Fußball

Droht der Corona-Abbruch? Hammer Fußballer sagt: „Wenn man den Kopf einschaltet...“

Wie lange Andrei Lorengel (rechts) und seine Mitspieler der Hammer SpVg noch den Rasen betreten, erscheint angesichts steigender Infektionszahlen fraglich.
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Wie lange Andrei Lorengel (rechts) und seine Mitspieler der Hammer SpVg noch den Rasen betreten, erscheint angesichts steigender Infektionszahlen fraglich.

Corona sorgt im Sport für Quarantäne, Spielabsagen und Angst vor Ärger mit dem Arbeitgeber. Die steigenden Infektionszahlen lassen einen geordneten Wettkampfbetrieb im Fußball- und Leichtathletik-Verband (FLVW) kaum noch zu.

Hamm - Wir haben bei den überkreislich spielenden Hammer Vereinen nachgefragt, wie Aktive und Trainer die momentane Situation einschätzen.

Michael Kaminski (Trainer, Westfalia Rhynern): „Fußball ist das schönste Hobby. Das sollte man nicht auch noch verbieten. Ich kann mr nicht vorstellen, dass die Saison komplett abgeblasen wird. Fußball findet an der frischen Luft statt, die Vereine haben gute Hygienekonzepte, da habe ich nicht das Gefühl, dass de Ansteckungsgefahr so hoch ist. Es wurde vor der Saison offen kommuniziert, dass mindestens 50 Prozent der Spiele für eine Wertung durchgeführt werden müssen. Das ist auch möglich. Deswegen gehe ich davon aus, dass es Auf- und Absteiger geben wird. Soviel zum sportlichen Aspekt. Wenn man ansonsten die Masse der Ausfälle sieht, die wir jetzt schon haben, weiß ich nicht, wie lange es noch geht. Der Verein war ja im Vorfeld dafür, nur eine Hin- und dann eine Aufstiegsrunde zu spielen. Wir wissen ja nicht, wie die Zahlen im April sind. Angst um den Job ist bei uns bis jetzt kein Thema – weil wir bisher in der glücklichen Lage waren, nicht in Quarantäne zu müssen. Ab Bezirks- oder Kreisliga kann ich die Sorge verstehen, weiß aber nicht, ob es in der Oberliga nicht ein bisschen anders ist – gerade bei den Traditionsvereinen wie Gütersloh oder Siegen, wo bis zu 1 000 Zuschauer kommen. Da geht es ja um viel Geld.“

Andrei Lorengel (Spieler, Hammer SpVg): „Bei der aktuellen Entwicklung macht es keinen großen Sinn. Fußball stellt nur einen kleinen Teilbereich der Gesellschaft dar. Auch wenn es bei uns die fünfte deutsche Liga ist. Die Ungewissheit ist das, was aktuell bei der Vorbereitung auf die Spiele so schwierig ist, dass du immer mit dem Gedanken spielst, dass es ausfallen könnte. Ich persönlich hätte keine Probleme damit, den Spielbetrieb zu unterbrechen, wenn die Infektionszahlen dann fallen würden, unabhängig davon, wie groß die Lust am Fußball ist. Innerhalb der Mannschaft würde ich behaupten, sehen das fast alle genauso. Bei uns ist letztlich erst ein Spiel ausgefallen, daher sind wir nicht so betroffen. Aber keiner würde sich der Gefahr der Ansteckung aussetzen wollen. Beruflich bin ich überwiegend im Homeoffice in der Medizintechnikbranche, das ist ein Vorteil. Wie es weitergeht, sollen die Leute entscheiden, die zuständig sind. Aktuell würde ich am liebsten weiterspielen, aber wenn man den Kopf einschaltet...“

Das sagt der Fußball- und Leichtathletik-Verband zu einem drohenden Saisonabbruch

David Schmidt (Trainer, SG Bockum-Hövel): „In der aktuellen Situation würde ich alles an die Seite schieben, auch wenn wir alle unseren Sport lieben. Gesundheit ist das Allerwichtigste, der Sport zweitrangig. Vielleicht sollten wir jetzt einen Cut machen und später nur noch die Hinserie zuende spielen. Man sieht, dass unterschiedliche Entscheidungen getroffen werden. Ursprünglich sollte es Regel sein, dass Spiele abgesagt werden können, wenn drei Fälle in der Mannschaft sind – jetzt ist es so, dass die bei jedem Verdacht ausfallen, was in Ordnung ist. Es kann sich ja keiner vorstellen, was da für eine Schleife entsteht – unsere weiteste Fahrt geht bis nach Ahaus. Ich kann jeden verstehen, der sagt, sein Arbeitgeber macht das nicht mit. Bisher ist das aber bei uns nicht vorgekommen.“

Dominik Degelmann (Spieler, TuS Wiescherhöfen): „Die meisten sind enttäuscht, dass die Spiele Woche für Woche abgesagt wurden. Ich sehe das zwiegespalten. Auf der einen Seite ist die Lust auf Fußball groß und ich möchte Normalität haben. Auf der anderen frage ich mich, ob es das alles wert ist. Es geht nicht darum, sich zu infizieren – der Rattenschwanz ist lang. Ob das bei Arbeitgebern so gut ankommt, wenn man seinem Hobby nachgeht und dann 14 Tage zuhause bleiben muss? Ich als Polizeibeamter stehe da nicht gleich vor dem Aus. Aber mein Arbeitgeber würde sich nicht freuen, wenn ich durch NRW tingeln und mal eine ganze Truppe lahm legen würde. Ich spiele 30 Jahre Fußball, liebe den Sport. Er steht bei mir aber nicht mehr über allem. Ich frage mich auch, wann die die ganzen Spiele nachgeholt werden sollen. Irgendwann ist das Wettbewerbsverzerrung. Wenn die Testungen mehr werden, wird es mehr Fälle geben. Man hätte von Anfang an die Gruppen kleiner machen und dann eine Aufstiegsrunde spielen sollen. Dann wären die Infektionsketten kleiner gewesen. Aber ich möchte nicht in der Haut der Verantwortlichen stecken.“

Dominik Giffey (Spieler, SVE Heessen): „Bislang waren wir kaum betroffen. Unser Spiel gegen Lohauserholz ist ausgefallen, weil zwei Spieler Verdachtsfälle waren. Von einer Quarantäne sind wir aber verschont geblieben. Das Thema an sich betrifft aber natürlich jeden. Als Fußballer hoffe ich, die Saison beenden zu können. In Heessen sind große Vorkehrungen getroffen worden, wir halten uns an das Hygienekonzept. Deswegen kommen wir bislang auch gut durch. Mit gesundem Menschenverstand muss man bei den steigenden Infektionszahlen aber natürlich abwägen, wie sinnvoll der Fußball gerade ist.“

Jörg Fiebig (Trainer, TuS G. Lohauserholz): „Es ist blöd, dass die Kreise alles lahm legen, und überkreislich wird weiter gespielt. Das hat was von Aktionismus und ist von der Fairness her nicht in Ordnung. Ich verstehe es, wenn es Absagen gibt, sobald es um Coronafälle geht. Wir hatten auch zwei, drei Leute in Quarantäne. Und was für einen Sinn macht es, wenn wir am 27. Oktober im Pokal auf Werne treffen, die zwei Wochen keine Spiele hatten und bis zum 25. nicht trainieren dürfen? Die müssen aus dem Stegreif gegen uns spielen – das ist ziemlich dämlich. Ich fände es gut, wenn bei uns Zuschauer erlaubt werden – dann aber mit Maske. Die Ansteckungswahrscheinlichkeit soll beim Sport im Freien gering sein. Daher sollte man die Spiele ruhig stattfinden lassen, solange keine positiven Fälle da sind. Die Werte werden ja in zwei, drei Wochen nicht so weit gesunken sein. Und was dann? Weiter verschieben? Entweder man bricht ganz ab oder zieht es im vernünftigen Rahmen durch.“

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