Wasserball

Der SC Rote Erde Hamm trauert um Ivo Trumbic

Ivo Trumbic, 2002 als Trainer des SC Rote Erde.
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Ivo Trumbic, 2002 als Trainer des SC Rote Erde.

Was es im Wasserball zu gewinnen gibt, hat Ivo Trumbic gewonnen. Olympiasieger ist der Kroate 1968 in Mexiko geworden, mehrfach holte er die Champions-League – sowohl als Spieler als auch als Trainer. Jetzt ist Trumbic mit 85 Jahren gestorben.

Hamm - Dazu kamen zahlreiche nationale Titel. Eine der größten Legenden des Sports präsentierte der SC Rote Erde Hamm im Jahr 2000 als neuen Verantwortlichen am Beckenrand seines Wasserball-Bundesligateams. Unter Trumbics Regie mischte der Verein, der sich mittlerweile als Abteilung dem Nachbarn TuS 59 angeschlossen hat, letztmalig an der deutschen Spitze mit – und erlebte mit ihm einen der bittersten Momente seiner Geschichte.

Mit dem Star-Coach hatten die Rote-Erde-Verantwortlichen einen echten Profi nach Hamm geholt. Trumbic war ein akribischer Arbeiter. „Er war ein herausragender Trainer, hat alle Trainingseinheiten genau vorbereitet und hatte über Wochen einen genauen Plan. Das hatte ich zuvor so noch nicht gesehen“, erinnert sich Hans-Werner Glänzer, damals wie heute Sportlicher Leiter beim SC Rote Erde.

Obwohl Trumbic bei seinem Dienstantritt in Hamm schon 65 Jahre alt war, waren Trainingsmethoden von vorgestern nicht seine Sache. Bereits Jahre bevor Sport- und Fitnesszeitschriften massenhaft die Vorzüge hochintensiven Trainings priesen, setzte der Kroate darauf. Kein Kacheln zählen bei endlos langen Schwimmeinheiten. Kein stumpfes Ballern aufs Tor. Kurz und knackig waren die Übungen des Welttrainers, immer nah am Wettkampfgeschehen.

Bronze im Pokal

Trumbic war durch und durch Profi – und traf in Hamm auf eine Mannschaft, in der fast alle Spieler berufstätig, Studenten oder sogar noch Schüler waren. „Er hat sich manchmal beklagt, dass er so viele Kompromisse eingehen müsse. Zum Glück war er schon etwas altersmilde“, erzählt Glänzer. Immerhin Bronze holte Trumbic 2001 mit dem SC Rote Erde im Pokal, in der Liga landete die Mannschaft auf Rang vier.

Disziplin war der Wasserball-Legende wichtig. In dem fast zwei Meter großen Mann steckte allerdings auch ein großes Herz. Trumbic lachte gerne und viel, hatte unzählige Anekdoten aus seinem ereignisreichen Wasserballer-Leben auf Lager. Etwa die Begegnungen und Duelle mit dem Schwimm- und Wasserballstar Carlo Pedersoli, der später als rauffreudiger Kinoheld Bud Spencer international Karriere machte. Trumbic zählte ihn zu seinen Freunden.

Unfall auf der Autobahn A2

Wie emotional und herzlich Trumbic war, zeigte sich jedoch vor allem im April 2002, als bei einem schweren Autounfall auf dem Weg zum Auswärtsspiel bei Meister Spandau Berlin auf der Autobahn A2 die Hälfte der Mannschaft des SC Rote Erde mit ihrem Kleinbus verunglückte. Betreuer Peter Herrmann und mehrere Spieler wurden schwer verletzt, rangen um ihr Leben. Trumbic saß mit der anderen Hälfte des Teams im zweiten Kleinbus, der folgte – und musste mit ansehen, was passierte. „An der Unfallstelle hatte er den Kopf von Peter Herrmann auf seinem Schoß, hat gebetet und viel geweint“, erinnert sich Hans-Werner Glänzer. „So habe ich Ivo zuvor noch nie erlebt.“

Obwohl die Hälfte der Mannschaft verletzt lange ausfiel und zuvor schon weitere Top-Spieler wegen Finanzproblemen den Klub verlassen hatten, brachte Trumbic die Saison bestmöglich zu Ende. Jugendliche Talente integrierte er kurzerhand ins Team. Am Ende glückte noch ein Platz im gesicherten Mittelfeld.

Trumbic wäre gerne in Hamm geblieben. „Aber uns fehlte einfach das Geld“, berichtet Glänzer. Danach kämpfte der Verein jahrelang nur noch gegen den Abstieg, musste irgendwann den Gang in die 2. Liga antreten. Trumbic ging zurück nach Amersfoort, übernahm dort noch einige Jahre das Management der Wasserball-Sparte, ehe er in seine kroatische Heimat zurückkehrte. Dort starb er am 12. März im Alter von 85 Jahren. Im Jahr zuvor war er noch mit der höchsten kroatischen Auszeichnung für Verdienste um den Sport geehrt worden. In Erinnerung wird er allerdings auch beim SC Rote Erde bleiben. „Er war einfach ein feiner Kerl“, versichert Hans-Werner Glänzer.

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