Eishockey

Darum spielt Hamms neuer Tscheche mehr kanadisch

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Hamms Neuzugang Lukas Novacek besitzt den nötigen Zug zum gegnerischen Tor.

Hamm - Beim Nord-Regionalligisten EHV Schönheide erzielte er in 28 Spielen 40 Tore, bereitete zudem 58 Treffer vor. Jetzt will der Tscheche Lukas Novacek mit den Hammer Eisbären in der Regionalliga West durchstarten.

Lipperand statt Ostseestrand. Eigentlich hatte Lukas Novacek, Neuzugang der Hammer Eisbären, für die kommende Saison bereits beim Eishockey-Oberligisten Timmendorfer EC zugesagt. Doch der Traditionsclub musste vor einem Monat Insolvenz beantragen. Für den Tschechen ging dann alles sehr schnell. „Ein Agent hat den Kontakt nach Hamm geknüpft. Innerhalb von nur zwei Tagen habe ich bei den Eisbären unterschrieben“, erzählt der 24-Jährige, der sich inzwischen in Werries gut eingelebt hat.

 „Ich war nie in Timmendorf“, gesteht Novacek ein. „Deswegen kann ich keine Vergleiche anstellen. Doch Hamm ist eine sehr schöne Stadt, die einem viele Möglichkeiten bietet, etwas zu unternehmen. Ich könnte mir vorstellen, auch länger hier zu bleiben.“

 Seine ersten Versuche auf den Kufen startete er beim tschechischen Klub HC Znojemsti Orli, für den er auch drei Spiele in der österreichischen Profiliga, der EBEL, bestritt. Es folgten drei Jahre in der zweiten Liga in Tschechien, in der er das Trikot vom HC Breclav und HC Muravske Budejovice trug. „Als ich dann mein Studium der Sportwissenschaft mit dem Bachelor abgeschlossen hatte, wollte ich unbedingt ins Ausland“, erzählt der 1,96 m große und 95 kg schwere Stürmer. „Der Regionalligist EHV Schönheide hat mir ein sehr gutes Angebot gemacht, das ich gleich angenommen habe.“

 Für den kleinen Verein aus dem sächsischen Erzgebirgskreis war Novacek ein Glücksgriff. In nur 28 Meisterschaftsspielen erzielte er 40 Tore, bereitete zudem weitere 58 Treffer vor. „Mit Petr Kukla stand in Schönheide ein sehr erfahrener Tscheche im Team. Wir haben uns gesucht und gefunden, standen fast ständig auf dem Eis“, begründet Novacek seine Erfolgsbilanz.

 Umso erstaunlicher, dass sich bei 98 Scorerpunkten außer Timmendorf kein anderer höherklassiger Verein für den Angreifer interessierte. „In Deutschland gibt es in den Mannschaften wenige Plätze für Ausländer. Und die Klubs wollen in erster Linie Kanadier oder Amerikaner haben. Da haben wir Tschechen es sehr schwer“, meint der Eisbären-Neuzugang. Stürmer ist ein echter Teamplayer Dabei spielt Novacek laut Hamms Trainer Ralf Hoja keineswegs typisch tschechisch. „Er agiert eher wie ein Kanadier“, betont Hoja. „Er setzt seinen starken Körper ein, geht auch dahin, wo es weh tut“, hat der Eisbären-Coach die Qualitäten seines neuen Centers längst erkannt. 

Zudem ist der Stürmer ein echter Teamplayer. „Wenn ich sehe, dass mein Nebenmann besser postiert ist, dann spiele ich den Puck lieber ab“, beteuert Novacek. „Ich habe doch persönlich nichts davon, wenn ich Topscorer in der Liga werde, aber meine Mannschaft auf dem letzten Platz steht.“ 

Erleichtert ist er darüber, dass er gleich bei seinem Debüt im ersten Testspiel beim 6:3-Erfolg der Hammer Eisbären über die Harzer Falken einen Treffer erzielte. „Das war vor allem psychisch sehr wichtig für mich. Dann muss man nicht mehr tagelang rumlaufen und darüber grübeln, dass man noch kein Tor geschossen hat.“ Dass die Eisbären phasenweise sogar stärker waren als das höherklassige Team aus Braunlage hat ihn schon sehr überrascht: „Ein Oberligist sollte einen Regionalligisten klar beherrschen.“ 

Ob das auch an der großen Qualität der Eisbären liegt, lässt er erst einmal offen. „Das war nur ein Testspiel. Erst wenn es wirklich um etwas geht, wird man sehen, wie stark wir sind.“ Das Potenzial ist laut Novacek auf jeden Fall vorhanden. Wie lange er in Werries bleiben wird, weiß er nicht. „Ich fühle mich sehr wohl“, sagt Novacek, der nebenbei beim Jugendtraining in der Eishalle hilft. „Ich bin nicht der Typ, der den ganzen Tag vor der Playstation hängen kann“, beteuert der Tscheche.

 Sportlich hat er ehrgeizige Ziele. „Es ist doch der Wunsch eines jeden Spielers, in höheren Ligen aufzulaufen“, betont der Angreifer, der so lange wie möglich sein Geld mit Eishockey oder Sport überhaupt verdienen will. Deshalb hat er auch das Studium der Sportwissenschaften abgeschlossen. „Sport bedeutet für mich alles. Ich kann mir ein Leben ohne den Sport nicht vorstellen.“

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