Achtelfinale des DHB-Pokals

Sensation verpasst: ASV muss sich in der Schlussminute geschlagen geben

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Ivar Stavast (links) war nach der Partie die Enttäschung ins Gesicht geschrieben

Kampf, Emotionen und Leidenschaft. Alles Tugenden, die Trainer Kay Rothenpieler und seine Akteure vor dem Achtelfinale des DHB-Pokals gegen den Bundesligisten Eulen Ludwigshafen von sich gefordert hatten. In unnachahmlicher Weise brachte der ASV Hamm-Westfalen eben jene auf die Platte, musste sich gegen den Erstligisten Eulen Ludwigshafen in der Schlussminute mit 24:25 geschlagen geben.

Hamm - "Die Halle muss von Beginn an brennen", hatte Kreisspieler Jakob Schwabe im Vorfeld des Achtelfinales des DHB-Pokals gegen die Eulen aus Ludwigshafen gefordert. Und die Westpress Arena tat genau das am Mittwochabend. Nicht erst, als die Akteure des Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen unter frenetischem Applaus der Zuschauer das Feld betraten. Bereits eine halbe Stunde vor dem Anpfiff war ein gewisses Knistern zu spüren. Vor der Halle, wo sich die Anhänger versammelten und sich auf das Duell gegen den Erstligisten einstimmten, und innerhalb der aufgeheizten Arena, in der es in den Anfangsminuten niemanden auf den Sitzen hielt.

Für den ersten Jubelschrei sorgte Fabian Huesmann mit der ASV-Führung, Sören Südmeier legte nach fünf gespielten Minuten zum zwischenzeitlichen 3:2 nach. Lange hielt sie aber nicht, weil die Eulen wussten, schnell zu kontern und der Truppe von ASV-Trainer Kay Rothenpieler mit einer dicht gestaffelten 5:1-Deckung das Leben schwer machten. 

Erste Führung für den Erstligisten hat nicht lange Bestand

Huesmann fand nach Tempogegenstoß erneut eine der wenigen sich ergebenden Lücken, nachdem Keeper Felix Storbeck zuvor auf der Gegenseite glänzend parierte - 5:3 für die Hammer (9.), die von Minute zu Minute Selbstbewusstsein tankten - und sich in der 13. Minute selber im Weg standen. Rückraum-Spieler Ivar Stavast kassierte eine Zeitstrafe, die Ludwigshafen zu nutzen wusste. Jerome Müller traf zur ersten Gästeführung in einer Partie auf Augenhöhe.

Nicht nur ASV-Trainer Rothenpieler wusste, dass es gegen die personell qualitativ glänzend bestückten Eulen auf die Emotionalität mitsamt taktischer Disziplin seiner Truppe ankommen würde, wenn der Außenseiter Geschichte schreiben und in die nächste Runde einziehen wollte. Angetrieben vom rekordverdächtigen Pegel von außen tat sie genau das, was ihr Coach verlangte. Huesmann legte nach, Südmeier tat es ihm gleich und Storbeck stieß einen Freudenschrei aus, als er erneut auf seinem Posten war. Als dann auch noch Stavast seinen Fauxpas zum 13:11 wieder wett machte und seinem Gegenspieler Kai Dippe dabei zusah, wie der Eulen-Akteur für zwei Minuten auf die Bank geschickt wurde, glich die Westpress Arena einem Tollhaus.

Sensation liegt zum Ende des ersten Durchgangs in der Luft

Zwei Minuten vor der Halbzeitpause nahm Ludwighafens Coach Benjamin Matschke umgehend sein erstes Timeout. Es gab viel zu besprechen, besonders, wie die Gäste endlich ihrer Favoritenrolle gegen einen aufopferungsvoll kämpfenden Zweitligisten würde gerecht werden können.

30 Minuten zierten die Anzeigetafel, als die Spieler unter stehenden Ovationen und "ASV, ASV"-Sprechchören beim Stand von 14:13 in die Kabinen verschwanden. Zufrieden, aber mit ernster Mimik nickten sich Oliver Milde und Co. zu. In den Gesichtern der in schwarz gekleideten Eulen hingegen waren erste Fragezeichen zu erkennen. Dass sie auf einen formstarken Gegner treffen würden, der am vergangenen Samstag die erste Niederlage hinnehmen musste, wussten sie bereits im Vorfeld des Duells. Dass die Aufgabe un Hamm jedoch solch eine große Hürde darstellen sollte, daran glaubten wohl nur die wenigsten.

Erstligist dreht nach dem Seitenwechsel auf - Rothenpieler nimmt Auszeit

Dementsprechend hoch engagiert ging der Bundesligist zu Beginn des zweiten Durchgangs zu Werke. Müller stellte mit dem 14:14-Ausgleich alles auf Null. Durchschnaufen auf der Bank, besonders bei Coach Rothenpieler, der sichtlich angespannt in der Coaching-Zone auf und ab tigerte und den Rückstand durch Jannik Hofmann und Frederic Stüber hinnehmen musste, während seine Offensive gleich zweimal am Pfosten scheiterte - 14:16 (39.). Auszeit ASV, in dessen Folge Jan von Boenigk, Huesmann und Milde trotz doppelter Unterzahl gegen eine auf 6:0 umgestellte Eulen-Deckung erfolgreich waren und zum 17:17-Zwischenstand ausglichen (45.). Wieder einmal erhoben sich die Zuschauer und brachten die Halle mit ihrer lautstarken Unterstützung zum kochen, erneut war das Weiterkommen und der Einzug in das Viertelfinale des DHB-Pokals greifbar.

So recht Platz genommen hatte anschließend keiner mehr auf den Rängen und auf der Spielerbank. Schon jetzt war es ein Abend, der die Anhänger des ASV sichtlich mit stolz erfüllte. Der Blick auf die Ränge ergab beides: ein Lächeln auf den Lippen und nervöses Fingernägelkauen. Erst recht, als Pascal Bührer zehn Minuten vor dem Ende für den Erstligisten auf 20:20-Gleichstand stellte.

In den Schlussminuten hält es niemanden mehr auf den Sitzen

Ärmel hochkrempeln und voller Fokus war angesagt in den Schlussminuten, die nicht hätten spannender sein können. Zwei Minuten vor dem Ende zog Ludwigshafen mit zwei Treffern davon. Rothenpieler versammelte seine Truppe zum Timeout. 

Milde mit dem Anschluss, noch eine Minute auf der Uhr - nächste Auszeit. "Da geht noch eine ganze Menge" hallten die Worte des Hallensprechers durch die Lautsprecher, der damit genau den Nerv der Zuschauer traf.

Max Neuhaus sorgte zehn Sekunden vor dem Ende für die Entscheidung mit seinem 23:25 aus ASV-Sicht. Huesmann setzte mit dem Abpfiff den Schlusspunkt zum 24:26. Danach war die Enttäuschung riesengroß - und der Beifall in der Arena ebenso.

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