Eishockey

Trotz Pandemie: Eishockey-Standort Hamm für den Oberliga-Start gerüstet

Eis eG-Chef Werner Nimmert freut sich auf den Start in die Oberliga-Saison.
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Eis eG-Chef Werner Nimmert freut sich auf den Start in die Oberliga-Saison.

Vor fünf Jahren ist die Hammer Eis eG gegründet worden, um den Eishockey-Standort Hamm zu retten und die defizitäre Eishalle als Freizeiteinrichtung in Werries zu erhalten. Jetzt hat die Corona-Pandemie für Verluste gesorgt und dafür, dass der Start in die Saison der Eishockey-Oberliga auf den 6. November verschoben wurde.

Hamm - Im Gespräch mit Peter Schwennecker erklärt Werner Nimmert, Aufsichtsratsvorsitzender der Eis eG und Gesellschafter der Spielbetriebs GmbH der Eisbären, ob die außergewöhnliche Situation wirtschaftlich überhaupt zu meistern ist.

Die Hammer Eis eG ist vor fünf Jahren nicht zuletzt dafür gegründet worden, den Eishockey-Standort Hamm zu sichern. Bringt die Corona-Pandemie den Standort in Gefahr oder ist das Konstrukt inzwischen so gefestigt, dass es auch diese schwere Phase überstehen wird?
Die Eis eG ist eine Genossenschaft und wird getragen durch die Mitglieder. Genau das ist jetzt der Vorteil, um diese Corona-Krise zu überstehen. Und das werden wir, ich sage das mal ganz vorsichtig, mit einem blauen Auge schaffen. Wir haben eine starke Gemeinschaft, eine ordentliche Eigenkapitalquote. Und wir haben uns in den vergangenen fünf Jahren immer weiter verbessert. Sportlich, was das Eishockey angeht, aber auch betrieblich, in dem wir die Kosten der Eishalle immer weiter senken konnten.
Lange haben Sie sich gegen einen Aufstieg in die Oberliga ausgesprochen. Ausgerechnet zu Corona-Zeiten wagen Sie jetzt den Sprung. Ist das Risiko nicht zu groß?
Wir haben uns in den vergangenen Jahren sportlich ständig weiter entwickelt und höhere Ziele anvisiert. Dass natürlich ausgerechnet in dieser Phase, wo wir uns endgültig für die Oberliga entschieden haben, die Pandemie ausbricht, ist bitter, hat uns aber letztlich nicht abgeschreckt, weil es einfach alternativlos war. Auch unter den aktuellen Umständen, denn die unteren Ligen waren für uns einfach nicht mehr attraktiv. Von daher sind wir diesen Weg gegangen.
Wie groß war die Unterstützung von außen?
Wir verdanken das in erster Linie unseren Sponsoren und den Fans, die uns in der Pause großartig mit einigen Solidaritäts-Aktionen unterstützt haben. Leute wie Frank Hammermeister und Thomas Beckheuer, die eigentlich nicht zum inneren Kreis der Spielbetriebs GmbH gehören, haben uns erst mit der Akquise von neuen Sponsoren in die Lage versetzt, überhaupt die finanziellen Voraussetzungen für eine Oberliga-Mannschaft zu schaffen.
Wie zuversichtlich sind Sie, dass die Saison im November im zweiten Anlauf nun wirklich gestartet werden kann?
Ursprünglich war ja der Auftakt für den Oktober vorgesehen. Aber da gab es ja auch noch bei dem einen oder anderen Verein Probleme mit der Lizenz. Hier muss ich vor allem unseren Manager Jan Koch loben, der innerhalb von kürzester Zeit das Lizensierungsverfahren mit dem Deutschen Eishockey-Bund abgewickelt hat, und das alles ehrenamtlich neben seiner beruflichen Tätigkeit. Was andere, etablierte Klubs mit hauptamtlichen Managern erledigen, das hat Jan ganz nebenbei mit Hilfe der Verantwortlichen von Lippe Hockey Hamm geschafft. Während andere, große Vereine doch massive Schwierigkeiten hatten, haben wir vom DEB die Lizenz ohne jede Auflage bekommen. Das spricht für eine ganz solide und äußerst saubere Arbeit von Jan Koch.
Wie wichtig ist es auch für die Eis eG, dass die Eishockey-Saison bald gestartet wird?
Wir haben ja drei feste Säulen. Die Eis eG und die HEM, die Hammer Eisbären Marketing GmbH und den Verein Lippe Hockey Hamm, die wirtschaftlich voneinander getrennt sind. Die HEM ist praktisch die ausgegliederte erste Mannschaft, die nicht den eingetragenen Verein Lippe Hockey Hamm belastet. Die Eis eG und die HEM haben in Person von HallenBetriebsleiter Dirk Sowicki und Vorstandsmitglied Philipp Alberti in den vergangenen Wochen Tag und Nacht an einem Hygienekonzept gearbeitet, dass überhaupt ein Eishallen-, Trainings- und Spielbetrieb aufrecht erhalten werden konnte. Das ist eine außergewöhnliche Zusammenarbeit mit einem ausgezeichneten Synergieeffekt. Ich möchte das schon als Leuchtturmprojekt, auch für andere Standorte, bezeichnen. Man hört ja immer wieder, dass andere Eishallenbetreiber zu diesen Corona-Zeiten sehr große Probleme haben, überhaupt zu öffnen, weil nichts mehr kalkulierbar ist. Wir haben uns mit der HEM, der Eis eG und dem Verein inzwischen sehr gut aufgestellt und sind fest davon überzeugt, dass die Saison am 6. November starten kann.
Auch mit den derzeit von der Landesregierung nur erlaubten 150 Zuschauern?
Da der RKI-Wert in Hamm ja in den vergangenen Wochen durch die Decke gegangen ist, haben wir ganz schnell auf die neuen Voraussetzungen reagiert. Wir wurden ja mit unserem Hygienekonzept, das auf den Zuschauer-Vorjahresschnitt ausgerichtet war, vorerst ausgebremst. Um den Einnahmeverlust zumindest ein wenig auszugleichen, haben wir wie alle anderen Oberligisten auch eine Kooperation mit sprade.tv vereinbart, mit der wir Fernsehgelder generieren können. Wir mussten finanziell in Vorlage treten und haben für unsere Halle die Technik angeschafft. Die ermöglicht uns nun, unsere Spiele live im Internet über diese Plattform in HD-Qualität zu übertragen. Wir profitieren finanziell mit etwa 70 Prozent von der Summe, mit der die Fans die Spiele im Internet erwerben. Die Resonanz war bei der Premiere ganz hervorragend. Unser Testspiel gegen die Duisburger Füchse haben 181 Fans daheim verfolgt. Eine erstaunliche Zahl. Wenn man davon ausgeht, dass Vereine wie die Hannover Indians eine Fanbase von 3000 bis 4000 Leuten haben, dann hoffen wir darauf, damit wenigstens einen Teil der Einnahmeverluste kompensieren zu können.
Gehen die Eisbären mit dem Saisonstart nicht ein großes finanzielles Risiko ein?
Das lässt sich zu Pandemie-Zeiten sicherlich nicht vermeiden. Wir mussten ja unseren Dauerkartenverkauf bei 150 verkauften Saisontickets erst einmal aussetzen, um Ärger zu vermeiden, weil derzeit nicht mehr Zuschauer in die Halle dürfen. Durch die Live-Übertragungen im Internet bringen wir unseren Fans jetzt die Heimspiele in ihr Wohnzimmer. Und finanziell hilft uns das natürlich auch über die schwere Zeit. Zudem besteht ja die Aussicht, von Seiten der Politik eine finanzielle Entschädigung für die fehlenden Zuschauereinnahmen zu erhalten. Wir können dabei den Einnahmeverlust im Vergleich zum Vorjahr geltend machen, wo unser Zuschauerschnitt bei 550 lag. Jan Koch wird mit unserem Steuerberater den Antrag stellen, doch diese Hilfen sind wohl erst später zu erwarten. Dennoch werden wir in den nächsten Monaten dank der Unterstützung unserer Sponsoren, die alle noch eine Schüppe drauf gelegt haben, liquide sein. Etwa 70 bis 75 Prozent der Kosten sind inzwischen abgedeckt. Das ohne sprade.tv, weil wir diese Einnahmen noch nicht kalkulieren können.
Sie sind also fest davon überzeugt, die Oberliga trotz der Pandemie stemmen zu können?
Im Gegensatz zu den Vereinen, die mit großen Zuschauerzahlen kalkulieren, sind wir nicht so stark davon betroffen. Wenn wir mit 650 planen und nur 150 rein lassen dürfen, dann ist die Differenz nicht so groß wie bei den Klubs, die mit ganz anderen Zahlen arbeiten. Ich bin einmal so blauäugig und gehe davon aus, dass wir ab Januar auch wieder mehr Zuschauer rein lassen dürfen. Dann können wir die Verluste halbwegs auffangen. Wir müssen uns in erster Linie selbst aus dem Schlamassel ziehen.
Dabei wird auch das Hygienekonzept mit Blick auf die Zuschauerzahlen eine große Rolle spielen.
Ich glaube, wir haben da sehr gute Voraussetzungen geschaffen. Wir haben 40 Spender für Desinfektionsmittel in der Halle installiert, ein Wegesystem erstellt, das Begegnungen vermeidet. Auch unser Ticketsystem haben wir umgestellt. Über das Internet muss sich jeder Besucher mit allen wichtigen Angaben registrieren, so dass wir immer nachverfolgen können, wer in welchem Bereich gesessen hat. Es gibt eine generelle Maskenpflicht in der Halle. Aber letztlich muss das Gesundheits- bzw. das Ordnungsamt entscheiden, wie viele Leute in die Halle dürfen.
Dies ist alles ist nur mit einem großen Aufwand zu schaffen. Wie kann das überhaupt funktionieren?
Wenn man sieht, wie viel Arbeit im Hintergrund geleistet wird, welche Summen umgedreht werden und welche Verantwortung dabei übernommen wird, dann kann man nur den Hut vor den Leuten ziehen, die da im Hintergrund ehrenamtlich tätig sind, um den Eissport in Hamm zu ermöglichen. Die Eishalle kann nur überleben, wenn die drei Säulen Eissport, Eis eG und Gastronomie miteinander harmonieren. Wenn eine dieser drei Säulen wegbricht, dann wird es schwieriger, gerade in der jetzigen Situationen. Wir sind auch ein wenig stolz darauf, dass bisher kein Arbeitsplatz verloren gegangen ist und wir die kommunalen Kassen nicht zusätzlich belastet haben. Das muss man einmal ganz deutlich sagen.

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