Ein Mädchen mitten unter Fußball-Jungs:

Maya Wisznewski träumt von Einsätzen in der Frauen-Nationalmannschaft

Die junge Hammerin Maya Wisznewski träumt davon, irgendwann im Tor der deutschen Frauen-Fußball-Nationalmannschaft zu stehen.
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Die junge Hammerin Maya Wisznewski träumt davon, irgendwann im Tor der deutschen Frauen-Fußball-Nationalmannschaft zu stehen.

Die junge Hammerin Maya Wisznewski träumt davon, irgendwann im Tor der deutschen Frauen-Fußball-Nationalmannschaft zu stehen.

Hamm – Ihr Zimmer sieht eigentlich so aus wie bei jedem anderen elfjährigen Mädchen auch. Aber eben nur eigentlich. Denn auf dem Fensterbrett stehen keine Blumen, sondern Pokale. Und an einem Holzpfosten in der Mitte des Raumes hängen keine Fotos von Topmodels oder angesagten Sängern, sondern Medaillen, vom Schalker Keeper Ralf Fährmann signierte Torwarthandschuhe, Autogrammkarten und sogar ein angenagelter Fußballschuh. Maya Wisznewski hat nun mal deutlich andere Interessen als ihre gleichaltrigen Schulkameradinnen: Sie ist in der U12 der Hammer SpVg die Torhüterin – und das in einer reinen Jungenmannschaft. „Ich liebe es, in die Ecken zu springen, direkt wieder hochzukommen und den nächsten Ball zu halten. 1:1-Situationen finde ich aber auch klasse. Das ist man voller Adrenalin, und man kann sich feiern, wenn man der Sieger bleibt”, sprudelt es aus der Schülerin des Gymnasiums Hammonense heraus.

„Von Anfang an super viel Spaß gemacht“

Bereits früh fiel ihrem Vater Kai Wisznewski auf, dass seine Tochter ein wenig anders tickt. Schon als kleines Kind hechtete die damals Zweijährige quer über das Bett im elterlichen Schlafzimmer und versuchte, ihr Stofftier namens Bärchi zu fangen. „Wir mussten Bärchi an der Schräge über dem Bett immer etwas höher platzieren. Das war für sie damals schon ein Wettbewerb. Das hörte erst auf, als das Tierchen an der Decke hing, und es nicht mehr höher ging”, erinnert sich der Vater, der auch schon früh in der Wohnung mit seiner Tochter Fußball spielte. „Selbst wenn sie den Ball dann mal ins Gesicht bekommen hatte und blutete, wollte sie nicht aufhören, sondern rief: mehr, mehr”, sagt Kai Wisznewski. Und seine Tochter fügt hinzu: „Ich habe mich da ins Tor hingezogen gefühlt. Mir hat es von Anfang an super viel Spaß gemacht, Bälle zu halten.”

Als die Familie Wisznewski vom Langewanneweg an die Ostenallee umzog, schloss sich Maya der Hammer SpVg an. Allerdings gab es bei der HSV als jüngstes Mädchenteam nur eine E-Juniorinnen-Mannschaft, in der die Spielerinnen neun oder zehn Jahre alt waren. „Ich war aber nur fünf Jahre alt, daher ging das einfach nicht”, sagt sie und rutschte dann in die neu gegründete G-Jugend, in der allerdings nur Jungen spielten. Doch das störte sie nicht – eher schon die Gegenspieler. „Anfangs ist sie von den Gegnern schon mal ausgelacht worden. Nach den ersten guten Leistungen und einem Sieg mussten sich die Spieler vom Gegner bei Maya für ihr Verhalten entschuldigen”, sagt Kai Wisznewski, der mit Stolz beobachtete, dass seine Tochter immer besser wurde.

Trainer Marcel Todte lobt in den höchsten Tönen

Und so steht Maya Wiszneski seitdem durchgehend im Tor der HSV und schaffte es sogar im vergangenen Sommer, in die neu gegründete U12 der Hammer SpVg zu kommen. „Da wurde vorher kräftig aussortiert. Aus meiner E-Jugend-Mannschaft sind nur vier Spieler übrig geblieben, aber ich war dabei”, sagt sie und hütet daher abwechselnd mit Henri Brinkmann, dem Stützpunkttorwart aus dem Kreis Soest, das Gehäuse des D-Junioren-Jungjahrgangs. Das macht sie so gut, dass ihr Trainer Marcel Todte nur in den höchsten Tönen von seinem Schützling schwärmt. „Ich kenne sie jetzt seit etwas mehr als ein halbes Jahr und habe sofort gesehen, dass wir zwei richtig gute Keeper haben. Maya fügt sich bei uns perfekt ein, ist voll motiviert und macht das sehr gut. Sie hat keine Angst, schmeißt sich in jeden Ball, kann springen, verfügt über gute Reflexe und kann gut mitspielen. Sie wird ihren Weg machen”, sagt Todte, der es sogar als Vorteil sieht, dass die Elfjährige nicht in einem Mädchen-, sondern in einem Jungenteam spielt: „Ich denke, die Schüsse sind härter. Und das fordert und fördert sie noch mehr.”

Top-90-Lehrgang in der Sportschule Kaiserau

Aber ihre starken Leistungen sind nicht nur ihrem Vater und den HSV-Verantwortlichen aufgefallen, nachdem sie im vergangenen Winter bei verschiedenen Hallenturnieren furios aufgetrumpft, sieben von zehn Neunmetern gehalten hatte und beim Turnier in Kamen sogar zur besten Torhüterin gewählt worden war. „Sie hatte da einen richtigen Flow bei diesen Turnieren, es wurde sogar ihr Name von den Zuschauern skandiert. Da hatte ich als Vater einige Male Gänsehaut”, sagt Kai Wisnewski. So gab es immer wieder Anfragen von anderen Vereinen. Und sie trainiert, nachdem sie 2019 in die Kreisauswahl der U11-Jungen berufen worden war, seit Juni 2020 nicht nur mit dem gleichaltigen Jungs beim Stützpunkt Unna/Hamm, sondern nach einem Grundsichtungstag von knapp 2000 gemeldeten Spielerinnen des Jahrgangs 2009 schaffte sie zuerst die Qualifikation für den Top-90-Lehrgang in der Sportschule Kaiserau und anschließend den Sprung in den 27 Spielerinnen starken Kader der Westfalenauswahl. Außerdem erhielt sie im vergangenen Jahr von der HSV eine Dauertrainingsgenehmigung, um von Juni bis Oktober an den Übungseinheiten der U13-Juniorinnen des Frauen-Bundesligisten SGS Essen teilzunehmen. „Das war schon super cool da. Das war ein sehr gutes Niveau, wir haben da viel im Bereich Technik trainiert”, sagt die junge Torhüterin. Doch der Aufwand von rund fünf Stunden inklusive der Hin- und Rückfahrt von Hamm nach Essen für eine Trainingseinheit war Maya und ihren Eltern letztlich zu groß. „Hinzu kamen ja noch das Training mit der Westfalenauswahl, wo wir hinfahren mussten”, sagt Kai Wisznewski.

Fit durch Joggen, Workouts und Online-Challenges

Derzeit aber muss das Nachwuchstalent erst einmal abwarten. Denn aufgrund der Corona-Pandemie sind der Spiel- und Trainingsbetrieb bekanntermaßen eingestellt. Maya Wisznewski lässt sich davon allerdings nicht abhalten, weiter zu trainieren und sich fit zu halten. Sie geht mit ihrer Mutter Jenny am Kanal joggen, macht Stabilisierungsübungen und Workouts, absolviert die Online-Challenges von ihren Teams und geht mit ihrem Vater auf eine Wiese, um seine Schüsse zu parieren. „Sie ist fitter als vor einem Jahr”, hat Kai Wiszenwski festgestellt. Dennoch vermisst seine Tochter die Meisterschaftsspiele, das Training und das Miteinander mit den Teamkollegen. „Das ist alles richtig blöd. Ohne meine Jungs und ohne den Wettkampfmodus ist es sehr langweilig”, sagt sie. Denn mit ihrer HSV-Mannschaft hat sie im vergangenen Spätsommer als Gruppenerster die Qualifikation für die Kreisliga A geschafft, aber aufgrund des zweiten Lockdowns noch keine einzige Partie im Ligabetrieb absolviert. Und auch die Trainingstage und angesetzten Lehrgänge mit der Westfalenauswauswahl fanden bislang noch nicht statt. „Es wäre schon sehr blöd, wenn mit der U12-Westfalenauswahl jetzt nichts geht. Ich hätte diese Erfahrungen gerne mitgenommen”, sagt sie, denn wenn im Frühjahr für die U14-Auswahl gesichtet wird, ist es für sie als Jungjahrgang sehr schwer, den Sprung erneut zu schaffen.

Ähnlichen Weg gehen wie Sjoeke Nüsken

Doch das alles hält sie nicht davon ab, weiter an ihren Träumen festzuhalten. „Das ist kein Grund, von den Zielen abzurücken”, sagt sie und verrät, dass sie gerne einen ähnlichen Weg gehen möchte wie die ebenfalls aus Hamm stammende Sjoeke Nüsken, die aus der Jugend des SV Westfalia Rhynern heraus zuerst den Sprung in die U-Nationalmannschaften des Deutschen Fußball Bundes und im Sommer 2019 in die Frauen-Bundesliga bei Eintracht Frankfurt geschafft hat. „Sjoeke hatte mit Dirk Busch den selben DFB-Stützpunkttrainer wie ich jetzt”, sieht sich Maya Wisznewski auf einem guten Weg. „Ich würde super gerne später bei einem guten Klub in der Bundesliga spielen. Am bombastischsten wäre es, wenn das bei Bayern München klappen würde. Das Niveau ist da toll. Und die Umgebung im Süden von Deutschland ist auch super.” Sollte es mit den Bayern nicht klappen, würde sie aber auch beim VfL Wolfsburg, SGS Essen oder so wie Nüsken in Frankfurt einsteigen wollen. „Mein ganz großer Traum ist es, in der Frauen-Nationalmannschaft zu spielen. Ich werde 2027 erst volljährig, aber wenn die Weltmeisterschaft dann in Deutschland stattfindet, wäre es mein Supertraum, dann dabei zu sein.”

Sollte dies alles nicht funktionieren, hat sie auch bereits einen Plan B parat. Sie möchte gerne Sport und Mathemeatik auf Lehramt studieren. „Man muss ja etwas in der Hinterhand haben”, sagt sie. Doch bis es so weit ist, will sie ihr Tor so oft wie möglich sauber halten. Und weiter Pokale und Medaillen sammeln, die dann ihr Zimmer weiter dekorieren.

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