Der Neue ist ein ruhiger Tüftler

Denn Blohme ist gebürtiger Flensburger – und als solcher ein wenig des Dänischen mächtig. Eggert war sichtlich überrascht. Und nicht minder erfreut. Gleichwohl: Der 26-Jährige, der im Juli vom Ligarivalen SV Henstedt-Ulzburg in den Hammer Osten wechseln wird, benötigt derartige Konversationen beileibe nicht als Integrationshilfe. Eine Sprachbarriere gibt es nämlich nicht. 

Eggert beherrscht Deutsch glänzend. Schließlich ist er im dänischen Sonderborg nahe der Grenze geboren. Und wenn er als Kind ferngesehen hat, war die Anzahl dänischer Sender geringer als die aus dem Nachbarland. „Die Sesamstraße“, erzählt Eggert grinsend, „habe ich zum Beispiel immer auf Deutsch geguckt.“ Und durch spätere Familienurlaube in der Bundesrepublik und Österreich blieb er „im Training“. Das zahlt sich aus. Wie seine Liebe zu „seinem“ Sport. 

Dem konnte Eggert, der beim ASV einen Zwei-Jahres-Vertrag unterzeichnete und nun gemeinsam mit Ehefrau Jennifer seine erste Stippvisite in der Lippestadt absolvierte, kaum entkommen. Der Rückraum-Rechte stammt aus einer Handball-verrückten Familie. „Ich bin praktisch in der Halle geboren“, erzählt Eggert, der Ende Juli 1989 zur Welt kam. Und da seine Mutter rund vier Wochen später wieder in der Meisterschaft gefordert war, „wurde ich dann halt auch in der Halle gestillt“. 

So war der Weg vorgezeichnet. Im Umfeld des heute 1,99 Meter großen Linkshänders gab es seit frühester Kindheit kaum ein anderes Thema. Zu Familienfeiern zu spät zu kommen, gehörte im Hause Eggert fast zum guten Ton, wenn parallel Handball im Fernsehen lief oder gespielt wurde. „Bei meiner eigenen Konfirmation“, sagt der Däne, „haben wir zwei Stunden geguckt.“ 

Früh vom Virus befallen 

Und natürlich hatte Eggert selbst das Virus früh befallen, „mit drei oder vier Jahren“ begann er mit dem Sport, der seine Leidenschaft ist. Fast jede freie Minute verbrachte er als Kind in der Halle, zu der er und sein Kumpel Anders Zachariassen, heute Kreisläufer bei der SG Flensburg-Handewitt, stets den Schlüssel haben konnten. De facto ist Eggert auch gelernter Bankkaufmann. Aber das ergab sich eher „so nebenbei“ in seiner Zeit bei Sønderjysk Elitesport, sagt Eggert mit einem Lächeln. 

Überhaupt: Bei dem dänischen Klub, zu dem er 2009 von Holstebro gewechselt war, feierte er mit dem Erstliga-Aufstieg 2011 seinen bislang größten Erfolg. Drei Jahre später folgte der Wechsel nach Deutschland, Eggert heuerte beim damaligen Zweitliga-Neuling Henstedt an. Bei fast jedem Heimspiel nahmen seine Eltern in der Folge die rund anderthalbstündige Fahrt auf sich, um ihren Sohn in Aktion zu sehen. Künftig werden sie ein wenig weiter reisen müssen. Auch, um die beiden Enkelkinder zu sehen, die fast zweijährige Lilly und den sieben Monate alten Storm. Schließlich zieht die vierköpfige Familie Eggert im Sommer nach Hamm. 

Trotz der größeren Entfernung: Mutter und Vater bestärkten den Halbrechten in seinem Wunsch, den nächsten Schritt auf der Karriereleiter zu machen. Wie viele andere auch. Der Ex-ASVer Rasmus Söby zum Beispiel, den Eggert um Rat fragte und der „nur Positives erzählt“ habe. Er bestärkte Eggert damit in dem Eindruck, den er selbst bereits vom ASV bei seinen insgesamt zwei Gastspielen mit Henstedt gewonnen hatte. „Ich sehe Hamm als Top-Verein, der oben mitspielt. Und das ist auch mein Ziel. Ich möchte, wenn es geht, in Deutschland die 1. Liga erleben. Und es wäre schön, wenn wir als Mannschaft in ein paar Jahren hoch gehen könnten“, sagt er. Die Voraussetzungen habe der ASV, bei dem es „deutlich professioneller“ zugehe als in Henstedt, was sich allein schon im Training niederschlage. „Ich habe einen richtig, richtig guten Eindruck“, sagt Eggert, dessen Vertrag bei den „Frogs“ im Sommer ausläuft. Lange überlegen musste er deshalb nicht – und griff zu. 

Bescheidener Führungsspieler

In Henstedt galt der Däne als bescheiden, als Führungsspieler – sein Verlust wiegt dort entsprechend schwer. Auch beim ASV wird er in der nächsten Saison zu den älteren Akteuren in einem sehr jungen Aufgebot zählen. Und Verantwortung übernehmen. Oder? „Ja und nein“, sagt Eggert. Er sei auf der Platte kein lauter Typ, „ich schreie Mitspieler nicht an und mag auch keine großen Armbewegungen“. Im Training allerdings gehört es für ihn dazu, viel mit den Kollegen zu reden. Und der Däne tüftelt gerne, ist auch gedanklich fast immer bei „seinem“ Sport. In Sachen Taktik würde er sich daher als Führungsfigur bezeichnen. Wenn er sich selbst als „schlauen Spieler“ charakterisiert, klingt das nicht arrogant. 

Zumal auch Henstedts Coach Matthias Karbowski den 26-Jährigen als „intelligenten“ Akteur lobt. Denn seit seiner Zeit als Jugendlicher hat Eggert gelernt, vermeintliche Defizite im Bewegungsablauf ob seiner Größe mit Wissen auszugleichen, das er sich aneignet. Ein intensives Videostudium beispielsweise gehört dazu, „damit ich weiß, wie sich der Gegner verhält, wo seine Schwächen sind“, erklärt Eggert Lernen, so scheint es, ist für ihn ein fortwährender Prozess. Handballerisch. Sprachlich hat er das wahrlich nicht nötig.

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