Eishockey

„Papa – Puck – Stopp“

Sicherer Rückhalt: Eisbären-Goalie Sebastian May lieferte gegen Krefeld eine starke Partie ab.
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Sicherer Rückhalt: Eisbären-Goalie Sebastian May lieferte gegen Krefeld eine starke Partie ab.

Anni May ist zweieinhalb Jahre alt. Und so richtig weiß sie noch gar nicht, was Papa Sebastian eigentlich macht, wenn er von der Arbeit nach Hause kommt und sich hektisch die Sporttasche schnappt. „Papa – Puck – Stopp“, sagt die Kleine dann schon einmal zum Abschied. Womit sie den Job, den der 31-Jährige für die Hammer Eisbären auf dem Eis erledigt, auf das Wesentliche reduziert hat.

Hamm - Am Sonntag hat der Goalie im Oberliga-Spiel gegen die Reserve des Krefelder EV 50 Schüsse auf das Tor bekommen – und bis auf vier alle gestoppt. „Ein starkes Spiel“, war ihm das Sonderlob seines Trainers Ralf Hoja nach dem 5:4-Erfolg in der Overtime sicher. Viel Zeit, die Leistung auszukosten, bleibt dem Iserlohner nicht. Schon am Dienstag erwartet sein Team die Saale Bulls Halle zum nächsten Spiel in der Hammer Eishalle (20 Uhr).

May freut sich über das Lob, ärgert sich aber, „dass wir den Sieg nicht in der regulären Spielzeit gehalten haben. Und im zweiten Drittel war das teilweise nicht so berauschend, da haben wir es schleifen lassen.“

Im sechsten Jahr bei den Eisbären

Im sechsten Jahr spielt May für die Eisbären. Dass es nicht nach der fünften Saison geendet hat, ist auch dem grünen Licht des Familienrats geschuldet. Der muste erst zustimmen, bevor der Goalie seine Zusage gegeben hatte, den Gang in die Oberliga mitzugehen. „Ich muss den Hut vor meiner Frau ziehen, die ja nach der Arbeit auch keine Pause hat“, sagt der Familienvater. „Und manchmal ist es schon schwierig, wieder zu fahren, wenn die Kleine sagt, Papa nicht Sport.“

Dass Eishockey in der Oberliga „extremen Mehraufwand bedeutet, das haben wir sofort gemerkt“, sagt der Goalie. „Gerade jetzt mit teilweise drei Spielen in der Woche ist das schon hart. Und am nächsten Tag in der Firma fragt auch keiner, ob du erst um fünf wieder nach Hause gekommen bist.“

Oberliga-Stress nimmt May gerne in Kauf

Die Oberliga ist halt eine Profiliga. Eine, in der die Hammer Spieler, von denen viele einen 40-Stunden-Job haben, die Exoten sind. „Wir wussten aber alle, was wir da eingehen“, will sich May nicht beschweren, der in Iserlohn bei einem Lohndienstleister in der Produktionsleitung arbeitet. Eishockey ist sein Ding. Da nimmt man den Stress gerne in Kauf, vor allem, wenn „ich meinen Teil dazu beitragen kann, dass wir gewinnen, dann ist das ein gutes Gefühl.“

Nicht so gut fühlte es sich dagegen an, als der Vorstand zu Saisonbeginn plötzlich mit Ilya Sharipov aus Nürnberg einen DEL-Goalie verpflichtet hatte. Für vier Wochen rückte May plötzlich ins zweite Glied. „Natürlich war das komisch“, räumt er ein. „Man geht in die Sache rein, hat die Vorbereitung gut verbracht. Das hat dann aber gepasst. Wir haben uns gut verstanden. Und Ilya hat dann gezeigt, warum er in der DEL spielt. Und ich habe mittlerweile ja auch viele Spiele gemacht.“ Ein wenig abschauen können hat sich May auch von dem 25-Jährigen. „Das hat schon was gebracht. Und Kevin Thau und ich telefonieren ab und an noch mit ihm, wenn wir zum Spiel fahren.“

Coronabedingte Pause für den Goalie

Dass die Hammer derzeit von Termin zu Termin hetzen, ist auch der langen Corona-Quarantäne geschuldet, die dem Team im Dezember auferlegt worden war, weil sich gleich mehrere Spieler mit dem Virus infiziert hatten. Auch May. „Das war nicht schön, ich lag zwei Wochen komplett flach, war froh, mal in den Garten an die Luft gehen zu können. Sonst war ich nur im Bett“, erinnert er sich. „Und nach der Quarantäne ging es für die Mannschaft von Null auf 100, was nicht im Sinne des Erfinders sein sollte. Wir hatten ein Training, dann mussten wir spielen. Das hast du schon in der Pumpe gemerkt. Ist aber alles gut gegangen. Und wir sind von einem weiteren Zwischenfall verschont geblieben. Aber das hat uns aus dem Konzept gebracht.“

Am Dienstag gegen Halle „Konter setzen“

Dennoch ist der Kader ordentlich ausgedünnt. Mit neun plus zwei Spielern trat das Team auswärts beim 3:9 in Halle an. Jetzt mit deutlich mehr Personal und auf eigenem Eis soll es besser laufen. „Wir müssen defensiv alles geben, unsere Konter setzen und hoffen, dass Halle Bus-Beine hat“, sagt May. „In jedem Spiel kann was gehen.“ Zumindest, wenn sich May an die Anweisungen seiner Tochter hält.

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