Handball

Dieser Spieler verlässt den Zweitliga-Kader des ASV Hamm-Westfalen 

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Lars Gudat

Beim zwölften Mal wird es Lars Gudat erwischen: Wenn Trude Herr am Samstag nach dem letzten Saison-Heimspiel des Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen (18 Uhr/Westpress Arena) gegen Tusem Essen ihr „Niemals geht man so ganz“ in Dauerschleife aus den Lautsprechern schmachten wird, dürfte der Rechtsaußen ein paar Tränen im Augenwinkel haben.

Hamm – Seit Gudat 2007 aus dem Magdeburger Handball-Internat nach Hamm gewechselt ist, hört er jedes Jahr als musikalische Untermalung bei der Verabschiedung der scheidenden Spieler das Lied der 1991 verstorbenen Kölner Schlagersängerin. Nicht emotionslos. Aber unbeteiligt. Dieses Mal wird das anders sein. Der ASV-Dauerbrenner wird künftig nicht mehr zum Zweitligakader gehören und wechselt ins Oberliga-Team. „Ich habe das Lied ja schon elfmal gehört“, sagt der 29-Jährige. „Aber das letzte Spiel beschäftigt einen schon. Dass die Karriere dann nach zwölf Jahren endet. Schwartau wird danach eine angenehme Rückfahrt – aber Essen ist das emotionale Spiel für mich.“

Dass er ins zweite Glied zurücktritt, sieht der in Hemer geborene Rechtsaußen „mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Ich freue mich jetzt auch auf das, was da noch kommt“. betont er.

Als er mit zwölf Jahren ins Magdeburger Internat wechselte, „war das schwierig, so früh von zuhause wegzusein“, gibt er zu. „Aber mit 15, 16, als das Leben langsam begonnen hat, war das eine schöne Zeit. Da haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir den strengen Alltag umgehen können, sind nachts durchs Fenster raus.“ Deutscher Meister ist er dennoch geworden – in der B-Jugend gemeinsam mit seinem jetzigen Teamkollegen Oliver Krechel. Auch Felix Storbeck war damals mit im Internat, „aber wir haben nicht zusammen gespielt.“ Im ersten A-Jugendjahr folgte noch die Vize-Meisterschaft. Dann kam der Wechsel zum ASV.

Auch dort war der Einstieg neu und spannend. „Wenn du 18 bist, beschäftigst du dich nicht damit, was daran schlecht sein kann, Profi zu sein“, sagt Gudat. „Dann bist du handballgeil. Das andere, etwa der Gedanke an die langen Busfahrten, kommt erst, wenn du älter wirst und Familie hast.“

Wichtig waren in der Anfangszeit vor allem Bezugspersonen im Team, „die einen an die Hand nehmen. Das waren ein Martin Ziemer, Mario Clößner, Marcus Hock. An denen habe ich mich schon orientiert“, sagt er. „Wir haben heute noch Kontakt. Ziemer ist ja so ein Chaot. Der ruft dann an, wenn er schon fast hier ist.“

"Diese Party möchte ich schon gerne nochmal mit erleben"

Mit diesen Spielern verknüpft Gudat auch sein schönstes ASV-Erlebnis: Den Erstliga-Aufstieg 2010. „Die Party möchte ich schon gerne nochmal mit erleben, was da abgelaufen ist in der Halle und auf dem Marktplatz in Hamm“, erinnert er sich. „Ich weiß gar nicht, ob ich in der Woche irgendwann mal nüchtern war. Und dann in der ersten Liga das Spiel gegen Hamburg in der Westfalenhalle vor mehr als 11 000 Zuschauern.“

Mittlerweile hat Gudat einiges mit dem ASV erlebt. Den direkten Abstieg damals wie das Bangen um den Klassenerhalt vor drei Jahren und die Rückkehr in die Zweitliga-Spitzengruppe. Und das Kratzen am Wiederaufstieg in diesem Jahr. „Am Ende waren wir bei manchen Spielen einfach zu blauäugig“, sagt Gudat, der in seiner Karriere „bestimmt mit 100 Spielern zusammen gespielt“ hat. „Gerade auswärts bei den Großen haben wir uns schwer getan. Aber vergangenes Jahr wären wir mit 51 Punkten wahrscheinlich aufgestiegen. Jetzt bin ich gespannt, wie es wird, wenn ich das nächstes Jahr von Außen betrachten kann.“

Ab dem 1. Juli beginnt für den Rechtsaußen das Berufsleben bei Funke Kunststoffe in Uentrop – und damit der geregelte Alltag. „Das ist ein Glücksgriff, direkt vor der Tür. Ich habe mir sogar jetzt ein Fahrrad gekauft“, sagt der zweifache Vater. „Ich freue mich drauf. 40-Stunden-Woche, Urlaubsantrag – das kenne ich alles ja gar nicht.“

Dem ASV wird er auf jeden Fall verbunden bleiben, erwägt sogar neben seinem Engagement in der „Zweiten“ ein Jugendteam zu trainieren, wenn sich alles eingespielt hat. Und vielleicht ist er ja nächstes Jahr wieder dabei, wenn die Trude-Herr-CD abgespielt wird. Ganz abwegig ist der Gedanke für Lars Gudat nicht. „Wenn ich gebraucht werde, bin ich da“, verspricht er. „Dafür habe ich dem Verein zu viel zu verdanken.“

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