Fußball

Felix Backszat lebt den Pokal-Traum

Der Ex-Hammer Felix Backszat im Pokalspiel der Essener gegen Fortuna Düsseldorf.
+
Der Ex-Hammer Felix Backszat im Pokalspiel der Essener gegen Fortuna Düsseldorf.

Felix Backszat, der sechs Jahre lang das Trikot der Hammer SpVg trug, sucht jetzt sein Glück bei Rot-Weiss Essen. Mit dem Regionalligisten steht er im Pokal-Viertelfinale.

Hamm – Bei den ersten Pokalüberraschungen gegen Arminia Bielefeld und Fortuna Düsseldorf stand Felix Backszat für Rot-Weiss Essen auf dem Platz. Bei der Sensation am vergangenen Dienstag, als der Regionalligist die Leverkusener mit 2:1 nach Verlängerung aus dem DFB-Pokal warf, kam er über das Aufwärmen nicht hinaus. Nach seinem Wechsel aus Rödinghausen an die Hafenstraße im vergangenen Sommer lief eben nicht alles nach seinen persönlichen Wünschen. Das Ziel verliert der inzwischen 31-jährige Mittelfeldspieler aber nicht aus den Augen: Aufstieg in die 3. Liga im Sommer – mit dem Heimatverein des legendären Helmut Rahn.

Backszat, der ab der U17 bis in die Oberliga hinein für insgesamt sechs Jahre bei der Hammer Spielvereinigung am Ball war, hätte natürlich zu gerne auf dem Rasen mitgemacht, aber: „Wie die Situation zum Beispiel gerade taktisch oder vom Gefühl her ist, hat der Trainer zu beurteilen und die Entscheidung zu treffen. Natürlich ist die Hoffnung da, etwas dazu beizutragen. Dann eben neben dem Platz. So ist das ja in der gesamten Saison. Und wenn man sieht, dass alles fruchtet, stellen sich einige Fragen automatisch nicht.“

Auch nach dem Führungstor der Werkself durch Leon Bailey in der 105. Minute habe nicht nur er daran geglaubt, das Rot-Weiss als krasser Außeneiter das Blatt noch wenden kann. „Es war schon kurios, dass Leverkusen trotz guter Verteidigung von uns seine Chancen hatte, wir aber das Spielglück. Als das 0:1 fiel, war das für uns natürlich erst einmal ein Schock, weil wir sehen wollten, dass wir ins Elfmeterschießen kommen. Aber grundsätzlich haben wir auch in der Halbzeit der Verlängerung gesagt, dass wir nichts zu verlieren haben und wir eine Chance auf jeden Fall noch kriegen werden.“

Team mit sehr guter Kondition

Wichtig auch, dass die Gastgeber danach nicht eingebrochen sind: „Wir sind schon eine Mannschaft mit einer sehr guten Kondition und in der Lage, gut mitzuhalten, auch wenn wir viel Laufarbeit verrichten müssen. Aber die ist gefordert, wenn man wenig Ballbesitz hat“, sagt Backszat, und: „Auch einem Bundesligisten schwinden in der Verlängerung schon mal ein wenig die Kräfte. Aber der eine oder andere Spieler von uns war später schon richtig lädiert.“

Ebenso wie der zuvor schon ramponierte Rasen, der die 120 Minuten nicht unbeschadet überstanden hat. Die Stadt Essen jedenfalls sperrte das Geläuf am Donnerstag und so musste das für heute (Samstag) geplante Regionalliga-Spitzenspiel gegen den einzigen echten Aufstiegskonkurrenten, Borussia Dortmund II, verschoben werden. „Das wird uns gut tun, da können einige sich pflegen lassen“, sagt Backszat. Er spielt seit 2013, als er unter Trainer Marco Antwerpen zu Viktoria Köln wechselte, Fußball unter professionellen Bedingungen – und inzwischen seit sechs Jahren in der Regionalliga. Zuvor, sagt er, sei er in den ersten fünf Jahren nach der Jugend zu lange in unteren Ligen unterwegs gewesen. So verschlug es den gebürtigen Werner, der in Lünen wohnt, dort auch in den Vorortklub BV Brambauer. „Aber im Grunde war jede Station hilfreich“, sagt Backszat.

Der Wunsch, professionell zu spielen, sei immer da gewesen. „Okay, habe ich irgendwann gesagt: Erste und zweite Liga wird schwierig. Deshalb habe ich auch ein Studium gemacht. Dass ich in die dritte Liga will, habe ich immer wieder mal betont.“ Und dies auch gezeigt. Als beim SV Rödinghausen der Entschluss gereift war, als Regionalliga-Meister diesen Schritt nicht zu gehen, verabschiedete sich Backszat in Richtung Hafenstraße, um hier seine Chance zu suchen.

Studium im Sportmanagement

Um abgesichert und breit aufgestellt zu sein, hatte er ein Studium im Sportmanagement begonnen und während seiner Zeit bei RW Ahlen auch beendet. Nach der aktiven Zeit einmal als Trainer zu arbeiten, sei eher nicht sein Ziel. „Das wäre zumindest nicht mein erster Gedanke“, sagt er. Was er in den letzten Jahren ohne den Profifußball gemacht hätte? „Diese Frage hat sich mir gar nicht gestellt“, sagt Backszat, denn: „Ich hatte immer den Wunsch, für eine gewisse Zeit vom Fußball leben zu können und das machen zu dürfen.“

Auch wenn es mal nicht so läuft. „Klar, mit meiner persönlichen Rolle bin ich derzeit unzufrieden. Wenn ich sagen würde, die Gesamtlage entschädigt mich gerade dafür, dann wäre das für mich der falsche Ansatz. Tribüne, Bank, ein paar Minuten – ich habe einen anderen Anspruch“, sagt er – und lässt eine Corona-Quarantäne im Spätherbst nicht als Grund zu.

Wenn Boris Herrmann an diesem Sonntag im Rahmen der ARD-Sportschau in die Lostrommel für das Viertelfinale greift, hat Backszat tatsächlich keine Wunschkugel, die der Weltumsegler ziehen sollte. „Tatsächlich nicht. Die Sensationen sind bei uns in jeder Runde größer geworden. Wir sind wahnsinnig glücklich.“

Dass es erneut ein Heimspiel vor leeren Rängen wird, sei aber schon tragisch: „Das haben wir heute in der Kabine noch durchgesprochen. Jetzt hast du schon mal solche Highlight-Spiele und dann ist kein Zuschauer im Stadion.“ Bleibt die Hoffnung, dass die Fans in der kommenden Saison wieder auf ihre Kosten kommen werden. Dann in der 3. Liga – mit Felix Backszat. Um seinen Beitrag daran zu leisten, wird er sich weiter bei Trainer Christian Neidhardt anbieten – damit es noch einige mehr werden als die bisher elf Einsätze in der Liga.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare