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Ein Kribbeln so groß wie nie: ASV startet in die Bundesliga-Vorbereitung

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Von: Rainer Gudra

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Die Neuen beim ASV Hamm-Westfalen: von links Alexander Schulze, Andreas Bornemann, Björn Zintel, Stefan Bauer, Yonatan Dayan, Mait Patrail, Niko Bratzke und Savvas Savvas mit Trainer Michael Lerscht.
Die Neuen beim ASV Hamm-Westfalen: von links Alexander Schulze, Andreas Bornemann, Björn Zintel, Stefan Bauer, Yonatan Dayan, Mait Patrail, Niko Bratzke und Savvas Savvas mit Trainer Michael Lerscht. © Robert Szkudlarek

Der ASV Hamm-Westfalen ist am Montag fast schon traditionell mit einem gemeinsamen Frühstück von Spielern, Trainerstab, Ärzten und den Offiziellen im Glaselefanten des Maxiparks in die Vorbereitung gestartet – in diesem Fall in eine ganz besondere.

Hamm – Beim ersten Treffen stimmte Thomas Lammers alle Beteiligten emotional auf die erst zweite Bundesliga-Saison des Vereins ein. Das Kribbeln sei beim ihm dieses Mal so groß wie nie, sagte der Geschäftsführer, der bei der Erstliga-Premiere in der Saison 2010/2011 als Spieler dabei war. Nach einer ersten Erfassung der Fitnesswerte durch Athletiktrainer Thomas Isdebski stand für den Aufsteiger am frühen Nachmittag die erste Trainingseinheit auf dem Programm, zu der Trainer Michael Lerscht alle Spieler aus seinem Kader begrüßte – darunter auch die acht Neuzugänge. Am Dienstag wird eine umfangreiche Leistungsdiagnostik durchgeführt.

Besuch von Sky, Kinexon und HBL

So weit, so normal. „Die Form der Vorbereitung unterscheidet sich nur unwesentlich von der vergangener Jahre“, sagt Lerscht. Und auch für Lammers war bisher alles eher „business as usual“. Das aber ändert sich bereits am Dienstag, wenn technische Mitarbeiter des Bezahlsenders Sky, die Datensammler von Kinexon und Vertreter der Handball-Bundesliga in der Westpress Arena nicht nur vorbeischauen.

„Wir wissen nicht, was da auf uns zukommt, welche Anforderungen die haben. Was benötigt zum Beispiel Kinexon für seine Technologie, wie viele Kameraplätze werden von Sky gebraucht, oder wo kommt an den Spieltagen der Ü-Wagen hin? Und dann kommt die Handball-Bundesliga, die ja ihre erste Liga auch ganz anders vermarktet“, sagt Lammers. „Und sie werden alle nicht sagen: bitte, bitte. Sondern: machen, da gibt’s eine Deadline, also machen.“

Leistungserfassung bei allen Spielern

So wird für Kinexon die Infrastruktur für eine komplette Leistungserfassung installiert werden müssen. Chips im Ball und in den Trikots werden Laufwege, Geschwindigkeit, Herzfrequenz aller Spieler und vieles mehr direkt erfassen. Exklusiv-Rechteverwerter Sky wird alles einfordern, was für professionelle Live-Übertragungen notwendig ist und die HBL wird festlegen, wo ihre Titelsponsoren platziert werden müssen. Ob die Buzzer, die die grüne Karte bei Auszeiten ersetzen werden, besseres Licht, mehr Platz am Protokolltisch – all das wird in den nächsten Tagen besprochen und umgesetzt werden müssen. „Für uns echtes Neuland“, sagt Lammers, zumal es für seinen Verein aus der 2. Liga direkt in die „beste Liga der Welt“ geht.

Fehlerbestrafung das größte Thema

„Wir müssen unser Spielsystem finden, denn wir haben ja doch einiges an neuen Spielern zu integrieren. Wir müssen einen sportlichen Status finden – das sind immer die gleichen Themen, egal in welcher Liga“, sagt Michael Lerscht zur sportlichen Herangehensweise an die neue Aufgabe. „Wir müssen natürlich sehen, dass wir das Niveau hinbekommen, das nötig ist, um in der Liga bestehen zu können.“

Die größte Herausforderung im Kreis der Elite? „Es ist ja so: je besser die Mannschaften werden – und da fängst du in der Kreisliga an und gehst Liga für Liga hoch – desto besser ist deren Fehlerbestrafung. Die Konsequenz ist für das gesamte Spiel: du musst fehlerfreier agieren. Das ist ein Thema, das wir für uns hinbekommen und schnell finden müssen.“

Pokalspiel das beste Beispiel

Zumal in der Bundesliga noch einmal deutlich schneller gespielt wird. „Fehlerbestrafung, das trifft dich in der Bundesliga wesentlich härter und konsequenter. Du machst einen dummen Fehler, nimmst dir einen schlechten Wurf, eine schwierige Situation – dann ist der Ball weg und du kassierst ein Tor.“ Bestes Beispiel sei das Pokalspiel gegen Meister Magdeburg (26:31) im vergangenen Dezember gewesen: „Zehn Minuten nach der Pause haben wir einfach zwei, drei Bälle nicht getroffen, ein, zwei Fehler gemacht – und dann ist aus plus eins ganz schnell minus sechs geworden.“

Ob der teilerneuerte Kader mit Blick auf die größere Herausforderung an Qualität gewonnen habe, sei schwierig zu beurteilen, meint Lerscht: „Wir haben ja jetzt erst ein Training miteinander gehabt. Klar, ich kenne einige Jungs, kenne einige Spieler, kannst ihnen aber nur vor den Kopf schauen. Ich denke jedoch, dass wir gute Jungs verpflichtet haben – und da sehe ich nicht nur den Sportler, sondern auch den Menschen dahinter; ob er in die Gruppe passt und wie er die Gruppe mitträgt. Ein Vergleich? Das werden wir noch sehen. Es hängt davon ab, wie wir in die Saison reinkommen und wie wir zueinander finden.“

Mait Patrail der „Königstransfer“

In Verbindung mit dem 34-jährigen Mait Patrail und seiner Erfahrung aus fast 300 Bundesligaspielen sowie 100 Einsätzen in der schweizerischen Nationalliga A für Schaffhausen von einem „Königstransfer“ zu sprechen, sei „ein schönes Wort“, wie Lerscht sagt. „Klar, er hat ja gerade im Defensivbereich im letzten Jahr eine ganz gewichtige Rolle bei den Rhein-Neckar Löwen gespielt, und dass er uns mit dem Erfahrungsschatz und als guter Typ helfen will, soll oder muss, das ist klar. Und er wird uns helfen, in allen Bereichen.“

„Wird eine spannende Geschichte“

Das Pensum am ersten Tag sei schon sehr hoch gewesen, meinte Lerscht. „Aber auch bewusst so gemacht. Wir müssen sehen, dass wir schnell zusammenfinden.“ Insgesamt umfasst sein Kader 21 Spieler – 16 fix sowie die weiteren aus dem Perspektivbereich wie Rückraumspieler Niko Bratzke, der als U19-Europameister vom VfL Eintracht Hagen zum ASV gewechselt ist. Vor seiner Premiere in der Eliteklasse habe er Respekt, sagt Lerscht: „Den sollte man immer haben, aber keine Angst. Es wird eine spannende Geschichte für uns. Wir sind da, um um etwas zu kämpfen. Das sollten wir ab Tag eins heute tun. Vieles ist Neuland. Aber das wollten wir doch alle. Darauf haben wir hingefiebert.“

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