Interview

Darum freut sich ASV-Trainer Kay Rothenpieler auf die neue Saison 

+
Kay Rothenpieler

Knapp sechs Wochen Vorbereitung liegen hinter Handball-Zweitligist ASV Hamm-Westfalen. Mit der Partie am Sonntag bei Erstliga-Absteiger SG BBM Bietigheim (17 Uhr) wartet gleich am ersten Spieltag eine Herkules-Aufgabe auf das Team von Kay Rothenpieler. Günter Thomas sprach nach dem Einzug ins Pokal-Achtelfinale mit dem Trainer über die Vorbereitung und die Rolle, die er der Mannschaft in der neuen Saison zutraut.

Die Vorbereitung geht mit der Partie bei der SG BBM Bietigheim zuende. Sind Sie bereit für die Saison?

Die Vorbereitung war ja ziemlich durchwachsen. Sicher sind wir schon weiter als wir im vergangenen Jahr zu diesem Zeitpunkt waren, zumal wir nicht so viele neue Leute einbauen mussten. Das Problem war aber, dass wir kaum komplett trainiert haben, weil immer wieder Spieler ausgefallen sind durch kleinere Verletzungen. Jan Brosch hatte Rückenschmerzen, Fabian Huesmann Pech, dass er mit dem Finger an einem Trikot hängen geblieben ist. Jetzt fallen Jakob Schwabe und Oliver Milde aus. Ein ordentliches mannschaftstaktisches Training war da nicht machbar.

Sie haben mit Ivar Stavast sowie Merten Krings und Marten Franke vom TV Emsdetten nur drei Neuzugänge in das Team einbauen müssen. Wie gut ist das gelungen?

Marten und Merten hatten wenig Probleme. Für sie war es eine neue Mannschaft, in der sie sich einordnen, abschätzen müssen, welche Rolle sie haben. Das haben sie schnell herausgefunden. Marten ist die Nummer eins auf Rechtsaußen. Er hat es da sicherlich ein bisschen leichter. Merten soll ein Führungsspieler sein, das wird er auch. Aber Sören Südmeier hat auf Rückraum Mitte schon eine Rolle, die er behalten soll. Trotzdem gab es für beide neue Abläufe. Wir spielen unsere Deckung etwas anders als sie es vorher gemacht haben, mit offensiveren Halben. Daran musste sich Merten erst einmal gewöhnen. Diese Prozesse wurden von Woche zu Woche besser. Irgendwann hat man dann gemerkt, dass Merten seine Rolle neben „Südi“ als emotionaler Leader findet. Dafür haben wir ihn geholt.

Und Ivar Stavast?

Ivar ist ein junger Spieler aus Holland, das ja nicht als Handball-Macht bekannt ist. Für ihn war es anfangs leichter, weil er sich nicht so viele Gedanken gemacht und einfach gespielt hat. Im Laufe der Vorbereitung ist er durch die Intensität des Trainings und die anspruchsvolle Taktik irgendwann in ein Loch gefallen. Am Pokalwochenende hat er sehr gute Sachen gemacht. Gegen Minden ist der Knoten bei ihm geplatzt. Das wird Selbstvertrauen geben. Er spielt gut mit dem Kreis, hat ein Auge für die Mitspieler – mit ihm können wir ein bisschen schneller agieren.

Die Ergebnisse der Vorbereitung sind durchweg positiv gewesen. Welche Erkenntnisse haben Ihnen diese Spiele gebracht?

In erster Linie hat sich herauskristallisiert, dass wir nur über Teamspirit erfolgreich sein können. Wir haben nicht den überragenden Mann in der 2. Liga, wie wir es mal mit Chen Pomeranz oder Tomas Mrkva hatten. Wir sind gut, wenn jeder seine Rolle ausfüllt und wir eine gewisse Leidenschaft an den Tag legen. Dann haben wir eine sehr hohe Qualität und können jeden schlagen. Wenn dann noch der eine oder andere über sich hinaus wächst, sind wir richtig gut. Das war gegen Burgdorf so, gegen Aalborg so – und im Pokal gegen Minden. Wenn das nicht so ist, fehlen die dominanten Akteure, die den Unterschied machen.

Ist nicht ein Merten Krings jemand, der ein Spiel entscheiden kann.

100-prozentig. Deswegen haben wir ihn ja verpflichtet. Das hat man gegen Aalborg gesehen, dass er ein emotionaler Leader ist, der Mannschaft, Umfeld und Publikum mitreißen kann. A durch seine Aktionen und B vielleicht auch durch seine Provokationen, die er ja mal dabei hat. Ab und zu überdreht er aber etwas, und dann kann so eine Situation nach hinten losgehen, indem der Spielfluss ein bisschen fehlt oder dass das Spiel nur auf Krings ausgelegt wird. Wie im vergangenen Jahr, als du bei Emsdetten wusstest, wenn er einen schlechten Tag hat, hat die Mannschaft verloren. Da dürfen wir nicht hinkommen. Wir müssen eine gute Teamleistung haben plus X – plus Krings, ab und zu. Dann glaube ich, dass wir sehr erfolgreich sein können.

Welche Spieler sind aus Ihrer Sicht die Gewinner dieser Vorbereitung?

Insgesamt sind wir als Mannschaft reifer geworden, auch was das Zusammenspiel zwischen Abwehr und Torwart angeht. Durch Merten sind wir generell unberechenbarer geworden. Das hat uns ein Stück nach vorne gebracht. Auch Stefan Lex hat momentan eine sehr gute Körpersprache, der weiß, dass er ein Führungsspieler ist. Und Jan Brosch kommt immer mehr, wenn sein Rücken hält. Wenn er fit ist, ist er natürlich eine Waffe. Auch Jakob Schwabe ist als Kapitän nochmal reifer geworden. Er ist mein verlängerter Arm zur Mannschaft.

In der Rückrunde der vergangenen Serie hatte der ASV nur sechs Minuspunkte auf dem Konto – 22 in der Vorrunde. Für die Konkurrenz macht Sie das zu einem Mitfavoriten. Wie gehen Sie damit um?

Ich glaube, dass wir uns eher an die Rolle gewöhnen als im vergangenen Jahr. Da hatten wir anfangs Probleme. Du weißt, dass du gegen jeden nah an die 100 Prozent kommen musst, weil jeder Gegner sagt, ich habe da ja nichts zu verlieren. Als wir uns gefunden hatten, haben wir die Punkte schon verschenkt, was den Aufstieg angeht. Das wollen wir in diesem Jahr anders machen. Wir sehen uns nicht als Topfavorit. Da gibt es andere. Aber wir müssen uns nicht verstecken. Wenn andere uns als Favoriten sehen, sollten wir das positiv sehen. das sollte stolz machen.

Welche Teams sehen Sie als Favoriten auf Platz eins und zwei?

Es wird Gummersbach sein, Bietigheim, Coburg – auch Nettelstedt. Seitdem die den Trainerwechsel hatten, scheint es da besser zu laufen. Dass die individuelle Qualität haben mit Tartei, Orlowski, Bechtloff – alles gestandene Erstligaspieler –, ist klar. Schwartau wird eine Rolle spielen. Auch Hamburg hat sich sehr gut verstärkt mit Schöngarth als Nationalspieler. Die Liga ist in der Spitze noch stärker geworden, noch enger zusammengerückt. Du merkst, dass viele wieder hoch wollen. Das macht es so spannend.

Vor sechs Jahren hat der Verein den so genannten 2-5-1-Club (Am. d. Red: aus der weiten Liga innerhalb von fünf Jahren in die erste) aus der Taufe gehoben. Das ist abgelaufen...

Als wir das ins Leben gerufen haben, herrschten ganz andere Voraussetzungen. Damals sind noch drei Teams aufgestiegen. Die Liga ist von Jahr zu Jahr stärker geworden, die Messlatte weiter nach oben gegangen. Und so weit waren wir ja gar nicht entfernt. Als ich wieder übernommen habe, war die Mannschaft vorher fast abgestiegen. Das erste Jahr war ein Übergangsjahr, wo wir auch schon lange oben mitgespielt haben. Damals war der Knackpunkt die Niederlage in Bietigheim. Davor waren wir auch schon oben dran. In diesem Jahr waren wir auch lange dabei, wo Nordhorn der Knackpunkt war, als wir geführt und dann knapp verloren haben. Da hätte es zu unseren Gunsten drehen können. Dieses Jahr wollen wir wieder eine gute Saison spielen. Das am Ende nur am Platz auszumachen, macht in so einer engen Liga aber keinen Sinn.

Sie sind jetzt seit zwei Jahren zurück auf der ASV-Bank. Haben Sie sich für Ihr Trainerengagement ein zeitliches Limit gesetzt?

Dazu kann ich noch nichts sagen. Natürlich weiß ich, dass ich nur noch ein Jahr Vertrag habe. Irgendwann im November, Dezember, Januar werden wir das Ganze in Ruhe besprechen.

Lust auf die Saison ist aber noch vorhanden?

Ich freue mich auf die Herausforderung. Klar gab es Phasen, gerade im letzten Jahr, in denen es nicht so schön war. Man kriegt ja die eine oder andere Kritik mit. Aber das gehört dazu, da muss man ein dickes Fell haben und überlegen, ob man von der Kritik das eine oder andere annehmen kann. Wichtig ist es, bei sich zu bleiben und mit der Mannschaft eine Einheit zu bilden, um gemeinsam erfolgreich zu sein. Ich glaube, dass wir miteinander sehr gut auskommen. Und wir wollen den maximalen Erfolg haben. Deswegen freue ich mich auf die Saison. Wie es dann weiter geht, werden wir in Ruhe besprechen.

Der ASV Hamm-Westfalen hat als einziger Zweitligist den Sprungs ins Achtelfinale des DHB-Pokals geschafft. Die Auslosung der Spiele findet am Mittwoch nach dem Supercup statt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare