Fußball

Ein Hammer Klub lässt die ersten Teams wieder auf den Platz

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Kein Zutritt in Wiescherhöfen: Dabei bleibt es vorerst trotz der Lockerungen durch die Landesregierung.

Der Trainingsbetrieb könnte nach den Lockerungen durch die NRW-Landesregierung wieder aufgenommen werden. Den meisten Hammer Fußballvereinen ist das zu früh. Doch es gibt eine Ausnahme.

Hamm - Es liest sich so einfach und unkompliziert: Nach einer Bekanntgabe der NRW-Landesregierungist seit dem 7. Mai der Sport- und Trainingsbetrieb unter Berücksichtigung der Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen sowie der Einhaltung des Abstands von 1,5 Metern wieder erlaubt. 

Doch was bei den meisten Amateur- und Nachwuchsfußballern für viel Freude sorgt, bereitet den Vereinen größte Probleme. Daher kann und will derzeit kaum ein Klub in Hamm die Vorgaben umsetzen, so dass fast überall die Fußballplätze weiter für den Trainingsbetrieb geschlossen sind.

„Das Tempo der Landesregierung ist sportlich. Und nur, weil man etwas wieder darf, muss man es ja nicht machen“, sagt Dirk Blumenkemper, Fußball-Abteilungsleiter und Vize-Präsident der Hammer SpVg. Auch beim SV Westfalia Rhynern, in der Oberliga Konkurrent der HSV, werden die Plätze in den nächsten Wochen nicht geöffnet. „Bis zum Ende der Kontaktsperre am 5. Juni wird bei uns kein Kontaktsport durchgeführt“, sagt der Vorsitzende Arnulf Kleine.

Der SVE Heessen geht einen anderen Weg

Der SVE Heessen geht allerdings einen anderen Weg, hat ein entsprechendes Konzept ausgearbeitet und will dieses in der kommenden Woche an ausgewählten Mannschaften testen. „Es geht dabei aber nicht um die sportliche Wertigkeit oder darum, dass wir uns einen Vorsprung erarbeiten, sondern bei uns in einem Arbeiterstadtteil, wo nicht jede Familie einen Garten hat, wollen wir die sozialen Kontakte wieder ermöglichen“, sagt der Vorsitzende Markus Röser.

Der TuS Wiescherhöfen war bereits am Wochenende vorgeprescht und hatte via Facebook sehr ausführlich seinen Mitgliedern erklärt, warum der Ball an der Wielandstraße weiterhin nicht rollen wird. „Für unsere Entscheidung des weiteren Vorgehens haben wir uns Informationen beim Sportamt der Stadt Hamm, dem Stadtsportbund und dem Landessportbund eingeholt und auf unzähligen Internetseiten verschiedener Institutionen, wie dem DFB, recherchiert“, haben die TuS-Verantwortlichen geschrieben und führen weiter an: „Wir sehen uns nicht in der Lage, sämtliche Bestimmungen der Corona-Schutzverordnung in ihrer aktuell gültigen Fassung vom 7. Mai 2020 einzuhalten und die für einen Trainingsbetrieb unter freiem Himmel geforderten Hygienemaßnahmen zu erfüllen.“

Auflagen sind zu hoch

Auch beim TuS Germania Lohauserholz wollen die Verantwortlichen die Sportanlage „Am Hahnenbach“ noch nicht öffnen. „Die Auflagen durch den Landessportbund sind dermaßen hoch, die können wir nicht erfüllen“, sagt Dirk Havers, der Vorsitzende des Bezirksligisten. „Und da die Saison sowieso gelaufen ist, müssen wir den Schwerpunkt nicht auf die Öffnung der Anlage legen.“

Genauso bewertet Egbert Homann, Vorsitzender des Landesliga-Aufsteigers SG Bockum-Hövel, die Problematik. „Wir können die Auflagen nicht erfüllen und können auch nicht sicherstellen, dass sich keiner infiziert. Wir können das nicht auf den Rücken der Trainer austragen, sondern wir haben da eine Gesamtverantwortung als Verein“, sagt Homann und verrät, dass es innerhalb des Klubs Gegenwind gab. So sollen einige Trainer mit dieser Entscheidung nicht einverstanden gewesen sein. „Aber wir lassen uns davon nicht beeinflussen. Wir möchten kein Risiko eingehen und öffnen die Anlage erst dann wieder, wenn Kontakt möglich ist“, so Homann.

Beim SV Westfalia Rhynern kann und will man den Vorgaben ebenfalls nicht nachkommen. „Wir sind ein ehrenamtlich geführter Verein. Wie soll man das dann laufend kontrollieren, wenn man noch seinen Beruf ausüben muss? Wir lassen daher in Sachen Fußball alles geschlossen“, betont Kleine. „Die Saison ist beendet. Es gibt also auch keinen Druck, den Trainingsbetrieb wieder hochzufahren, ein Risiko einzugehen und sich hinterher zu ärgern, zumal durch die Öffnung der Kitas, Schulen und Spielplätze das Infektionspotenzial sowieso schon enorm gestiegen ist.“

Hammer SpVg: "Die Verantwortung können wir nicht tragen"

Ähnlich bewertet Blumenkemper die Situation bei der Hammer SpVg. Der Sportplatz Jahn II ist durch die Stadt geschlossen, und den Hauptplatz sowie den alten Kunstrasenplatz Richtung Ahse wird die HSV nicht öffnen. „Wir sind uns im Vorstand einig, dass wir diese Verantwortung nicht tragen können. Diese Entscheidung ist für uns alternativlos. Hinzu kommt ja, dass es aller Voraussicht nach in dieser Saison keinen sportlichen Wettkampf mehr geben wird. Daher setzen wir auf die Vernunft“, stellt Blumenkemper unmissverständlich klar.

Genauso wird es auch bei den A-Kreisligisten TSC Hamm und TuS Uentrop gehandhabt. „Die neuesten Lockerungen der Bundes- und Landesregierung sind das langsame Heranführen zu einer etappenweisen Normalisierung. In der Presse lesen wir, dass kontaktloser Sport im Freien in den Vereinen erlaubt werden soll. Aber Fußball ist eine Sportart mit Kontakt“, äußert der TSC-Vorsitzende Veysel Çerçi und betont, dass der Vorstand die Sorgfaltspflicht habe, die Gesundheit der Mitglieder zu beschützen. „Deshalb sind das Training, Spiel und Aktivitäten auf dem Sportplatz weiterhin verboten.“

Auch beim BV 09 Hamm betont der Vorsitzende Marco Herzebrock, dass die Platzanlage am Nordendamm weiterhin nicht für den Trainingsbetrieb zur Verfügung steht. „Das sind derzeit noch zu viele offene Fragen. Wir sind in reger Diskussion, aber die Vorgaben sind vielleicht für einen Profiverein umsetzbar, aber nicht für einen Amateurklub mit ehrenamtlichen Mitarbeitern“, sagt Herzebrock, der das weitere Vorgehen im Austausch mit den Entscheidungsträgern der Stadt Hamm abstimmen will. „Letztlich geht es aber um die Sicherheit unserer Mitglieder. Und ich möchte nicht, dass es durch unseren Verein vielleicht zu einer Krankheitswelle kommt.“

Auch beim SVF Herringen wird es zunächst zu keinen Trainingseinheiten kommen. Der Vorstand teilte mit, dass er sich erst mit den geforderten Maßnahmen genauestens beschäftigen wolle. Dieser Schritt, so heißt es, diene der Sicherheit aller.

Coronavirus in Hamm: Wer ist verantwortlich?

Zudem stellt sich neben den hygienischen Vorgaben und gesundheitlichen Risiken auch die Frage, wer im Falle einer Kontrolle durch eine staatliche Behörde verantwortlich ist. Muss der Trainer Repressalien befürchten, wenn er nicht alle Maßnahmen korrekt umgesetzt hat? Oder steht der Verein in der Verantwortung? „Diese Überlegungen haben bei unserer Entscheidung auch mit reingespielt“, sagt Marc Lapcevic, Wiescherhöfens 2. Vorsitzende. „Und unter Abwägung aller Probleme und Ungewissheiten sowie der Tatsache, dass wir nicht in der Lage sind, jede einzelne Maßnahme zu erfüllen, haben wir uns im Gesamtvorstand einstimmig dazu entschieden, die Sportanlage für die nächsten drei Wochen weiter geschlossen zu halten.“

Der SVE Heessen hat derweil, angetrieben durch die Jugendabteilung, ein Konzept entwickelt, das die vorgeschriebenen Maßnahmen umsetzt. „Wir haben Anschreiben an die Trainer vorbereitet, die Leute entsprechend eingeteilt, werden Masken austeilen, die Desinfektionsspender aufstellen und die Listen austeilen“, erklärt Vereinschef Röser. „Das Konzept steht und ist gut ausgearbeitet. Unser Ziel ist es, das in der kommenden Woche an ausgesuchten Teams, die entsprechend viele Betreuer haben, eine Woche lang zu testen.“

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