SVE Heessen

Jan Philipp Vormann: Das riskante Leben mit einer Spenderniere in Corona-Zeiten

Jan Philipp Vormann (rechts) liebt den Fußball. Doch in Corona-Zeiten muss der 21-Jährige besonders vorsichtig sein.
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Jan Philipp Vormann (rechts) liebt den Fußball. Doch in Corona-Zeiten muss der 21-Jährige besonders vorsichtig sein.

Jan Philipp Vormann ist 21 Jahre alt und spielt Fußball beim SVE Heessen. Doch Vormann lebt mit einer Spenderniere - und zählt damit in Zeiten des Coronavirus zur Risikogruppe.

Hamm - Das Coronavirus ist zurzeit Teil unseres Lebens. Abstand halten, regelmäßiges Händewaschen, Einkaufen mit einer Mund-Nasen-Schutz-Maske – all das ist innerhalb weniger Wochen in unseren Alltag eingezogen und scheint schon fast Normalität geworden zu sein. Jan Philipp Vormann, 21 Jahre alter Fußballer des frisch gebackenen Bezirksliga-Aufsteigers SVE Heessen, beachtet die derzeit geltenden Infektionsschutzmaßnahmen aber besonders penibel. 

Denn für Vormann, der mit einer Spenderniere lebt, wäre es äußerst gefährlich, wenn er sich mit dem Virus infizieren würde. „Das wäre für mich lebensgefährlich“, stellt er klar. „Ich würde dann sofort auf eine Intensivstation kommen. Das ist alles bereits abgeklärt, die erforderlichen Maßnahmen haben wir schon getroffen. Ich hätte sofort ein Bett.“

Im November 2017 hatten seine Nieren urplötzlich nur noch zu 20 Prozent funktioniert, so dass er Anfang August 2018 in der Essener Universitätsklinik eine Niere seiner Mutter Nadine Vormann eingesetzt bekam, um wieder ein normales Leben führen zu können.

Der Zustand hat sich verbessert

„Mein Allgemeinzustand hat sich seitdem enorm verbessert“, freut sich der 21-Jährige, der wieder mit dem Fußballspielen begann und in der vergangenen Saison zum Kader des Kreisliga-A-Meisters aus Heessen gehörte. „Meine Werte sind top. Und auch leistungsmäßig beim Fußball passt es wieder.“

Doch jetzt muss er unter allen Umständen verhindern, dass er sich mit dem für ihn lebensgefährlichen Coronavirus infiziert. Er geht seinem normalen Leben zwar weiter nach, aber unter Einhaltung entsprechender Vorsichtsmaßnahmen.

Er trägt jederzeit eine Maske, hat immer ein Desinfektionsmittel in der Tasche, das er regelmäßig benutzt, und achtet sorgsam darauf, den nötigen Abstand zu seinem Mitmenschen zu haben. Und auch auf seiner Arbeitsstelle – Vormann absolviert in Bergkamen eine Ausbildung zum Automobilkaufmann – sind entsprechende Schutzmaßnahmen getroffen worden. „Ich sitze hinter einer Wand aus Plexiglas und habe kaum Kundenkontakt“, sagt er.

Vormann hält sich fit

Dennoch hockt er nicht nur zu Hause herum und schottet sich ab. So fährt er an den Wochenenden oft zu seiner Freundin nach Nordhorn. Und er geht, nachdem der Trainingsbetrieb beim SVE genauso wie bei allen anderen Amateur-Fußball-Klubs in Deutschland unterbrochen worden ist, regelmäßig laufen. Vormann will nämlich fit sein für die nächste Saison, wenn er mit den Heessenern in der Bezirksliga antreten wird. „Sechs bis zehn Kilometer jogge ich dann. Und ich versuche, mich dabei von der Zeit und der Strecke zu steigern“, erklärt er.

Vor zwei Jahren hatte er schon einmal Bezirksliga-Luft schnuppern dürfen. Damals war er als A-Jugendlicher hochgeschrieben worden und half in der ersten Mannschaft aus. Letztlich konnte er zwar nicht den Abstieg in die Kreisliga verhindern, aber die Einsätze haben Lust auf mehr gemacht. „Wir wollen nicht wieder absteigen. Sondern uns in der Liga etablieren. Unser Team wird gut verstärkt. Das macht es für mich allerdings nicht leichter, einen Platz in der Mannschaft zu bekommen“, sagt er. „Dafür muss man kämpfen. Aber das habe ich in meinem ganzen Leben gelernt. Ich bin dafür bereit.“

Coronavirus in Hamm: Wie groß ist die Infektionsgefahr?

Allerdings muss er noch abklären, ob er überhaupt bedenkenlos am Training und an Meisterschaftsspielen teilnehmen kann. Denn Fußball ist eine Kontaktsportart, die von Zweikämpfen lebt, so dass für Vormann dabei eine große Infektionsgefahr besteht. „Ehrlich gesagt habe ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht, da eh zurzeit alles im Fußball still steht“, sagt er. „Aber sollte es tatsächlich so sein, dass auch wir wieder ins Training einsteigen werden, würde ich es natürlich vorher mit meinem Nephrologen absprechen.“

Doch Vormann, der in seinem Leben schon so viele scheinbar unüberwindbare Hürden übersprungen hat, wird auch dafür sicherlich wieder einen Weg finden, damit er sich seine Wünsche und Ziele weiterhin erfüllen kann.

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