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Erol Akyüz: „Blitztransfer“ in die Kreisliga A mit 53 Jahren

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Von: Günter Thomas

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A-Liga-Fußball mit 53 Jahren: Erol Akyüz (Mitte).
A-Liga-Fußball mit 53 Jahren: Erol Akyüz (Mitte). © Bönen

Die Szene hätte das i-Tüpfelchen auf dem Comeback von Erol Akyüz sein können: Beim Stand von 1:1 im Spiel der Fußball-Kreisliga A zwischen dem Hammer SC und dem TSC Hamm bot sich dem TSC-Stürmer die Chance, seine Mannschaft in Führung zu bringen. 

Hamm - Am Ende kam der Pass ein wenig zu ungenau in den Rücken, der Ball landete nicht im Tor und die Gastgeber erzielten stattdessen drei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit den 2:1-Siegtreffer. „Das wäre eine super Geschichte gewesen, wenn ich da getroffen hätte“, sagte Akyüz. „Aber es hat in der Szene leider nicht funktioniert.“

Mit mittlerweile 53 Jahren kam die Rückkehr in die erste Mannschaft für Akyüz genauso überraschend wie seine Torchance im Spiel. Geschuldet war sie dem personellen Engpass, dem sich sein Bruder und Trainer Erdal Akyüz durch die neue Corona-Verordnung ausgesetzt sah. Acht Akteure des Kaders waren nicht oder erst einmal geimpft, dazu kamen ein paar urlaubs- und verletzungsbedingte Ausfälle – und schon standen nicht genügend Spieler zur Verfügung. Erdal Akyüz zog selbst das Trikot über und setzte sich auf die Bank, den Platz in der Startelf aber hatte er für seinen Bruder reserviert. „Dass ich spielen sollte, kam dann auch für mich überraschend“, sagt Erol Akyüz lachend. „Am Samstagabend kam der Blitztransfer.“

Akyüz spielt bei den Altherren und häufig in der Kreisliga B

Immerhin: Ganz aus der Übung ist der Stürmer nicht. Denn auch „ungefähr zehn Jahre“ nach seinem letzten Einsatz in der ersten Mannschaft und im gesetzten Fußball-Alter steht Erol Akyüz noch regelmäßig auf dem Platz, spielt in der Altherren-Mannschaft des TSC und hilft auch oft in der Reserve bei Trainer Tan Akduman aus, die in der Kreisliga B um Punkte kämpft. „Ich versuche, mindestens einmal in der Woche zum Training zu gehen, um mich fit zu halten“, sagt er. „Aber es ist schon ein großer Unterschied zwischen Kreisliga B und A. In der Kreisliga B sind die Jungs nicht so fit – trotzdem habe ich nicht schlecht ausgesehen.“

Was sein Bruder bestätigt, obwohl er den Stürmer nach 62 Minuten ausgewechselt hatte. „Klar war ich zufrieden mit ihm. Er hätte länger spielen können, musste aber weg“, erklärt Erdal. „Fit ist er immer noch. Sein Gegenspieler war locker 30 Jahre jünger, sah aber ein paar Mal alt gegen ihn aus.“

Was nicht verwundert. Denn bevor sich Erol Akyüz vor zwölf Jahren dem TSC anschloss, hat er in seinen besten Zeiten in der Region in allen Klassen bis hoch zur Verbandsliga gespielt. „Ich bin schon ein bunter Vogel gewesen“, lächelt er, als er seine ehemaligen Vereine aufzählt: „Ich habe in Herringen angefangen und danach viele Jahre in Werl, Werne, in Bockum-Hövel, damals mit Siggi Scholtysik, beim SV 26 Heessen und in Ahlen beim TuS und später nach der Fusion bei LR gespielt.“ Einen Anspruch auf Vollzähligkeit hat diese Auflistung nicht.

Zusammentreffen mit Sohn Enes

Beim SSV Hamm hat er zudem vor einigen Jahren mit vielen seiner ehemaligen Weggefährten gekickt, ist dort auch mit der Mannschaft in die Kreisliga A aufgestiegen. „Das waren alles meine Jugendfreunde“, sagt er. „Jörg Schmitz war damals Trainer. Und da habe ich auch das erste Mal mit meinem Sohn Enes zusammen gespielt.“

Von da aus wechselten beide dann gemeinsam zum TSC. Doch während Erol dort Wurzeln geschlagen und Vorstandsaufgaben übernommen hat – derzeit ist er gemeinsam mit Mehmet Tirgil Fußball-Geschäftsführer – ist Enes mittlerweile Kapitän bei Ligakonkurrent Eintracht Werne.

Wenn sich die Situation beim TSC in den beiden ausbleibenden Meisterschaftsspielen vor der Winterpause nicht entspannt, könnte es am 12. Dezember sogar dazu kommen, dass Vater und Sohn gegeneinander antreten müssen. Denn dann steht für den TSC das Spiel bei der Eintracht in Werne an. „Ich weiß ja nicht, wie die Sachlage dann ist“, sagt Erol Akyüz. „Aber wenn die Vorgaben so bleiben, kann es wahrscheinlich noch dazu kommen – der Trainer kann mich jedenfalls ruhig anrufen.“

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