Das neue Wassersportzentrum in Hamm

Schwitzen mit traumhafter Aussicht

Ein Schmuckstück: Das neue Wassersportzentrum in Hamm.
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Ein Schmuckstück: Das neue Wassersportzentrum in Hamm.

In einer der beiden geräumigen Bootshallen sprühen die Funken: Zwei Handwerker erledigen mit einem Winkelschleifer im Untergeschoss des neuen Hammer Wassersportzentrums neben dem Hammonense-Gymnasium die letzten Arbeiten. Das Minifeuerwerk kommt ein bisschen spät – die Einweihung der schmucken neuen Heimat für die Vereine des Kanu-Rings Hamm hat schließlich bereits am 25. November stattgefunden. Doch coronabedingt wartet der 2,1 Millionen Euro teure Neubau noch immer darauf, mit Leben gefüllt zu werden.

Hamm – „Da im Moment nur die Kadersportler hier trainieren dürfen, ist der Umzug noch nicht abgeschlossen“, sagt Björn Hilbk, hauptamtlicher Trainer am Landesleistungsstützpunkt in Hamm. „Die Kadersportler freuen sich natürlich, dass sie das hier jetzt nutzen können. Aber auch für sie ist es noch nicht normal. Es gibt weiter Einschränkungen. Und wir freuen uns, wenn wir mit allen Aktiven zusammen etwas machen können.“

Nicht alle Utensilien haben im neuen Bau bereits einen festen Platz gefunden. Neben den Rennbooten, die in der ersten Halle untergebracht sind und denen aus dem Wanderbereich, einem Drachenboot und Stand-up-Paddelings in Halle zwei ist noch genug Platz für weitere. Muss es auch. Denn die Wanderabteilung des TuS 59 ist noch gar nicht umgezogen. „Wir haben hier noch viel Platz“, sagt Hilbk. „Aber ich hoffe, dass wir die zahlreichen Kinder in den unteren Altersklassen weiter halten können – dann werden wir den Platz definitiv brauchen.“

Der Umzug ist für Kanu-Ring-Pressewart Martin Runde und die Vereinsmitglieder noch nicht ganz vollzogen.

Bisher braucht er sich da keine Sorgen zu machen. „Wir haben im vergangenen Jahr und bisher in diesem keine coronabedingte Kündigung bekommen“, versichert Sabine Matzka, Vorsitzende des Kanu-Rings. „Wir haben einen relativ großen Nachwuchsbereich mit mehr als 50 Kindern ab den C-Schülern – insgesamt sind es knapp 100. Und unser Trainerteam um Christian Gleinert ist da sehr aktiv im Nachwuchsbereich.“

Mit kleinen Challenges werden die Kinder fit und bei Laune gehalten. Da gibt es Online-Sportstunden, in denen sich der Nachwuchs messen muss. Sogar ein Wettkampf gegen andere Vereine wurde ins Leben gerufen. Gegen den Neusser Kanu-Club, Ruwer-Essen-Dellwig, KSC Lünen und die SG Holzheim wird am 13. Februar ein Online-Fünfkampf stattfinden. „Unsere Sportler mit den intern besten Ergebnissen treten in verschiedenen Altersklassen gegen die anderern Vereine an“, sagt Matzka „Die Kinder und ihre Eltern sind da zuhause schon sehr kreativ gewesen, um die Disziplinen wie Stand-Weitsprung, Zehn-Meter-Sprint oder Halten im Hang ausführen zu können.“ Gerade für letztere Disziplin sind Konstruktionen mit Leiter und Besenstiel gern genommen.

Stützpunkttrainer Björn Hilbk freut sich über den neuen Kraftraum.

Improvisieren muss Stützpunkttrainer Hilbk nicht mehr, findet er doch fast perfekte Bedingungen im Wassersportzentrum vor. „Der Kraftraum ist ungefähr dreimal so groß wie der, den wir oben in der Turnhalle am Hammonense-Gymnasium hatten. Der kleine im Verein war gar nicht der Rede wert“, sagt er. „Diese Bedingungen sind jetzt wirklich super. Mehr brauche ich gar nicht. Außerdem haben wir zusätzlich noch einen Gymnastikraum – so etwas gab es vorher gar nicht.“

Training auf dem Paddel-Ergometer

Der befindet sich im Obergeschoss. Hier ist schwitzen mit traumhafter Aussicht möglich: Während des Trainings auf dem Paddel-Ergometer bietet sich der Ausblick durch die großflächigen, bodentiefen Fenster auf den Kanal. Im rechten Augenwinkel reihen sich noch die alten Bootshäuser aneinander, die in naher Zukunft abgerissen werden sollen.

Direkt neben dem Gymnastikraum befindet sich ein geräumiges Büro für das vielköpfige Trainerteam des Kanu-Rings. Außerdem wurde auf dieser Etage ein großer Sozialraum mit eingebauter Küche und zahlreichen Sitzgelegenheiten eingerichtet. Hier wird das Vereinsleben außerhalb des Sports stattfinden. Direkt daneben gibt es zusätzlich einen kleineren Jugendraum mit Fernseher und Kicker. „Da hat der Nachwuchs die Möglichkeit, sich zurückzuziehen“, erklärt Martin Runde, Pressewart des Kanu-Rings.

Im Erdgeschoss befindet sich die Gastronomie, die dafür sorgen soll, dass später einmal ein reger Publikumsverkehr an der Kanalkante stattfindet. „Wer da die Bewirtung übernehmen wird, wissen wir aber nicht“, sagt Runde. „Wir als Kanu-Ring sind ja nur Pächter der Bootshallen und des oberen Stockwerks.“

Viel Platz bieten die Bootshallen des neuen Wassersportzentrums.

Vorerst werden wohl die neun Kanuten aus dem Hammer Leistungskader beim täglichen Training unter sich bleiben. Die üblichen Frühjahrs-Lehrgänge in Amerika sind bereits abgesagt. Stattdessen geht es für die Sportler, die im Bundes- und Landeskader paddeln, für zwei Wochen nach Duisburg (27. Februar bis 9. März). Dann werden auch Kim Runde (16) und Caroline Fink (16) dabei sein, die vor einem Jahr ins Sportinternat nach Essen gewechselt sind, aber immer noch zur Kanu-Ring-Gruppe gehören.

Wettkämpfe auf dem Wasser soll es auch bald wieder geben. Die erste Rangliste für die Nationalmannschaftsqualifikation ist Ostern in Duisburg geplant, zwei Wochen danach die zweite. „Ich habe die Hoffnung, dass das stattfindet, weil da ein kleiner Personenkreis startet“, sagt Hilbk. „Und die Rangliste ist für den deutschen Kanuverband sehr wichtig. Weil da die Plätze für Tokio ausgefahren werden – auch wenn wir da nichts mit zu tun haben. Aber das ist die gleiche Veranstaltung.“ Dass die Frühjahrs-Regatta am letzten April-Wochenende in Essen stattfinden kann, sieht der Trainer dagegen eher skeptisch, „weil die normal mit internationaler Besetzung ist“. Es würde ja im ersten Schritt schon reichen, wenn das schmucke Wassersportzentrum in Hamm endlich genutzt werden darf.

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