Ungewissheit bei den Hammer Wasserballern

Rote Erde muss improvisieren - Aus den Startblöcken direkt in den Lockdown

Sead Alagic ist im Moment der einzige Spieler des SC Rote Erde Hamm, der zwei- bis dreimal in der Woche im Wasser trainieren darf.
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Sead Alagic ist im Moment der einzige Spieler des SC Rote Erde Hamm, der zwei- bis dreimal in der Woche im Wasser trainieren darf – am Stützpunkt in Duisburg.

Die Wasserballer des SC Rote Erde Hamm wurden kurz vor der Saisoneröffnung durch den zweiten Lockdown ausgebremst. Inzwischen haben sie seit fast einem Jahr kein Punktspiel mehr bestritten.

Hamm – Die Wasserballer des SC Rote Erde Hamm im TuS 59 waren hochmotiviert. Mit Vitor Pavicic-Capucho und Simon Brinkmann hatte die Zweitliga-Mannschaft wichtige Verstärkungen für sich gewonnen. „Die Trainingsbeteiligung in allen Teams bis runter zur Jugend war wirklich sehr gut“, berichtet Wasserballwart Kristian Berg. Es hätte also eine gute Saison werden können für den SC Rote Erde. Dann kam – kurz vor dem für Mitte November geplanten Ligastart – der erneute Corona-Lockdown. Nun ist alles ungewiss.

„Es trifft natürlich alle“, weiß auch Berg, der selbst zum Kader der ersten Mannschaft gehört und zudem als Trainer für die zweite Mannschaft zuständig ist. Für die Hammer Wasserballer kamen die Beschränkungen jedoch zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt.

14 Talente gehören einem Landeskader an

Denn nicht nur die erste Mannschaft stand erwartungsfroh in den Startlöchern. Vor allem im Nachwuchsbereich hat der Verein in den vergangenen Jahren einen erheblichen Aufschwung erlebt. Talent Sead Alagic wurde mit gerade einmal 14 Jahren in die U16-Nationalmannschaft berufen. In den aktuellen Kadern des Schwimmverbandes NRW sind von der U12 bis zur U16 gleich 14 Rote-Erde-Talente gelistet. Bis auf Alagic, der mit dem Nationalkader zwei- bis dreimal pro Woche auch im Lockdown am Stützpunkt in Duisburg trainieren kann, haben jedoch keine RE-Spieler aktuell die Möglichkeit, im Wasser zu trainieren.

„Das ist ein echtes Problem, weil dadurch die Entwicklung erst einmal zum Stehen kommt. Wir hoffen, dass wir zumindest für unsere Kaderspieler Trainingsmöglichkeiten an einem Stützpunkt bekommen“, sagt Berg. Motiviert sei allerdings nicht nur die Jugend gewesen. „Auch viele der älteren Spieler wollten es noch einmal wissen“, so der Rote-Erde-Wasserballwart.

Immerhin gab es einige Trainingsspiele

Die Vorsaison war wegen der Corona-Pandemie abgebrochen worden. Einen Absteiger aus der 2. Liga gab es nicht. Am 11. März hatte Rote Erde das letzte Spiel absolviert – ein 13:8-Heimsieg gegen Favorit Blau-Weiß Bochum. Während andere Sportarten zumindest im Sommer und Herbst Spielbetrieb hatten, werden die Hammer Wasserballer „bald ein Jahr ohne Pflichtspiel sein“, so Berg. Immerhin habe die Mannschaft vor dem erneuten Lockdown einige Trainingsspiele absolviert.

Verabredung zum Online-Krafttraining

Wie es weitergehe, sei aktuell „völlig ungewiss“. Zwar habe der Schwimmverband NRW signalisiert, dass er Pläne für einen Zweitliga-Saisonstart nach dem Lockdown in der Schublade habe. „Aber wir wissen nicht, wie das ablaufen soll. Und leider werden wir daran als Vereine auch nicht wirklich beteiligt“, kritisiert Berg. Bis dahin ist ohnehin Improvisieren angesagt. Statt Schwimmeinheiten und Trainingsspielen stehen für die Hammer Wasserballer dreimal pro Woche Meetings über die Videoplattform Zoom auf dem Programm, auf der sich die Spieler zum gemeinsamen Krafttraining verabredet haben.

Berg befürchtet allerdings, dass die Sportart nicht gut aus der Corona-Krise herauskommen könnte. Denn sogar einige Klubs in der 1. Bundesliga können nicht trainieren, weil sie keinen Profistatus haben. „Wir haben keine Präsenz im Fernsehen. Die Vereine leben vom direkten Engagement vor Ort. Es könnte passieren, dass einige Spieler dem Sport verloren gehen“, fürchtet Berg. Zumindest für den SC Rote Erde macht er sich „wenig Sorgen. Bei uns ist der Zusammenhalt einfach zu gut“.

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