Björn Zintel beim ASV vor holpriger Integration

ASV-Neuzugang Björn Zintel. - Foto; Heidenreich

Hamm - Die Versuchung war groß. Schließlich wollte Björn Zintel auf jeden Fall den nächsten Schritt in seiner Karriere gehen. Und da gab es diese wirklich verlockenden Angebote von Erstligisten.

„Das schmeichelt einem schon“, sagt Zintel. Irgendwann allerdings wurde dem 19-jährigen Handballer alles zu viel. „Der ganze Kopf war irgendwie voll mit Dingen. Das muss man erstmal verarbeiten.“ Was Zintel tat.

Er besprach sich mit U19-Bundestrainer Christian Schwarzer, mit seinem engsten Umfeld – und traf eine Entscheidung, bei der er ein „richtig gutes Gefühl im Bauch“ hat: Er band sich für zwei Jahre an den Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen.

„Die Erfahrung 1. Liga muss man noch nicht in dieser Altersstufe haben“, meint Zintel, der vom Drittligisten SV Zweibrücken kommt und gerade sein Abitur „gebaut“ hat. „Es geht darum, dass ich spiele, dass ich Wettkampfsituationen habe. Das ist deutlich sinnvoller als wenn ich bei irgendeinem Bundesligisten den erfahrenen Spielern die Trinkflasche reiche.“

Routinierte Akteure gibt es auch beim ASV. Aber eher an seiner Seite als vor seiner Nase. Ondrej Zdrahala zum Beispiel, einen „exzellenten Mittelmann“, sagt Trainer Niels Pfannenschmidt. Und da ist auch Allrounder Stephan Just, der bei Bedarf ebenfalls als Spielgestalter zum Zuge kommen könnte. „Ich bin sehr gespannt auf die Zusammenarbeit und freue mich darauf. Von beiden kann ich noch viel lernen“, weiß Zintel. „Für Björn ist es doch Glück, dass wir solche Leute haben. Da muss er sich Hilfe holen, wenn er sie braucht“, sagt Pfannenschmidt, der weiß, dass sich die Hammer ein großes Talent geangelt haben. 1,81 Meter Körpergröße sind zwar nicht gerade Rückraum-Gardemaß.

Doch dass er bei der Jugend-EM im vergangenen Jahr ins Allstar-Team berufen wurde, sagt einiges über Zintel aus, der beim ASV das Trikot mit der Rückennummer 31 erhält, mittlerweile in Hamm eine Wohnung bezogen hat und ab Januar der Warendorfer Sportförderkompanie der Bundeswehr angehört. „An ihm werden wir viel Freude haben“, meint Pfannenschmidt. „Er ist handballverrückt, ehrgeizig und willensstark. Er weiß, was er will und tut alles dafür. Er hat einen klaren Plan. Das ist ungewöhnlich für einen so jungen Spieler.“

Da ist noch eine hervorstechende Eigenschaft, die der Coach nennt. „Gallig“ sei Zintel, „im Fußball würde man sagen: ein Wadenbeißer.“ Der Youngster beschreibt sich selbst als einen Akteur, der „von den Emotionen lebt“ – und der es auf der Platte tatsächlich mit Vorliebe mit Kontrahenten aus höheren Gewichtsklassen aufnimmt, wenn er in der Abwehr agiert. „Ich stelle mich gerne einem gegenüber, der zehn, 15 Kilogramm mehr hat als ich“, sagt Zintel, der im Alter von drei Jahren beim TV Niederwürzbach mit dem Handball spielen begann. Dass ihm vermeintlich ein paar Zentimeter Körpergröße fehlen, nimmt er gelassen, will das in der Offensive auch in der 2. Liga mit Explosivität wettmachen. Und damit, „dass ich meine Rübe einsetze“.

Die sportliche Integration beim ASV, bei dem ihn das Konzept überzeugte, mit vielen jungen Spielern zu arbeiten, dürfte indes ein wenig holprig verlaufen. Zintel macht zwar das Trainingslager in der Lüdershalle mit, seine Nominierung für den deutschen U19-WM-Kader gilt aber als sicher, beim richtungweisenden Lehrgang in Katar in der kommenden Woche ist er dabei. Danach sind noch einmal ein paar Tage in Hamm angesagt, die Zeit ab dem 2. August bis zum Saisonstart stehen für ihn dann aber ganz im Zeichen der Titelkämpfe in Russland.

„Das wird nicht einfach“, sagt Pfannenschmidt mit Blick auf die Einarbeitung des Neuzugangs, die „in der Saison laufen“ müsse. „Vielleicht werden wir ihn über Linksaußen mit einbinden, damit er peu à peu in die Sache reinwächst. Björn muss ja erst einmal seine Nebenleute kennen lernen.“ Zintel, der liebend gerne eine WM-Medaille mit nach Hamm bringen würde, weiß um die Problematik, ist entsprechend hin- und hergerissen. „Es hat alles sein Für und sein Wider“, sagt er. „Natürlich wird es Zeit brauchen, bis die Abläufe passen. Und es ist eine mega Belastung, bevor die Saison losgeht. Andererseits sind die Erfahrungen, die man bei einer WM sammeln kann, riesengroß.“

Deshalb geht der 19-Jährige beides mit großer Vorfreude an. Die „tolle Halle“, das „professionelle Umfeld“ – auf all das freut sich Zintel beim ASV ungemein. Erst recht aber auf die Zusammenarbeit mit der „jungen, motivierten Mannschaft“ und dem „super Trainer“. „Wenn man als Spieler ambitioniert ist und die Mannschaft auch, ist das eine perfekte Arbeitsbasis“, sagt Zintel. „Das ergänzt sich hier gut.“ So gut, dass die Erstligisten beim Werben um ihn keine Chance hatten. Noch nicht.

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