Tischtennis

Ein Anruf vom König für GW-Tischtennisspieler nach dem Gewinn der Goldmedaille

Gewann zum zweiten Mal bei den Paralympics die Goldmedaille im Tischtennis.
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Gewann zum zweiten Mal bei den Paralympics die Goldmedaille im Tischtennis.

Zum zweiten Mal nach den Spielen in Rio de Janeiro 2016 hat Laurens Devos eine Goldmedaille bei den Paralympics im Tischtennis gewonnen. In Tokio musste der Belgier, der für den TTC GW Bad Hamm in der 2. Liga aufschlägt, allerdings im Halbfinale zittern.

Hamm/Tokio – Die größte Herausforderung stand der belgischen Nummer drei des Hammer Tischtennis-Zweitligisten TTC GW Bad Hamm, Laurens Devos, erst bevor, als er die Goldmedaille im Finale der Paralympics von Tokio bereits gewonnen hatte und die Hymne bei der Siegerehrung verklungen war. Denn danach schellte sein Telefon, und der belgische König Philipppe meldete sich am anderen Ende der Leitung, um zu gratulieren. „Ich war ein wenig nervös“, gab der 21-Jährige nach dem zweiminütigen Gespräch zu. „Weil ich nicht wusste, worüber ich mit ihm sprechen soll.“ Am Ende meisterte Devos auch diese Aufgabe – genauso souverän wie zuvor das paralympische Turnier, bei dem er in der Klasse TT9 als Titelverteidiger für sein Land angetreten war.

Das Ziel für das Turnier in Japan war im Vorfeld schon klar umrissen: Nicht weniger als die Goldmedaille wollte Devos gewinnen. Schließlich war ihm dieses Kunststück bereits 2016 als 16-jährigem Jungspund in Rio de Janeiro gelungen. Alles andere als die Titelverteidigung war daher für den in Oostmalle geborenen Belgier keine Option. Als er den letzten Ballwechsel im Finale der Klasse TT9 in Tokio gegen den Australier Lin Ma für sich entschieden hatte und der 3:1-Erfolg (9:11, 11:6, 11:6, 11:3) feststand, war bei ihm die Freude dennoch riesig. „Ich bin sehr glücklich. Die zweite Goldmedaille bedeutet viel für mich. Gerade mit einem Jahr Corona war es schwierig, einen Match-Rhythmus zu bekommen. Darum bin ich um so glücklicher, auf so einem guten Level gespielt zu haben“, sagte Devos. „Ich habe mir selbst zu viel Druck gemacht – seit Beginn des Turniers. Weil ich meinen Titel von Rio unbedingt verteidigen wollte.“

Beeindruckender Ritt durchs Turnier

Die Art und Weise, wie der Linkshänder durch das paralympische Turnier rauschte, ist beeindruckend. Nur einmal geriet er in seinen fünf Begegnungen in Bedrängnis –alle anderen Partien fuhr er souverän ein – auch wenn er betont, dass er die Spiele in Tokio wesentlich schwieriger empfunden hat als noch in Rio. „Gerade zu Turnierbeginn war ich sehr nervös“, schilderte Devos. „Weil ich wusste, dass alle unbedingt gegen mich gewinnen wollten, weil ich der Titelverteidiger war.“

In der Gruppe setzte sich der Belgier, der mit einer leichten Hemiplegie (Verlust der Mobilität auf der rechten Körperseite) geboren ist, souverän gegen den US-Amerikaner Tahl Leibovitz (3:0/11:5, 11:2, 11:9) und den Spanier Juan Perez Gonzales (3:0/11:5, 11:5, 11:8) durch. Enger war schon die Viertelfinalpartie gegen den Nigerianer Tajudeen Agunbiade, die letztlich aber auch mit 3:0 an den Belgier ging (13:11, 13:11, 11:5).

Den emotionalen Höhepunkt lieferte dann die Partie gegen den Russen Iurii Nozdrunov für Devos. Erstmals musste die Nummer drei der Grünweißen über die volle Distanz von fünf Sätzen gehen (3:2/11:8, 8:11, 11:1, 11:13, 11:4). Und erstmals kam ihm der Gedanke, dass er den Kampf um Gold verlieren könnte. Es waren seine ersten verlorenen Sätze bei den Paralympischen Spielen, denn in Rio war er ohne Satzverlust zu Gold gekommen. Und auch in Tokio verlor Devos bis dahin keinen Durchgang. Doch gegen Nozdrunov verkrampfte der Linkshänder zwischenzeitlich. Gedanken kreisten durch den Kopf des Weltranglistenersten, Welt- und Europameisters der TT9: „Ich will hier meinen Titel verteidigen.“ Immer wieder. Dann die Befreiung im letzten Abschnitt. „Es war sehr eng. Ich bin froh, dass mein Gegner im letzten Satz viele Fehler gemacht hat“, atmete Devos auf.

Souveräne Vorstellung im Endspiel

Das Endspiel verlief dann nur noch im ersten Durchgang der Partie auf Augenhöhe. Danach spielte der Grünweiße sein bestes Tischtennis und ließ Lin Ma, dem Paralympics-Sieger von 2012, keine Chance mehr. „Im Finale habe ich es geschafft, den Druck abzulegen, da habe ich mein bestes Turnierspiel gemacht und wirklich gutes Tischtennis gespielt“, sagte Devos.

Hatte der Belgier seine 14-tägige Reise nach Tokio noch mit viel Skepsis angetreten, so war der 21-Jährige danach hellauf begeistert. „Alle Leute hier waren unglaublich nett, die Organisation war sehr gut. Ich hatte vorher gedacht, mit Covid würden das keine schönen Spiele, aber die Japaner haben es super gemacht“, lobte Devos, für den „die Paralympics der größte Wettbewerb in der Sportwelt sind. Ich glaube, es ist der Traum eines jeden Athleten. bei so einem Event dabei zu sein.“

Die nächsten Ziele sind bereits gesteckt: „Ich möchte es in den Kader der belgischen Nationalmannschaft schaffen“, sagt er. „Nur vier Akteure können da spielen, und ich bin derzeit die Nummer fünf in Belgien.“ Zudem will er „jetzt mit Grünweiß eine gute Saison spielen und die bestmögliche Platzierung in der Liga erreichen“.

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