Fußball

Dennis Buschening: So erlebt der Hammer die Coronakrise in Malaysia

Das Trikot des SV Westfalia Rhynern trug Dennis Buschening in der Saison 2017/18.
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Das Trikot des SV Westfalia Rhynern trug Dennis Buschening in der Saison 2017/18.

Seit Anfang des Jahres lebt Dennis Buschening am anderen Ende der Welt. Genauer gesagt in Kota Kinabalu, der Hauptstadt des malaysischen Bundesstaates Sabah, der im nördlichen Teil der Insel Borneo liegt.

Hamm - 10 713 Kilometer ist sein aktueller Wohnort von Hamm entfernt, wo der mittlerweile 29-Jährige aufgewachsen ist und mit dem Fußballspielen begann. Und dennoch hat der frühere Kicker des SV Westfalia Rhynern und der Hammer SpVg mit den gleichen Problemen und Sorgen zu kämpfen wie derzeit alle Menschen in Deutschland oder Europa. 

„Wir haben hier seit dem 18. März den Lockdown”, sagt Buschening, der als Profifußballer in Fernost seinen Lebensunterhalt verdient. „Wir hatten eine Ausgangssperre, durften nur zum Einkaufen raus. Seit drei Wochen ist das aber wieder gelockert worden. Wir müssen auch eine Maske tragen und auf den Abstand achten, aber wir können wieder spazierengehen.”

In der vergangenen Saison hatte er noch in der thailändischen 1. Liga das Trikot von Chainat FC getragen. Doch anschließend hatte er Lust auf etwas Neues. „Es hat mich gereizt, mal woanders als in Thailand zu spielen. Als dann das Angebot aus Malaysia von Sabah FA kam, habe ich das sofort angenommen. Die Liga ist gut, hat so ungefähr das Niveau von der 3. Liga und den Topteams der Regionalliga. Und die Bezahlung ist auch okay”, sagt Buschening, der im Januar mit seiner Freundin Janna Lange und der gemeinsamen eineinhalb Jahre alten Tochter Liora an die Küstenstadt, die teilweise von einem Regenwald umschlossen ist, umsiedelte – ein Schritt, den er bislang keinen Moment bereut hat: „Das Team ist super, alles ist recht locker. Und die Gegend hier ist auch klasse. Mit dem Boot haben wir schon mal eine Art Inselhopping gemacht. Und wir sind den über 4000 Meter hohen Berg Kinabalu bis auf eine Höhe von ungefähr 2000 Meter hochgewandert. Dort war es mit 20 Grad angenehm kühl.”

Sportlich läuft es gut

Auf Meereshöhe betragen die Temperaturen sonst oft über 30 Grad. Daher ist Buschening auch froh, in einer Wohnung in einem Kondo zu wohnen. Denn dadurch gehören zu dem Wohnkomplex ein Supermarkt, ein Cafe, ein Fitness-Studio und auch ein Swimming-Pool zum Abkühlen. „Wir fühlen uns sehr wohl und sind zufrieden”, meint er.

Auch sportlich lief es für Buschening, der bei seinem neuen Klub als Linksaußen eingesetzt wird, durchaus gut. Während der Vorbereitung auf die Saison absolvierte er mit seinem neuen Team in Indonesien und auf den Philippinen Freundschaftsspiele vor 7000 Zuschauern. „Das war natürlich cool. Aber auch hart, denn wir waren alle zwei, drei Tage im Einsatz”, erinnnert er sich an seine Anfangszeit in Malaysia.

Dennoch hatte er seinen Coach Kurniawan Yulianto überzeugt, der beorderte den Hammer sofort für das erste Saisonspiel in der Super League gegen Perak DRM FA in die Anfangsformation. „Wir haben ein 0:0 erreicht und recht gut gespielt. Aber unser Management war offensichtlich nicht zufrieden. Es wurde einer der ausländischen Spieler danach direkt wieder nach Hause geschickt”, sagt Buschening, dessen Vater ein Deutscher und dessen Mutter eine Thailänderin ist. „Das ist echt hart hier. Und ich muss aufpassen. Denn ich bin in Malaysia ja auch ein Ausländer.”

Zwei Partien angeschlagen verpasst

Es folgten ein Sieg, eine Niederlage und ein starkes 2:2-Unentschieden am 14. März gegen den aktuellen Tabellenführer Perak TBG. „Ich hatte nach dem ersten Spiel leider Oberschenkelprobleme und musste zwei Partien aussetzen. Ein Tor habe ich noch nicht geschossen, aber zumindest schon mal einen Treffer vorbereitet”, sagt Buschening, der in der Saison 2010/11 sowie in der Rückserie der Regionalliga-Spielzeit 2017/18 für den SV Westfalia und in der Hinrunde der Saison 2012/13 im Dress der HSV auflief.

Nach der Partie gegen den Spitzenreiter wurde in Malaysia aber genauso wie in fast allen Ländern dieser Welt am 18. März die Saison wegen des Coronavirus unterbrochen. Wie es weitergeht, weiß Buschening nicht. Bislang gibt es nur Gerüchte, nach denen in dieser Saison lediglich die Hinrunde ausgetragen wird, ehe anschließend noch der malaysische Pokal ausgespielt wird.

Auch wenn die Regelungen inzwischen wieder gelockert wurden, ein Training mit der Mannschaft ist weiterhin nicht möglich. Daher hält sich der Offensivspieler individuell fit. So trainiert er zum Beispiel im heimischen Fitnessraum oder rennt in einem Parkhaus die Treppchen hinauf und wieder hinunter – auch wenn ihm das nicht annähernd so viel Spaß macht wie die sonst täglich auf dem Programm stehenden Übungseinheiten mit seinen Teamkollegen. „Es muss sein, man gammelt schon viel zu viel zuhause herum. Wir fiebern natürlich alle dem Moment entgegen, wenn wir wieder auf den Platz dürfen. Das vermisse ich schon sehr”, sagt Buschening, der in Sabah einen Vertrag für eine Saison unterzeichnet hat.

Enger Kontakt nach Hamm

Zu seiner Heimatstadt hält er weiter engen Kontakt. Denn seine Mutter wohnt weiterhin im Hammer Westen. Zudem informiert er sich auch immer über das sportliche Geschehen bei seinen früheren Vereinen. „Ich lese regelmäßig online den Westfälischen Anzeiger. Und zuletzt habe ich mich auch mit David Loheider, der ja bis zur Winterpause für die HSV gespielt hat, ausgetauscht”, verrät er.

Trotz seiner familiären Bindung sieht er seine Zukunft nicht in Hamm, sondern möchte gerne nach dem Ende seiner Fußball-Karriere in Thailand leben. „Ich würde mir da gerne beruflich etwas aufbauen. Aber wir müssen auch schauen, wie das mit unserer Tochter klappt. Wenn es so weit ist, werden wir das abwägen”, betont Buschening.

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