. „Jetzt pendle ich noch bis Ende des Monats, weil meine Frau noch in Welver an der Schule unterrichtet.“ Die berufliche Karriereplanung wird Lex langsam angehen. „Meine Frau wird in Hessen verbeamtet, bekommt nach den Sommerferien direkt eine neue Stelle“, sagt der gelernte Speditionskaufmann. „Sie hat zehn Jahre auf mich und meinen Sport Rücksicht genommen. Irgendwann kommt dann eben der Punkt, wo man sagen muss, jetzt muss ich zurückstecken.“

Körperlich auch mit 30 topfit

Dabei fühlt er sich körperlich auch mit 30 Jahren noch „topfit. Ich habe relativ viel gemacht. In der Oberliga wird das Niveau ja immer noch ganz gut sein, aber eben nicht mehr ganz so erfolgsorientiert“, freut sich der gebürtige Wetzlarer auf seine neue sportliche Herausforderung. „Da werde ich alte Weggefährten treffen, die ich von früher noch kenne – ich freue mich richtig auf den Amateur-Handball.“

Im Haus seiner Eltern hat Lex vorerst eine Wohnung bezogen. Vom Profi-Handball scheint er bereits jetzt weit entfernt. „Natürlich beginnt, wenn mein Vertrag in Hamm am 30. Juni abläuft, ein neues Leben“, weiß er, hofft aber, dass der Kontakt zu den ASV-Kollegen nicht ganz abbricht. „Jeder ist mit der Situation unzufrieden. Aber wenn die Runde wieder läuft, werden wir sicher auch wieder mehr Kontakt haben.“

"Die Spieler muss man schützen"

Wann das der Fall sein wird, wagt Lex nicht vorherzusagen. Er wünscht sich aber, dass die Spieler genügend Vorlauf bekommen, um sich auf Betriebstemperatur zu bringen. „Die muss man auch schützen“, sagt er und hofft, dass der Neustart erst dann wieder getätigt wird, wenn gewährleistet ist, dass Zuschauer in die Halle kommen dürfen. „Die Emotionen sind beim Handball wichtig und die Vereine auf das Geld angewiesen. Beim Fußball kommt es mir manchmal vor, als wären das Testspiele. Da wird es schwer, die richtige Motivation zu finden.“

An der Motivation habe es in Hamm dagegen weniger gelegen, dass der ASV nach der Winterpause einen klassischen Fehlstart hingelegt hat, der das Team aller Aufstiegschancen beraubt hat. „Wir waren in der Hinrunde die beste Mannschaft und viele haben gesagt, Hamm wird das durchziehen“, hätte Lex gerne zum Abschluss den Aufstieg mit dem Team gefeiert. „Dann gab es sehr viel Unruhe um und in der Mannschaft. Das hat uns ein bisschen das Genick gebrochen – das war eine sehr schwierige Zeit.“

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