Vom Fernseher unter die besten Deutschen

Hammer träumt von Dartkarriere

Fasziniert vom Spiel mit den Pfeilen ist der Hammer Jens Dieckmann, der durch eine Fernseh-Übertragung auf den Dart-Sport aufmerksam wurde.
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Fasziniert vom Spiel mit den Pfeilen ist der Hammer Jens Dieckmann, der durch eine Fernseh-Übertragung auf den Dart-Sport aufmerksam wurde.

2019 sah Jens Dieckmann die Dart-WM im TV – und war von dem Sport fasziniert. Dann las er einen Artikel über den Dartverein 1. DC Garfield Hamm und ging einfach mal zum Training. Nun träumt der Chemikant im Bayer-Werk Bergkamen von einer Karriere als Dartprofi.

Hamm – Angst um seinen Angestellten müsse sich der Konzern aber nicht machen, sagt Jens Dieckmann lachend. Zum einen dauere es, bis man in die Profiliga aufsteige, zum anderen könne man mit Dart nicht mal annähernd so viel Geld verdienen wie mit Fußball. „Wenn ich Schicht habe, muss das Training halt ausfallen.“

Doch da der 26-Jährige im Verein nahezu täglich trainieren kann und an den Wochenenden gerne zu Wettkämpfen fährt, ist die dartlose Zeit meist kurz. Zumal auch der 1. DC Garfield Hamm jeden Mittwoch ein FTS-Turnier ausrichtet. Natürlich hängt aber auch Zuhause eine Scheibe – ganz klassisch aus Kork. Geworfen wird mit Metallpfeilen. Auf Elektronik setzt Dieckmann beim Dart nicht.

Kopfrechnen hilft

Bei dem Spiel geht es nicht nur darum, mit Pfeilen auf die Zielscheibe zu werfen und diese irgendwo zu treffen, tatsächlich muss mit drei Treffern von 301 oder 501 möglichst weit heruntergezählt werden können. Im Idealfall bis Null. „Da ist rechnen angesagt“, sagt Dieckmann, denn den einen Weg gibt es nicht – und die unterschiedlichen Felder bringen unterschiedliche Punkte.

Bestzahl bringt daher nicht das sogenannte „Bull‘s Eye“ in der Mitte, das 50 zählt. Der schmale Streifen im inneren Ring, die „Triple 20“, ist es, die einen Dartprofi reizt. „Dreimal 20 ist halt mehr als 50“, sagt Dieckmann trocken. „Aber jeder bevorzugt andere Felder.“ Und trifft man mal nicht wie gewollt, muss ohnehin neu gerechnet werden, um den direkten Gegner besiegen zu können.

Auf den Pfeil kommt es an

Dieckmanns Zielgenauigkeit kann sich durchaus sehen lassen. „Was die Technik angeht, muss jeder selbst gucken, wie er am besten trifft“, sagt der Dart-Fan. Oft sei es auch eine Frage des Darts. Denn Pfeil ist bei weitem nicht Pfeil. „Der Standardpfeil wiegt zwischen 21 und 24 Gramm – aber es gibt auch welche mit zwölf oder 30 Gramm“, erläutert er. Auch die Form des Griffs könne einen Unterschied machen, vor allem aber die Länge des Darts. „Da gibt es tausend Möglichkeiten und Varian-ten, wie man seinen Dart zusammenstellt – und innerhalb der Bestimmungen ist jeder wettkampftauglich.“

Jens Dieckmann spielt mit den gleichen Darts wie Champion Max Hopp. Der derzeit zweitbeste deutsche Spieler ist durchaus sein Idol. „Profi zu werden ist schon ein Traum“, sagt Dieckmann. Ein wenig ist das aber auch wie der Traum von Olympia. „Ob es klappt, weiß man nicht.“ Zumindest stehen aber die Chancen nicht schlecht, denn die Zulassung zum Profi-Staus erfolgt über Ranglistenturniere. Unter die Top 16 Deutschlands zu kommen – das ist das erste große Ziel, das Dieckmann mittelfristig anstrebt. „Dann qualifiziert man sich für die deutsche Nationalmannschaft.“

Ziel sind die Top 50 - als erster Schritt

Nach seiner ersten Saison, die coronabedingt die bislang einzige war, lag Dieckmann auf Platz 143 – von über 800 Spielern. Dieckmann sieht deutlich Luft nach oben, wenn im September die neue Saison starten wird. „Mein Ziel sind erstmal die Top 100, dann die Top 50“, will er es also durchaus erst mal behutsam angehen lassen, um nicht an den eigenen Erwartungen zu scheitern. Kommt es besser als erwartet, will er sich aber auch nicht beschweren.

Um aber vom Dart-Spiel leben zu können, müsse man unter die Top 64 der Welt kommen. „Und dann muss man Fernsehturniere spielen, wo es um große Preisgelder geht“, weiß Dieckmann. Die gibt es mindestens jedes zweite Wochenende in England. „Dafür müsste man dann wirklich fast den Job aufgeben“, sagt Dieckmann nachdenklich.

Doch nach zwei Jahren würden dort die Karten neu gemischt. „Und dann steht man eventuell vor dem Nichts. Das ist ohne Sponsoren zu riskant und eigentlich nicht möglich“, bleibt der Dart-Enthusiast realistisch. So haben andere Turniere für ihn ihren Reiz. In Kalkar wird im April 2022 ein Amateur- und Profi-Turnier ausgetragen – der Tagessieger des Amateurturniers ist automatisch für den Profi-Wettkampf qualifiziert. Dies zu schaffen, das fände Dieckmann schon „cool“. Dann wäre auch der Schritt zu internationalen Turnieren nicht mehr so groß.

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