Kanu-Slalom

Schornberg denkt auch über das Ende der Laufbahn nach

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Zum Paddeln geht Jasmin Schornberg derzeit nur noch aus Spaß.

Die Kanu-Slalom-Europameisterschaft  im Mai in London  wäre noch einmal ein krönender Abschluss einer großen Karriere gewesen. Ob sie ihre Laufbahn nach der Absage überhaupt fortsetzen wird, weiß Jasmin Schornberg vom Kanu-Ring  Hamm derzeit noch nicht.

Hamm/Augsburg – Es passiert nur äußerst selten, dass Jasmin Schornberg, frühere Slalom-Weltmeisterin des Kanu-Rings Hamm, in ihrer Wohnung in Augsburg sofort ans Telefon geht. Eigentlich hält sie sich jeden Tag gleich mehrere Stunden im tobenden Wasser des Olympia-Eiskanals von 1972 auf, besucht zudem zwischendurch das Fitnessstudio, um auch entsprechendes Krafttraining zu betreiben. In diesen Corona-Tagen lässt sie sich schon einmal beim Chillen auf dem heimischen Sofa stören. Denn Schornberg langweilt sich – so ganz ohne Sport: „Ich würde mich schon riesig darüber freuen, wenn ich wenigstens einmal im Fernsehen wieder einen richtigen Wettkampf sehen, mit den Athleten mitfiebern könnte – ganz gleich, um welche Sportart es sich handelt.“

Durch Covid-19 ausgebremst

Covid-19 hat auch die gebürtige Lippstädterin ausgebremst, vielleicht sogar den krönenden Abschluss einer sehr langen und äußerst erfolgreichen Karriere vermasselt. „Ich will aber nicht jammern“, sagt sie. „So wie mir geht es jetzt auch allen anderen Leistungssportlern. Für manche ist ja sogar der Olympiatraum geplatzt“, sagt Schornberg.

 Doch ein Punkt wirkt sich bei ihr momentan gravierend anders als bei den meisten Aktiven aus. Sie weiß derzeit nicht, ob sie überhaupt noch einmal zu einem Rennen ins Kajak oder in den Canadier steigen wird. Mit 34 Jahren kreisen die Gedanken durchaus um das Ende der Laufbahn. „Ich bin derzeit mitten in einer Findungsphase, habe mich aber keineswegs entschieden. Ich setze mich dabei nicht unter Druck, bestimme keinen Zeitpunkt, wann ich mich öffentlich dazu äußern werde“, erklärt die Kanutin. „Momentan kann ich mir allerdings nur ganz schwer vorstellen, dass ich mich noch einmal trainingstechnisch durch den ganzen Winter quälen werde.“

Paddeln just for fun

Lediglich just for fun, wie sie sagt, steigt sie derzeit dreimal in der Woche in ein Boot. „Das Paddeln macht mir immer noch richtig Spaß.“ Mehr allerdings nicht, ohne eine richtige Perspektive zu haben. „Dazu kann ich mich momentan einfach nicht mehr motivieren“, betont sie. Ein gewisser Frust klingt in diesen Worten mit, denn eigentlich würde sie sich derzeit mitten in der heißen Vorbereitungsphase auf die Kanu-Slalom-Europameisterschaften befinden, die vom 15. bis 17. Mai auf der Olympiastrecke in London ausgetragen werden sollten, aber auf Grund der Pandemie vom internationalen Verband bereits vor Wochen abgesagt wurden.

 „Darauf hatte ich mich noch einmal so richtig gefreut“, betont Schornberg. 2012 startete sie in der englischen Hauptstadt als einzige qualifizierte deutsche Teilnehmerin im Olympischen Finale. Mit 5,07 Sekunden Rückstand auf die französische Goldmedaillengewinnerin Emilie Fer belegte sie damals den ausgezeichneten fünften Platz. „Für mich hätte sich in London der Kreis schließen können“, sinniert Schornberg. „Im vergangenen Jahr habe ich in La Seu d‘Urgell ja auch noch einmal auf jener WM-Strecke fahren dürfen, auf der ich 2009 Einzel-Weltmeisterin geworden bin.“ Das war ihr größter Triumph. 

Olympia kein Thema mehr

Auch das Thema Olympia 2021 in Tokio ist zumindest offiziell für die Kanu-Ring-Athletin nicht beendet. Vom Deutschen Kanu-Verband wurde sie als Ersatzfahrerin nominiert, gehört damit immer noch zum deutschen Olympia-Team für Tokio. Sportlich qualifiziert für Japan ist Ricarda Funk. „Ich bin hinter Elena Apel aber nur die zweite Ersatzfahrerin“, betont Schornberg. „Deswegen spielt Olympia in meinen Gedanken eigentlich keine Rolle mehr.“

Derzeit kann sie sich jedenfalls nicht vorstellen, dass in diesem Jahr überhaupt noch ein Wettbewerb in ihrer Sportart stattfinden wird. Falls dass im September oder Oktober doch der Fall sein sollte, wäre sie vermutlich nicht dabei. „Ohne vernünftige Vorbereitung hätte das doch keinen Sinn. Ich weiß nicht, ob ich derzeit überhaupt in der Lage wäre, ein Rennen zu fahren“, gesteht sie ein. 

18 internationale Medaillen

Beweisen muss sie schließlich nichts mehr. Seit 2006 hat sie bei Welt- oder Europameisterschaften in der Damen-Leistungsklasse 18 Medaillen gewonnen, davon allein siebenmal Gold. Damit zählt sie in Deutschland und auch international zu den erfolgreichsten Slalom-Fahrerinnen aller Zeiten. Für Schornberg geht es in Zukunft auch darum, sich beruflich weiter zu orientieren. Ihr Medienkommunikations-Studium hat sie mit dem Master abgeschlossen. Derzeit ist sie in Teilzeit bei einem Rucksackhersteller an ihrem Wohnort Augsburg tätig. Augsburg soll auch in Zukunft ihr Lebensmittelpunkt bleiben. „Ich fühle mich hier wohl, habe mir auch eine Wohnung gekauft.“

Sehnsüchtig wartet sie derzeit aber vor allem auf die Lockerung der Kontakteinschränkungen. „Ich würde gerne wieder meine Familie und meine Freunde in Lippstadt besuchen“, sagt Schornberg. Genug Zeit dazu hätte sie ja.

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