Eishockey

Darum lässt Kapitän Tim Pietzko seine Zukunft bei den Eisbären offen

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Noch keine Entscheidung hat Eisbären-Kapitän Tim Pietzko über die Fortsetzung seiner Laufbahn getroffen.

Eisbären-Kapitän Tim Pietzko hat sich noch keine Gedanken über seine sportliche Zukunft gemacht. Derzeit genießt er das Familien-Leben

Hamm – Er ist der Dauerbrenner bei den Eisbären. Seit elf Jahren trägt Tim Pietzko ununterbrochen das Trikot des Hammer Eishockey-Regionalligisten – so lange wie kein anderer Akteur. 342 Pflichtspiele hat der Verteidiger seit 2009 für den Klub bestritten. Ob der inzwischen 33-Jährige in seine zwölfte Saison in Werries gehen wird, lässt er aber zunächst einmal offen.

„Eigentlich“, so sinniert Pietzko, langjähriger Kapitän der Hammer Eisbären, „weiß ich derzeit gar nichts.“ Was nicht allein an der aktuellen Corona-Pandemie liegt. Die sorgt zwar dafür, dass an einen geordneten Spielbetrieb im Eishockey vorerst nicht zu denken ist. Doch in Sachen Lieblingssport des Familienvaters gibt es derzeit weitere Fragezeichen.

Da auch die Planungen des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen für die kommende Saison erst einmal auf Eis liegen, ist aktuell nicht einmal bekannt, in welcher Liga und mit welchen Vereinen sich die Eisbären in der kommenden Spielzeit messen werden. Für Pietzko auch ein Grund, die persönlichen Überlegungen um seine sportliche Zukunft erst einmal weit weg zu schieben.

Seitdem er vor zwei Jahren Familienvater wurde, spielt er bereits mit dem Gedanken, seine aktive Laufbahn zu beenden. Allerdings will er jetzt die Corona-Krise keineswegs dazu nutzen, einen endgültigen Schlussstrich unter die Karriere zu ziehen. „Ich werde in diesem Sommer alles in Ruhe auf mich zukommen lassen“, gibt sich Pietzko ganz locker. „Auch in den beiden Vorjahren habe ich relativ spät entschieden, ob ich weiter auf das Eis gehen werde. Das werde ich in diesem Jahr auch so machen, wobei ich mir derzeit einfach nicht vorstellen kann, dass angesichts der Probleme ab September wieder ganz normal Eishockey vor Publikum gespielt werden kann.“

So ein bisschen kann er die eigentlich bedrückenden Wochen sogar genießen. „Ich habe jetzt einfach mehr Zeit für meine Tochter Mariella. Da ich momentan auch nicht ins Fitnessstudio gehen kann und mich vor dem Joggen drücke, bringe ich erst einmal unseren Garten auf Vordermann“, berichtet der Eisbären-Kapitän.

Eishockey spielt in seinem Tagesablauf vorerst keine Rolle. „Natürlich halte ich Kontakt zu den Teamkollegen und verfolge, was im Hintergrund so läuft, doch so richtig Gedanken werde ich mir erst wieder machen, wenn klar abzusehen ist, wie es weiter geht.“

Dass die Saison so abrupt endete und nach dem Scheitern der Eisbären im Playoff-Halbfinale gegen Diez-Limburg auch wegen Covid-19 kein Meister mehr ermittelt wurde, hat ihn schon bewegt. „Das hatten weder Neuwied noch Diez-Limburg, die beide eine überragende Runde gespielt haben, verdient. Das gönnt man keinem. Wenn uns das passiert wäre, hätte mich das schon sehr hart getroffen“, gesteht der Defensiv-Routinier ein. „Wobei ich aber ganz klar sagen muss, dass die Entscheidung des Verbandes richtig war.“

Sein Saisonfazit fällt trotz der kurzen Meisterrunde mit nur sieben Regionalligisten und dem für viele umstrittenen Interregio-Cup mit den Vereinen aus Belgien und den Niederlanden keineswegs negativ aus. „Im Gegensatz zu manch anderen Jungs fand ich den Interregio-Cup durchaus interessant. Mir hat das großen Spaß gemacht, auch einmal in Belgien oder Holland zu spielen. Die Teams hatten schon ein sehr gutes Niveau“, betont Pietzko. Dennoch glaubt er nicht daran, dass es in diesem Jahr eine Wiederholung geben wird. „Die Form des Wettbewerbs war schon etwas außergewöhnlich“, meint Pietzko, der sich eine Runde mit Hin- und Rückspielen und einer aussagekräftigeren Tabelle gewünscht hätte.

Seine persönliche Entscheidung, ob er die Karriere fortsetzt, wird auch davon abhängen, in welcher Liga die Hammer in der kommenden Saison antreten werden. „Derzeit wird hinter den Kulissen ja auch darüber diskutiert, ob es die alte Oberliga West mit den Vereinen aus Essen, Duisburg und Herne wieder geben wird. Das fände ich sportlich geil, würde mich noch einmal so richtig reizen“, betont Pietzko, „selbst wenn es anschließend nach der Vorrunde eine Verzahnung mit den anderen Oberligen geben würde.“ Gute Voraussetzungen sieht er aus Hammer Sicht gegeben. „Wir verfügen über eine sehr gute Fanbase. Ich glaube schon, dass der Verein das in dieser Form meistern könnte.“ Falls sich die Eisbären mangels interessierten Regionalliga-Klubs unter den derzeitigen Gegebenheiten für einen Start in der Oberliga Nord entscheiden würden, wäre Pietzko aber nicht dabei. „Das könnte ich alleine zeitlich gar nicht mehr stemmen.“

So wird er weiter mit der Ungewissheit, was seine sportliche Zukunft angeht, leben müssen. Großes Vertrauen setzt er in die Vereinsführung der Eisbären um Manager Jan Koch. „In Hamm wird seit Jahren sehr gute Arbeit geleistet. Die Spieler wissen, was sie an diesem Klub haben“, erklärt Pietzko. Deshalb ist er auch davon überzeugt, dass ein Großteil der Mannschaft weiter das Eisbären-Trikot tragen wird. Die Frage, ob das auch für Tim Pietzko gelten wird, bleibt aber vermutlich noch einige Monate unbeantwortet.

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