Ehemaliger GW-Tischtennisspieler hat einen Traum:

Jens Lang hofft auf Olympische Spiele in seiner Wahlheimat Brisbane

Der frühere GW-Spieler Jens Lang mit Freundin Nancy in seiner Wahlheimat Australien.
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Der frühere GW-Spieler Jens Lang mit Freundin Nancy in seiner Wahlheimat Australien.

Von Olympia-Fieber zu sprechen, wäre verfrüht. Allerdings: Seit die Exekutive des Olympischen Komitees (IOC) Ende Februar Brisbane im australischen Bundesstaat Queensland zum bevorzugten Kandidaten für die Ausrichtung der Sommerspiele 2032 gekürt hat, ist die Körpertemperatur dort bei vielen Sportfans deutlich angestiegen.

Brisbane - Einer davon ist Jens Lang, gebürtiger Bönener mit Hammer Tischtennis-Vergangenheit, der seit über zehn Jahren in Brisbane lebt. „Ich habe mich natürlich unheimlich über die Nachricht gefreut, dass Brisbane der einzige Bewerber ist, mit dem das IOC in die fortgeschritttenen Gespräche eingetreten ist“, sagt Lang. „Ich habe die Bewerbung schon seit zwölf Monaten verfolgt. Und als ich gehört habe, dass die Region Rhein Ruhr einer der Gegner in der Bewerbung sein wird, habe ich gehofft, dass entweder meine alte oder die neue Heimat Olympia-Ausrichter 2032 wird.“

Weitgehend aus dem Sport zurückgezogen

Lang ist selbst im Spitzensport gut vernetzt, hat viele Jahre bis hinauf in die 2. Bundesliga unter anderem beim CVJM Altenbögge Tischtennis gespielt und später in Florida für den amerikanischen Tischtennisverband und auch schon als Competition-Manager für den Weltverband gearbeitet. Dazu kommen Tätigkeiten für verschiedene Sportartikel-Hersteller, die ihn nach Montreal und China geführt haben, ehe er als Trainer und Sportdirektor für die australische Nationalmannschaft anheuerte. 2017 wechselte er dann als „Sport Competition Manager Table Tennis“ für die Commonwealth Games 2018 an der australischen Goldküste auf die organisatorische Ebene. Wobei: Bei einem so kleinen Tischtennis-Verband wie dem australischen gehörten diese Aufgaben auch bereits zu seinen vorherigen Aufgaben.

Nach dem Großevent hat sich der mittlerweile 44-Jährige weitgehend aus dem Sport zurückgezogen, besitzt die Exklusivrechte für die Vermarktung der deutschen Barfußschuh-Firma Leguano in Australien und Neuseeland, für die er nun zusätzlich auch noch in Deutschland als ‘head of export‘ tätig ist.

Mitarbeit bei Olympia reizt

Doch Olympia reizt ihn. „Klar ist das eine Frage, die ich mir ab und zu stelle“, sagt Lang. „Ich versuche, den Kontakt zu meinem Netzwerk zu halten, das ich mir durch Tischtennis und die Commonwealth Games aufgebaut habe. Operativ bei Olympia involviert zu sein, ist nochmal ein Traum von mir. Und ein enger Freund von mir ist zuständig für alle Großveranstaltungen in Queensland. Aber die Aufgaben, für die ich qualifiziert wäre, entstehen ja jetzt noch nicht. Ich denke, im Bereich des sportartspezifischen Competition Managers wird da nichts vor 2029 ausgeschrieben.“

Und auch, wenn Brisbane derzeit die besten Karten hat, ist der Zuschlag ja noch nicht erteilt und die alte Heimat noch nicht aus dem Rennen – ebenso wenig wie die anderen Bewerber aus Katar, Budapest sowie die chinesischen Städte Chengdu und Chongqing.

Großer Rückhalt in der Bevölkerung

Dass Brisbanes Olympia-Bewerbung mit dem australischen IOC-Vizepräsidenten John Coates einen prominenten und einflussreichen Befürworter hat, sieht Lang als gute Argument für eine Entscheidung der IOC-Vollversammlung pro Brisbane. „Dazu kommt, dass in de Region Südost Queensland 85 Prozent der möglichen Sportstätten für Olympia bereits existieren“, sagt er. „Das wäre im Ruhrgebiet zwar auch so. Aber hier gibt es zudem große Unterstützung auf allen Bevölkerungs- und Regierungsebenen. Das ist sehr viel wert.“

Dazu kommt die Referenz der erfolgreichen Austragung der Commonwealth Games 2018. „Da war die Organisation absolut auf höchstem Niveau, das Budget ist eingehalten worden, die Spiele wurden voll im Zeitrahmen geplant und ausgetragen“, lobt Lang. „Und unterbewusst spielt vielleicht auch mit da rein, wie Australien und Queensland die Pandemie gemanaged haben.“ Denn wenn man im Moment mit Blick auf Corona irgendwo auf der Welt sein will, dann in Australien: „Die Leute machen sich hier Sorgen über den Preisanstieg bei Hundespielzeugen oder darüber, was es beim Barbeque-Treffen zu essen gibt“, sagt Lang. „Das Leben hier ist schon sorglos. Und die Angst vor Corona weit weg.“

Pandemie down under weitgehend im Griff

Die Pandemie ist down under mittlerweile weitestgehend im Griff. Das tägliche Leben läuft fast ohne Barrieren ab, Sport- und Kulturveranstaltungen finden wie selbstverständlich vor Zuschauern statt. Nur gelegentlich werden die Menschen an die weltweite Situation erinnert. Dann allerdings heftig. Bei den Australian Open etwa, als nach einem Verdachtsfall von einem Tag auf den anderen Zuschauer vom Turnier ausgeschlossen wurden und erst nach fünf Tagen wieder zugelassen wurden. Oder bei einem Corona-Ausbruch in Melbourne im Sommer. „Als da im Juli in Victoria 700 Menschen infiziert waren, hat Melbourne drei Monate lang im Lockdown gelebt – zweieinhalb davon haben die Leute nur zwei Stunden am Tag das Haus verlassen dürfen“, erinnert sich Lang.

Seitdem ist es ruhig in Australien. „Seit neun Monaten ist die Situation bei uns entspannt. Die Infektionszahlen schwanken zwischen null und zwei innerhalb von 24 Stunden oder auch mal in der Woche. Einschränkungen sind minimal. Aber dafür sind die Maßnahmen im Ernstfall auch drakonisch. Vor zwei Monaten gab es in Brisbane einen Infektionsfall in einem Hotel. Danach war die Stadt innerhalb von 24 Stunden abgeriegelt und eine Ausgangssperre verhängt. Die Maßnahmen sind extrem, sorgen aber dafür, dass die Infektionszahlen im Grunde bei Null sind.“

Im Mai erstmals Vater

Was natürlich in einem von Wasser umgebenen Staat, in dem 25 Millionen Menschen auf einem Gebiet der Größe von Europa leben, leichter zu handeln ist. Der Preis bleibt dennoch hoch: Die Landesgrenzen sind komplett geschlossen. „Maximal 1 000 Menschen pro Woche dürfen in Brisbane ankommen und sich dann zwei Wochen auf eigene Kosten in Quarantäne begeben“, weiß Lang. „Da kommen schnell 3 500 Dollar zusammen. Und nach wie vor sind über 25 000 Australier in Übersee gestrandet und kommen nicht nach Hause.“

Sportlich tätig ist der 44-Jährige, der im Mai erstmals Vater wird, derzeit nur noch selten. „Wir ziehen im Moment um. Und ich drücke nur verschiedene Knöpfe auf der Fernbedienung“, sagt er. „Aber wenn das abgeschlossen ist, werde ich wieder zum Schläger greifen. Nächste Woche treffe ich mich mit Brett Clark, meinem Nachfolger als Trainer der australischen Nationalmannschaft, der gerade zur Gold Coast gezogen ist. Ich denke, wir werden dann öfter mal zusammen ‘Ping Pong‘ spielen.“ Einfach so. Und ohne Mundschutz und Desinfektionsmittel.

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