Fußball

Der Hammer Physio Mehmet Ercan erlebt die Europa League hautnah

Mehmet Ercan vor einer übergroßen Europa-League-Trophäenkopie und dem Kölner Dom.
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Mehmet Ercan vor einer übergroßen Europa-League-Trophäenkopie und dem Kölner Dom.

Mehmet Ercan aus Hamm arbeitet als Physiotherapeut und leitet in seiner Freizeit Fußballspiele bis hoch zur Westfalenliga. Längst hat er Beruf und Hobby auf eine wunderbare Weise verknüpft.

Hamm - Seit acht Jahren betreut Ercan die Unparteiischen bei den Bundesliga-Heimspielen des FC Schalke 04. Und das macht er offenbar nicht schlecht. Denn die Uefa holte Ercan jetzt nach Köln – zur Betreuung der Schiedsrichter-Gespanne, die für das Finalturnier der Europa League in der Corona-Version dort zusammengezogen waren.

„Ich war in einem Hotel mit der Uefa-Delegation und mit den zehn Schiedsrichter-Gespannen aus zehn Nationen. Das war schon ein großes Kaliber“, sagt der 43-Jährige über seine Zeit in Köln, wo er als einziger Physiotherapeut für die gesamte Gruppe zuständig war – so natürlich auch für das Gespann um den Niederländer Danny Makkelie, das das Finale zwischen dem FC Sevilla und Inter Mailand (3:2) geleitet hat.

Auch den CL-Schiedsrichter betreut

„Und den Schiedsrichter des Champions League-Finales zwischen Bayern und Paris, Daniele Orsato aus Italien, habe ich ebenfalls in Köln behandeln dürfen, bevor er dann mit seinem Gespann nach Lissabon geflogen ist“, berichtet der Hammer. Orsato hatte zuvor in Duisburg noch einen Einsatz im EL-Viertelfinalspiel Wolverhampton gegen Sevilla.

„Mit ins Stadion durfte ich leider nicht, das war von der Uefa sehr klar geregelt. Wenn dann etwas passiert wäre, hätten sich die Mannschaftsärzte um die Schiedsrichter kümmern müssen“, erzählt Ercan, und: „Meine Aufgabe war es, sie vorher für das Spiel fit zu machen. Ich habe nach der langen Anreise, die sie hatten, Blockaden gelöst, habe sie von der Statik her wieder ausgeglichen oder ihre Schmerzen behandelt.“

In seinem Beruf hat Ercan sich auf Schmerzpatienten und Sportler spezialisiert, arbeitet drei Tage pro Woche in einer Praxis in Lüdinghausen und ansonsten für Schalke, den DFB oder seine Landesverbände. Und eben über diese Kontakte bekam er auch die Anfrage für das Finalturnier der Europa League.

Nach dem Finale wurde gefeiert

Auch wenn er Spiele nicht vor Ort verfolgen durfte, er viermal (negativ) auf Corona getestet wurde und mit der gesamten Delegation auf einer kompletten Etage des Hyatt-Hotels abgeschottet leben musste, bewertet Ercan die Tage von Köln als ein tolles Erlebnis. „Wir haben nach dem Finale bis morgens um Vier noch zusammengesessen und gefeiert, nachdem die Anspannung bei allen Schiris weg war“, berichtet Ercan, der mit Legenden wie dem Schotten Hugh Dallas, der als Uefa-Beobachter dabei war, zusammengearbeitet hat.

Besondere Freude bereitete ihm auch das Treffen mit den deutschen Unparteiischen wie Bastian Dankert oder Dr. Felix Brych. „Es ist über die Jahre ein gutes Verhältnis geworden“, sagt der Hammer, der für den SV Stockum pfeift und sich natürlich darüber gefreut hat, dass alle Gespanne ihre Euro-League-Einsätze – auch dank seiner Arbeit – ohne Probleme absolviert haben.

Kein Einsatz im Schiedsrichter-Gespann möglich

So glatt läuft es bei seiner regelmäßigen Arbeit für den FC Schalke 04 nicht immer. „Ich hatte schon drei Einsätze, bei denen sich Schiris im Verlauf des Spiels von mir behandeln lassen mussten“, sagt Ercan und nennt als Beispiel eine von Manuel Gräfe geleitete Partie von Königsblau gegen Bayern München. „Er hatte sich bereits während der ersten Halbzeit verletzt und ich musste ihn dann und auch in der Kabine behandeln“, berichtet Ercan, der aber keine Chance bekommen hätte, als Schiedsrichter für einen verletzten Kollegen ins Gespann zu rutschen: „Ich habe zu Manuel Gräfe noch gesagt: Wenn hier jetzt kein vierter Offizieller sein würde, hätte ich gesagt: Du kannst nicht mehr weitermachen. Einmal die Chance haben, in der Bundesliga an der Linie zu stehen...“

Aber auch so ist jede Bundesliga-Partie für den Physio ein Erlebnis, denn: „Ich sitze in der Arena während des Spiels etwa eineinhalb Meter von der Gästebank entfernt. Da kriegt man alle Infos aus erster Hand mit, auch das Coaching und natürlich auch, wenn sich die beiden Bänke in die Wolle kriegen.“

Ercans Traum ist die EM 2021

Zum FC Schalke 04 ist Mehmet Ercan einst über die Anfrage eines Dozenten gekommen, der für den niedersächsischen Fußballverband tätig war. Und dort, beim NFV, hatte ihn der Alltag als Physio schnell wieder. Von Montag bis Mittwoch betreute er eine Auswahl von U18-Juniorinnen während eines Lehrgangs in der geschichtsträchtigen Sportschule Barsinghausen. Gestern Nachmittag war dann der Wunsch groß, wieder ins geregeltere Leben eintauchen zu dürfen, denn: „Ich habe schließlich drei Töchter, die haben mich länger nicht gesehen.“

Bis zum Start der Bundesliga-Saison 20/21 ist es auch nicht mehr weit. Der erste Einsatz in der Arena wird am 26. September im Abendspiel gegen den SV Werder Bremen sein. Und einen Traum hat Ercan, der als Honorarphysio auch die eine oder andere DFB-Maßnahme begleitet, auch noch: „Nächstes Jahr, da ist die Euro. Das wäre eine ganz große Geschichte...“

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