Kanu-Slalom

„Großen Bock, wieder richtig zu heizen“

Im Boater Cross will der Hammer Stefan Hengst (vorne) ins EM-Finale kommen und eine Medaille ergattern.
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Im Boater Cross will der Hammer Stefan Hengst (vorne) ins EM-Finale kommen und eine Medaille ergattern.

Die Vorfreude ist Stefan Hengst, Slalom-Fahrer des Kanu-Rings Hamm, deutlich anzumerken. Schon seit Freitagnachmittag befindet sich der 27-Jährige im italienischen Ivrea. In der kleinen Provinzstadt in der Region Piemont, etwa eine Autostunde nördlich von Turin, finden von Donnerstag bis Sonntag die Europameisterschaften im Kanu-Slalom und im Boater Cross statt.

Hamm - Und dort tritt der Heessener in drei verschiedenen Wettbewerben an, zumindest in zwei mit großen Medaillenchancen. Doch davon will Hengst im Vorfeld nicht reden. „Ich habe einfach großen Bock, wieder richtig zu heizen“, ist er einfach nur heiß darauf, sich nach der langen sportlichen Enthaltsamkeit während der Pandemie-Zeit mit der großen internationalen Konkurrenz im Wasser zu messen. „Man freut sich darauf, alle Leute einfach nur einmal wieder zu sehen. Wir sind doch alle wie eine große Familie, jeder kennt hier jeden.“

Riesenglück bei der nationalen Qualifikation

Die Zitterpartie bei der nationalen Qualifikation von Markkleeberg, bei der er am letzten Tag das Finale verpasste und deshalb tatenlos mit ansehen musste, wie sich die direkten Konkurrenten im Endlauf einen Bock nach dem anderen leisteten, hat er abgehakt. „So etwas möchte ich nicht noch einmal erleben. Vor jedem Starter beim Endlauf habe ich mir ausgerechnet, wie der fahren muss, damit ich in der Gesamtwertung vorn bleibe“, erzählt Hengst. „Dass das am Ende alles so passte, war für mich ein Riesenglück.“

Das ihm schließlich das EM-Ticket einbrachte. Mit mehren Bussen hat sich der gesamte Slalom-Tross des Deutschen Kanu-Verbandes am Wochenende auf den Weg nach Italien gemacht. Immer vier oder fünf Leute in einem Fahrzeug, und alle natürlich mit Maske, wie Hengst versicherte. Auch er musste sich zuvor einem Schnell- und einem PCR-Test unterziehen. Ansonsten hätte er die Reise nicht mit antreten können.

Erste Medaillenchance bereits am Freitag

Der Hammer wird nicht nur im Slalom-Einzelwettbewerb im Kajak an den Start gehen, sondern gemeinsam mit Olympiastarter Hannes Aigner (Augsburg) und Ersatzmann Tim Maxeiner (Wiesbaden) am Freitag auch versuchen, eine Medaille mit der deutschen Mannschaft zu gewinnen. Das DKV-Trio zählt in Ivrea auf jeden Fall zum engsten Favoritenkreis. Schwerer wird es für Hengst im Einzel. Dort muss er erst am Donnerstag die Qualifikation überstehen, um sich für das Halbfinale der besten 30 Fahrer Europas zu qualifizieren. Halbfinale und der Endlauf der besten 15 Herren werden dann am Samstag ausgetragen. An diesem Tag ist Hengst besonders gefordert, denn zudem finden am Nachmittag die Zeitläufe im Boater Cross statt.

Amtierender Weltmeister im Boater Cross

In dieser Disziplin, bei der vier Boote gleichzeitig im Wasser sind und im direkten Duell Mann gegen Mann um die Platzierungen gekämpft wird, ist der Hammer bereits seit 2019 amtierender Weltmeister. Kuriosum am Rande: „Meinen letzten Wettkampf in dieser Sportart habe ich übrigens 2019 bei der WM in Prag bestritten“, bestätigt Hengst. „Als Titelverteidiger rechne ich mir auch diesmal sehr gute Chancen auf eine Medaille aus“, gibt er sich zuversichtlich, was seine Form angeht. „In der vergangenen Woche haben wir auf unserer Trainingsstrecke in Augsburg mit dem Nationalteam noch einen Wettkampf im Boater Cross simuliert. Ich habe mich dabei ganz gut gefühlt“, betont der Heessener, der seit seiner frühesten Kindheit im Boot sitzt. Schließlich betreibt sein Vater Harry in Hamm einen Kanu-Verleih. Doch beim Boater Cross gibt es viele Unwägbarkeiten. In Zeitläufen werden die besten 32 Fahrer ermittelt. Die bestreiten dann im K.o.-System mit jeweils vier Leuten, von denen zwei weiter kommen, die weiteren Runden bis zum Finale. Das zu erreichen, ist Hengsts großes Ziel.

Die Wildwasser-Strecke in Ivrea ist wie viele andere Slalom-Gewässer ein künstlicher Kanal. „Das ist aber keine Strecke nach dem Lego-Baukasten-Prinzip“, berichtet Hengst, „sie besitzt schon einige natürliche Elemente wie große Felsen. Das liegt mir“, meint der 27-Jährige.

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