Fußball-Oberliga

Das denkt Joachim Krug über die Chancen der Hammer SpVg

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Für Joachim Krug, hier auf der Tribüne bei einem Hammer Heimspiel, ist die HSV das beste Team der Oberliga.

Von 2005 bis 2009 war Joachim Krug als Sportlicher Leiter bei der Hammer SpVg aktiv. Den gleichen Job bekleidet der mittlerweile 62-Jährige nun seit einigen Jahren beim HSV-Ligakonkurrenten RW Ahlen.

Hamm - Welche Chancen Krug den Hammern im Aufstiegsrennen zutraut und wie gering die Möglichkeiten der Ahlener sind, am Mittwochabend (19 Uhr) im Nachholspiel ein Stolperstein für die HSV zu sein, verrät er im Interview.

Herr Krug, spannender als in dieser Saison kann der Kampf um den Aufstieg in der Fußball-Oberliga kaum sein. Noch fünf Teams machen sich Hoffnungen auf den Sprung in die Regionalliga. Wie verfolgen Sie dieses Rennen?

Joachim Krug: Wenn ich ehrlich bin, dann muss ich sagen, dass mich das überhaupt nicht interessiert. Ich gucke vornehmlich auf uns. Und für uns lief die Saison alles andere als gut. Sportlich sind wir derzeit nicht in der Lage, etwas Besseres abzuliefern. Daher bin ich derzeit vornehmlich damit beschäftigt, zu schauen, was wir besser machen können und wie wir uns aufstellen können, damit wir wieder mehr Erfolg haben. Für uns war die Saison nach den ersten fünf Spieltagen schon gegessen, da hatten wir nur einen Punkt. Wir sind daher froh, wenn diese Spielzeit abgeblasen wird.

Weitaus besser läuft es dagegen bei Ihrem früheren Klub, bei dem Sie damals in der Verbandsliga eingestiegen sind und fast in die Regionalliga geführt hätten. Was macht die HSV derzeit alles richtig?

Krug: Die Hammer wollten ja schon immer hoch. Ich denke, es liegt derzeit daran, dass die HSVer das erste Mal seit Jahren ein vernünftiges Trainergespann haben. Sven Hozjak und Alexander Lüggert machen alles richtig. Die guten Ergebnisse und der Erfolg kommen nicht zufällig. In der Vergangenheit gab es auch oft bei den Transfers Fehlgriffe, auch wenn es mir nicht zusteht, das zu beurteilen. Aber die beiden Trainer machen einen richtig guten Job und haben eine klasse Mannschaft zusammengestellt. Für mich ist die HSV das best besetzte Team der Liga. Ich verstehe zwar nicht so ganz, warum die Hammer nicht schon oben stehen, aber sie haben ja noch alle Möglichkeiten, das zu schaffen. Dem Trainerduo und der Mannschaft würde ich den Sprung in die Regionalliga jedenfalls gönnen.

Sie waren lange bei der HSV involviert, haben es aber nicht geschafft, das Team aus der NRW-Liga in die Regionalliga zu führen. Warum hat es früher nicht geklappt?

Krug: Die Hammer SpVg war schon immer ein heißes Pflaster. Das weiß ich selbst nur zu gut aus meiner Zeit als Oberliga-Spieler. Als ich dann als Sportlicher Leiter kam, haben wir es geschafft, das Team aus der Verbands- in die Oberliga zu führen, uns für die NRW-Liga zu qualifizieren und haben als Sechster nur knapp die ersten vier Plätze verpasst, die zum Sprung in die Regionalliga gereicht hatten. Aber zu meiner Zeit hatte die HSV ein Strukturproblem. Es war immer schwer, alle verantwortlichen Leute mit ins Boot zu nehmen. Aber ich denke, jetzt ist die große Chance da. Ein Regionalliga-taugliches Stadion ist bereits vorhanden. Und die Mannschaft ist auch erfahren genug, um in der Regionalliga zu bestehen. Es müssen nicht allzu viele neue Spieler geholt werden. Wir haben es ja in Ahlen gezeigt, dass man auch mit einem Etat von 200 000 Euro die Klasse halten kann. Ich traue es der HSV jedenfalls zu, in der Regionalliga eine bessere Rolle zu spielen als Rhynern und sich da zu halten. Für die Stadt Hamm ist ein Regionallia-Team schon eine gute Sache, dieser Regionalligist muss dann aber in dieser Liga auch mitspielen können.

Sie sprachen gerade den Ahlener Etat an. Der Verein ist seit dem vergangenen Jahr raus aus der Insolvenz. Wird es bei RW in finanzieller Hinsicht und damit auch sportlich wieder bergauf gehen?

Krug: Durch das Ende der Insolvenz ist unser Handlungsspielraum zwar wieder größer geworden, aber nicht die finanzelle Lage. Wir haben weiter nur einen bescheidenen Etat. Für die Oberliga sind wir damit recht gut aufgestellt. Aber es stellt sich die Frage, was wir damit erreichen können und ob wir wieder in der Oberliga oben angreifen können. Denn man muss meiner Meinung nach in Ahlen langfristig aus dieser Liga raus. Da will kein Zuschauer ein Spiel gegen Brünninghausen oder Kaan-Marienborn sehen. Es muss entweder wieder hoch in die Regionalliga gehen oder man zieht sich zurück in die Landesliga und macht das alles auf kleiner Flamme. Aber Fakt ist: Die Oberliga interessiert hier keinen, die Oberliga ist in Ahlen nicht darstellbar.

Das heißt, der Fokus ist bei Ihnen komplett auf die neue Saison gerichtet, um zu schauen, was dann geht. Das Nachholspiel bei der HSV am Mittwoch hat für Sie keinen hohen Stellenwert?

Krug: Für uns geht es darum, die laufende Saison noch irgendwie abzuwickeln. In Ennepetal am Sonntag hatten wir bei unserer 1:2-Niederlage zum Beispiel nur zwei Stammspieler auf dem Platz. Der Rest waren Jungs aus der Jugend oder Akteure, die sonst eher hinten dran standen. Uns fehlen derzeit mindestens zehn verletzte Stammspieler. Daher werden wir am Mittwoch die HSV nicht aufhalten können. Klar darf man so ein Spiel nicht abschenken, aber wir haben nullkommanull Chance.

Rechnen sie sich dafür bessere Chancen als Buchautor aus? Sie haben mit „Schwarzer Drache“ und „Roter Teufel“ in den vergangenen zwei Jahren zwei Krimis veröffentlicht. Wie kam es zu dieser Karriere neben ihrem Job im Fußball?

Krug: Ich habe schon immer viel gelesen, am liebsten Krimis. Nach meinem Engagement bei RB Leipzig hatte ich ein wenig Zeit, da hatte ich ein Jahr Urlaub. Das Fernsehprogramm hing mir irgendwann zum Hals raus, so dass ich mich abends hingesessen und zu schreiben angefangen habe. 2012 hatte ich dann das erste Buch fertig, wobei ich das wirklich nur für mich gemacht habe. Ein Freund von mir hatte das dann gelesen und meinte, dass man das veröffentlichen müsse. Das ist dann 2016 passiert, allerdings in Eigenregie. Und ohne dass wir das Buch beworben haben, sind davon 2500 Exemplare verkauft worden. Ich finde, das ist eine beachtliche Zahl. Danach habe ich das zweite Buch geschrieben, und jetzt ist bereits das dritte Werk mit Kommissar Jan Krüger in der Pipeline. Das werden keine Bestseller, aber das macht mir Spaß.

Hozjak warnt vor der Derby-Brisanz

Drei Partien stehen für die Hammer SpVg in der Fußball-Oberliga noch aus – drei Endspiele. Denn klar ist: Jeder Punktverlust bedeutet das Aus der Aufstiegsträume der Mannschaft. Entsprechend fokussiert zeigt sich Sven Hozjak vor der Nachholbegegnung seines Teams am Mittwochabend gegen den Liga-14. Rot Weiss Ahlen (19 Uhr/Evora Arena). „Wir tun gut daran, ein Spiel wie dieses sehr ernst zu nehmen“, sagt der HSV-Trainer und warnt davor, voreilige Schlüsse aus der Tabellensituation zu ziehen. „Jedes Derby ist mit einer gewissen Brisanz behaftet und hat etwas Besonderes. Natürlich wollen wir es für uns entscheiden, aber es wird nicht so einfach, wie am vergangenen Sonntag.“ Das 9:0, mit dem die Hammer über den DSC Arminia Bielefeld II hinweggefegt sind, birgt zwei positive Aspekte, die der HSV im Saisonendspurt zugute kommen können. Zum einen ist das Selbstvertrauen durch den Kantersieg enorm gestiegen, und zum anderen weist das Hozjak-Team nun die beste Tordifferenz aller fünf verbliebenen Aufstiegskandidaten auf – was am Ende in der Frage nach den Regionalliga-Aufsteigern entscheidend werden könnte.

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