Früherer Rhyneraner im Trainerstab des neuen Frauenteams

Dustin Wurst: Vom Papenloh zum BVB-Trainer

Bei Westfalia Rhynern sammelte Dustin Wurst in der Saison 2017/18 seine ersten Erfahrungen als Trainer.
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Bei Westfalia Rhynern sammelte Dustin Wurst in der Saison 2017/18 seine ersten Erfahrungen als Trainer.

Seine ersten Erfahrungen hatte er als Coach beim SV Westfalia Rhynern gesammelt. In der Regionalliga-Saison 2017/18 war Dustin Wurst für sechs Spiele als Interimstrainer eingesprungen, nachdem er zuvor unter Holger Wortmann und anschließend unter Thorsten Garbe als spielender Co agiert hatte. Jetzt wird der mittlerweile 35-jährige Trainer bei Borussia Dortmund.

Hamm – „Das ist eine total spannende Aufgabe, auf die ich mich sehr freue. Es ist für mich ein Privileg, für so einen Verein arbeiten zu dürfen“, sagt Wurst, der in der kommenden Saison genauso wie Tim Treude zusammen mit Chefcoach Thomas Sulewski die neu gegründete Frauen-Mannschaft der Schwarz-Gelben in der Kreisliga betreuen wird.

Im Sommer 2011 war Wurst vom SV Herbede an den Papenloh gewechselt und wurde im Laufe der Jahre zum Führungsspieler und Mannschaftskapitän in Rhnyern. Nach seiner Zeit bei der Westfalia hatte er beim Landesligisten FC Frohlinde angeheuert, ehe er im vergangenen Sommer zum FC Iserlohn wechselte, um dort noch einmal mit alten Weggefährten wie Mathieu Bengsch und Jan Apolinarski zu spielen. Nebenbei hatte Wurst aber schon gemeinsam mit Sulewski die Frauen-Mannschaft der SpVg Berghofen trainiert und mit diesem Team den Aufstieg aus der Regionalliga in die 2. Bundesliga geschafft.

„Thomas ist als B-Lizenz-Inhaber der klare Chef und hat am Ende genauso wie in Zukunft beim BVB den Hut auf. Aber wir haben in Berghofen alles zusammen geplant“, sagt Wurst, der auch in der neuen Saison bei der Borussia nicht der Hütchenaufsteller sein, sondern weiter seine Ideen und Vorstellungen einbringen will. „Tommy ist zum Beispiel von Haus aus Offensivspieler gewesen und hat sich, wenn wir das aufgeteilt haben, um die Angreiferinnen gekümmert. Ich habe mich dann mehr mit der Defensive beschäftigt. Die Trainings- und Matchpläne haben wir ebenfalls zusammen ausgearbeitet.“

„Frauenfußball ist ehrlicher und menschlicher“

Als sich Sulewski beim BVB um die Stelle des Frauen-Trainers beworben hatte und auch genommen wurde, durfte er Vorschläge für seinen Co-Trainer machen. Dass seine Wahl auf Dustin Wurst fiel, war aufgrund der erfolgreichen Zusammenarbeit in Berghofen kein allzu großes Wunder. Auch Abteilungsleiterin Svenja Schlenker sowie Ex-Nationalspielerin Annike Krahn und Ex-BVB-Profi Christian Timm, die die Borussia als Experten hinzugewonnen hatten und die mit ihrem Fachwissen das Projekt vorantreiben sollen, konnte Wurst in einem Vorstellungsgespräch von sich überzeugen. Nach der Zusage war die Freude bei dem früheren Rhyneraner sehr groß: „Ich hätte mir das nicht träumen lassen, dass ich mal bei einem Verein wie Borussia Dortmund arbeiten kann. Das ist einer der Topclubs in Deutschland und in Europa.“

Auch den Einwand, dass er im Bereich Frauenfußball tätig sein und damit bei Weitem nicht so im Mittelpunkt stehen wird wie zum Beispiel demnächst Marco Rose, der ab Sommer die Bundesliga-Profis der Dortmunder übernehmen wird, winkt er lässig ab und kontert: „Ich finde Frauenfußball ein Stück weit ehrlicher und menschlicher. Alle, die das abfällig behandeln, haben sich definitiv nicht wirklich mit Frauenfußball beschäftigt. Der große Unterschied ist die Athletik zwischen Männern und Frauen.“ Die Hauptaufgabe des Trainertrios in den kommenden Wochen wird sein, eine Mannschaft für die neue Saison zusammenzustellen. Wegen der Corona-Pandemie ist die Durchführung von Probe- und Sichtungstraining derzeit nicht möglich, aber im April sollen dann mögliche Kandidatinnen geprüft und in Augenschein genommen werden.

Das große Ziel ist die Bundesliga

Ganz bewusst hatte der BVB auch darauf verzichtet, einem anderen Verein seine Lizenz abzukaufen und in einer höherklassigen Liga zu starten, sondern das Projekt wird in der untersten Liga gestartet, um ein solides Fundament zu haben. Und um authentisch zu sein. „Etwas anderes wäre doch das falsche Signal und würde keinen Sinn machen. Es soll nachhaltig sein und in Ruhe sowie mit Struktur von unten aufgebaut werden“, stellt Wurst klar. Geld wird ebenfalls nicht gezahlt.

Dass dieses Unternehmen viel Zeit und Geduld benötigt, ist allen Beteiligten klar. Sechs Aufstiege sind es von der Kreisliga bis zum großen Ziel Bundesliga – das will der BVB möglichst schnell erreicht haben. „Ich will schon erleben, wenn wir in die 1. Liga aufsteigen“, sagt Wurst und hofft, das Projekt von Anfang an bis zum großen Ziel begleiten zu können.

Rhynern war „das absolute Highlight für mich“

So groß die Vorfreude auf diese Herausforderung auch ist, seine Zeit in Rhynern hat er keineswegs vergessen. „Das waren die mit Abstand schönsten Jahre in meiner Fußball-Karriere“, sagt er. „Die Kameradschaft in Rhynern war einmalig. Und die Spiele in der Regionalliga, wo wir in den traditionsreichen Stadien von Essen, Uerdingen, Oberhausen, Aachen oder Wuppertal gespielt haben, waren natürlich aus sportlicher Sicht das absolute Highlight für mich. Das waren Erlebnisse, an die ich mich immer erinnern werde.“

Jetzt aber will er beim BVB alles daransetzen, auch dort unvergessliche Spiele abzuliefern, an die er irgendwann einmal mindestens genauso gerne zurückdenkt wie an seine Zeit in Rhynern, wo seine Trainerkarriere begann.

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