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Dieser Spieler des ASV Hamm-Westfalen hat seine Blessur auskuriert und ist bereit für das Derby

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Von: Günter Thomas

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Marian Orlowski hofft, am Samstag gegen Emsdetten wieder spielen zu können.
Marian Orlowski hofft, am Samstag gegen Emsdetten wieder spielen zu können. © Reiner Mroß / Digitalfoto

Im Spiel beim ThSV Eisenach musste Marian Orlowski am vergangenen Samstag passen. Auskuriert und mit seinem neuen Arbeitspapier in der Tasche will der Rückaumakteur in Zukunft bei Handball-Zweitligist ASV Hamm-Westfalen wichtige Akzente setzen.

Hamm – Es war ein übersichtlicher Arbeitstag für Marian Orlowski: Gut drei Stunden Bus fahren, ein paar Bälle in der Eisenacher Werner-Assmann-Halle werfen, ein wenig dehnen, ein Handballspiel gucken und wieder nach Hause fahren. Mehr war nicht drin für den Rückraumlinken des ASV Hamm-Westfalen auf der Dienstfahrt in der 2. Handball-Bundesliga zum ThSV Eisenach. Vor allem auf den Part zwischen Aufwärmen und Rückfahrt hätte der 28-Jährige gerne verzichtet. „Das war ein absolutes Scheißgefühl, nur zugucken zu können“, bestätigte Orlowski. „Ich habe das ja schon öfter in meiner Karriere gehabt, dass ich nicht spielen konnte. Das Adrenalin wird dann einfach nicht abgebaut – das ist schon kacke.“

Diese Bezeichnung wäre auch treffend für den Verlauf der Partie beim Liga-16. gewesen – vor allem für das Geschehen im ersten Durchgang. Mit einem 10:16-Rückstand gingen die Hammer in die Kabine – die Steigerung nach der Pause besserte den Gemütszustand nach der 25:27-Niederlage nur geringfügig. „Wir haben es einfach nicht geschafft, gegen die starke 5:1-Deckung Spielfluss zu kreieren“, erkannte Orlowski. „Wir haben viele Fehlpässe produziert, haben uns oft festgerannt gegen die Abwehr und entsprechend viele Gegenstöße kassiert. Unsere Abwehr war zu Beginn auch löchrig. Das wurde in der zweiten Halbzeit besser mit den Paraden von Störte – am Ende hätten wir ja sogar noch einen oder zwei Punkte mitnehmen können.“

Die Entscheidung, dass der Routinier in Thüringen nicht zum Einsatz kam, fiel kurzfristig. „Wir haben mit Blick auf die letzten Spiele in diesem Jahr gesagt, dass es besser ist, noch nicht zu spielen“, sagt Orlowski. „Letztlich wird es mir das Knie danken. Es fühlt sich jetzt besser an. Ich werde in dieser Woche wieder trainieren und es bis zum Emsdetten-Spiel hinkriegen.“

Wenig Alternativen im linken Rückraum

Was auch nötig wäre. Denn die Alternativen auf seiner Position im Hammer Kader sind rar gesät. Vor allem der jüngste Neuzugang Matej Mikita kommt aus einer langen Verletzung und wird vornehmlich in der Deckung eingesetzt. Markus Fuchs soll seine Kräfte für die Abwehrarbeit sparen. Und dem Versuch, in Eisenach mit zwei Linkshändern im Rückraum sowie Dani Baijens auf der linken Angriffsseite zu agieren, fehlten die nötigen Automatismen aus dem Training, um von Erfolg gekrönt zu werden.

Zudem hat der TVE rechtzeitig vor dem Derby am Samstag in Hamm (19.15 Uhr/Westpress Arena) mit einem Paukenschlag auf sich aufmerksam gemacht und den aktuellen Liga-Zweiten TV Hüttenberg mit 33:19 aus der Emshalle gefegt. „Das habe ich in der Form nicht erwartet“, räumt Orlowski seine Überraschung ein. „Hüttenberg spielt eigentlich eine geile Saison – das Ergebnis ist schon ein Brett. Aber wir sind generell vor jedem Gegner gewarnt. In der Liga sind alle stark – aber ich bin auf jeden Fall motiviert, die letzten Spiele vor der Weihnachtspause für uns zu gestalten.“

Als der Rechtshänder in der vergangenen Woche einen Anschlussvertrag für zwei weitere Jahre beim ASV unterschrieben hat, gehörten im Vorfeld auch die Überlegungen dazu, ob er in naher Zukunft mit dem ASV seinen sportlichen Wunsch verwirklichen kann: noch einmal in der 1. Bundesliga zu spielen. „Ich habe immer gesagt, dass das mein großes Ziel ist“, betont Orlowski, der mit seiner Unterschrift bestätigt hat, dass das mit dem ASV geschehen soll. „Aber ich werde den Teufel tun, das Wort Aufstieg in den Mund zu nehmen. Unser Ziel ist es natürlich, jedes Spiel zu gewinnen, öfter Phasen zu haben, wo wir uns in den Rausch spielen. Und persönlich möchte ich einfach meine Leistung abrufen und zeigen, dass da noch mehr in mir steckt.“

Acht Jahre wird der 28-Jährige nach Ablauf seines neuen Vertrags beim ASV auf dem Buckel haben – unterbrochen von der Erstliga-Station beim TVB Stuttgart und in der 2. Liga beim TuS N-Lübbecke (jeweils zwei Jahre). Als Heimat würde der gebürtige Lüdenscheider Hamm zwar noch immer nicht bezeichnen, wohl ist er aber schon hier geworden. „Heimat ist die Stadt, in der ich geboren bin. Aber ich habe schon eine Beziehung zu Hamm“, sagt er. „Hier habe ich meine Anfänge im Männerhandball erlebt. Danach bin ich ein bisschen rumgekommen. Und jetzt haben wir eine super Truppe hier.“

Mit seinem Wechsel zurück zum ASV zur Saison 2020/21 hat der 28-Jährige auch seine Studienfächer gewechselt, ist von Psychologie auf Lehramt umgeswitcht. Seine Fächerkombination passt gut zum Trainer: Mathematik und Sport hat auch Michael Lerscht unterrichtet, ehe er sich komplett auf den Handballsport konzentriert hat. „Durch Corona läuft da jetzt viel online“, sagt der Rückraumakteur, der in Münster studiert. „Und durch die Spitzensportförderung ist es auch möglich, einmal terminbedingt nicht vor Ort zu sein.“

Der Trainer war auch einer der Gründe dafür, dass sich Orlowski für zwei weitere Jahre in Hamm entschieden hat. „Das passt gut“, sagt er. „Micha ist ein sehr offener, kommunikativer Trainer, der möchte, dass viele Dinge aus der Mannschaft selbst kommen, wir vieles zusammen entwickeln. Uns wird nichts aufdiktiert, und menschlich passt es gut.“

Gegen den TV Emsdetten will die Mannschaft in die Erfolgsspur zurückkehren. Über eine gute Abwehr und mit viel Tempo. „Wie in jedem Spiel ist das der Schlüssel zum Erfolg“, sagt Orlowski, der froh ist, dass auch weiterhin knapp 1500 Zuschauer in der Hammer Arena zugelassen sind. „Ich kann es zwar verstehen, dass da wieder gedrosselt wird, aber für uns ist es gut, dass mehr Fans da sind. Geisterspiele sind das Allerschlimmste. Es ist unheimlich schwierig, da Emotionen aufzubauen. Das fühlt sich an wie Freundschaftsspiele – und jeder, der Handball spielt, macht das ja auch, weil da Leute stehen und zugucken.“

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