Wie soll es weitergehen?

Hammer Fußball inmitten der Coronavirus-Krise: Fragen und Antworten

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Die Plätze bleiben im Spielbetrieb mindestens bis zum 19. April leer. Was das Training betrifft, dürfen die Vereine noch selbst entscheiden. 

Es war kurz und knapp – aber auch mehr als treffend. „Pause“, sagte Michael Kaminski, Trainer des Fußball-Oberligisten SV Westfalia Rhynern, als er Freitagmorgen vom Fußball- und Leichtathlteik-Verband von der Einstellung des Spielbetriebs bis zum 19. April aufgrund des Coronavirus informiert wurde.

Hamm – Doch die Unterbrechung der Saison, die angesichts der Entwicklung der vergangenen Tage eine mehr als nachvollziehbare Entscheidung ist, zieht eine Menge Folgen nach sich und wirft zahlreiche Fragen auf. Denn neben finanziellen Auswirkungen durch das Ausbleiben von Eintrittsgeldern und Einnahmen durch den Verkauf von Speisen und Getränken – am Platz geht es auch darum, ob überhaupt und wenn ja unter welchen Bedingungen die Saison beendet wird.

Stehen die Vereinsvetreter hinter der Entscheidung des Verbandes?

Es macht den Eindruck, als wäre die Spielunterbrechung für alle Beteiligten mehr als nachvollziehbar. „Das ist definitiv richtig so“, sagt Rouven Meschede, der Trainer des Kreisliga-A-Spitzenreiters SVE Heessen. „Da darf man jetzt keine halben Sachen machen.“ Auch für Andreas Kersting, den Sportlichen Leiter des SV Westfalia Rhynern, gibt es es keine zwei Meinungen: „Die Gesundheit der Menschen steht an allererster Stelle. Diesen Virus kann man nicht wegreden. Die Entscheidung ist vollkommen in Ordnung. Es war schon eine extreme Dynamik in den vergangenen Tagen.“

Wird das Training in den Hammer Sportvereinen in den kommenden Wochen stattfinden oder wird es genauso wie der Spielbetrieb ausgesetzt?

Da die meisten Vereine Pächter der sich im Besitz der Stadt Hamm befindenen Sportanlagen sind, können sie darüber selbst entscheiden. Bei manchen Vereinen wird dies noch abgesprochen, andere Klubs haben das am Freitag bereits schnell und unbürokratisch entschieden. „Wir haben den Trainingsbtrieb eingestellt, anders geht es nicht“, stellt David Schmidt, Spielertrainer des Fußball-Bezirksligisten SG Bockum-Hövel, klar. Zahlreiche andere Vereine wie der SVE Heessen, der SV Westfalia Rhynern oder der TuS Germania Lohauserholz haben genauso entschieden und lassen die Übungseinheiten in den kommenden Wochen ausfallen – so schwer es aus sportlicher Sicht auch fällt. „Wenn es von offizieller Seite heißt, es wird nicht gespielt, dann hat es auch genug Gründe, dass man nicht trainiert. Wir stellen uns jedenfalls nicht hin und sagen, wir wissen es besser“, sagt Thorsten Skerra, Trainer des Bezirksligisten TuS Germania Lohauserholz. „Wobei es gerade unseren jungen Spielern schwer fällt, so lange mit dem Fußball auszusetzen. Denn die sind alle heiß auf den Ball.“

Kann die Saison nach der Unterbrechung des Spielbtriebs direkt weiter geführt werden?

Wenn die Akteure in den kommenden vier Wochen weder spielen noch trainieren können, ist es sicherlich sehr schwer, eine Woche später wieder die volle Leistung zeigen zu können. Aber aufgrund der wenigen Zeit bis zum Saisonende wird es wohl keine andere Möglichkeit geben. „Natürlich wäre es dann gut, wenn die Spieler in den kommenden Wochen individuell laufen gehen. Aber machen die das dann auch?“, fragt sich Sebastian Wessel, Trainer des Landesligisten TuS Wiescherhöfen. „Das ist ja die reine Katatstrophe.“ David Schmidt setzt daher auf den Ehrgeiz seiner Spieler, die sich mitten im Rennen um den Aufstieg in die Landesliga befinden. „Diese Unterbrechung im März ist natürlich der denkbar schlechteste Zeitpunkt. Aber jeder Spieler muss sich jetzt individuell fit halten. Da vertraue ich drauf und verlasse mich auf die Jungs“, sagt der SG-Trainer, während Rouven Meschede vom SVE meint: „Vier Wochen lang alleine laufen? Ich weiß nicht, wer das macht. Wir müssen mal schauen, wie wir das hinbekommen.“ Steven Degelmann, Trainer der Hammer SpVg, wollte sich erst einmal in Ruhe Gedanken über die augenblickliche Situation machen: „Dieser Zeitraum ist aus sportlicher Sicht schon extrem. Der ist ja fast so lang wie eine Sommerpause. Wir müssen uns erst einmal sortieren und die Dinge planen.“

Wird die Saison definitiv nach dem 19. April fortgesetzt?

Das kann angesichts der aktuellen Coronavirus-Krise derzeit niemand sagen.

Welche Szenarien sind nach dem 19. April denkbar?

Möglich ist, dass die Saison in allen Ligen vorzeitig komplett abgesagt wird. Es ist aber auch denkbar, dass nach dem 19. April alle ausgefallenen Partien nachgeholt werden und dass dann die Saison eventuell verlängert wird, um den zeitlichen Rahmen für die zahlreichen Nachholspiele zu erweitern. Oder es werden nach dem 19. April in der Kürze der Zeit Playoff-Spiele ausgetragen, um Entscheidungen herbeizuführen.

Was kann passieren, wenn die Saison vorzeitig beendet wird und in dieser Spielzeit keine Partien mehr bestritten werden?

Mehrere Möglichkeiten werden derzeit heiß diskutiert. Zum einen wäre es denkbar, die aktuelle Saison komplett zu annullieren und die Spielzeit 2019/20 im August als Saison 2020/21 bei Null beginnen zu lassen. Es wäre aber auch möglich, bei einem Abbruch die aktuelle Tabelle zur Hand zu nehmen und auf dieser Grundlage die Mannschaften auf- oder absteigen zu lassen. Im Profibereich wird derweil darüber gesprochen, die Teams, die derzeit auf einem Aufstiegsplatz stehen, den Sprung in die nächst höhere Liga zu erlauben und gleichzeitig keine Mannschaft absteigen zu lassen.

Was halten die Hammer Verantwortlichen von diesen Möglichkeiten?

Rouven Meschede, der mit dem SVE derzeit auf Platz eins in der Kreisliga A steht, hätte nichts dagegen, wenn bei einem vorzeitigen Saison-Ende der aktuelle Tabellenstand den Ausschlag geben würde. „Das wäre für uns natürlich gut. Denn noch ein Jahr in der Kreisliga mit dieser Mannschaft, das wäre echt übel“, sagt der Coach, der ehrlich zugibt: „Ich möchte nicht in der Haut der Leute stecken, die das am Ende enstscheiden müssen.“ Beim Landesligisten TuS Wiescherhöfen und beim Oberligisten Hammer SpVg, die jeweils auf dem letzten Platz stehen, würden sich die Verantwortlichen natürlich freuen, wenn die Saison gestrichen werden oder es am Ende keinen Absteiger geben würde. „Man kann ja die Mannschaften, die oben stehen, aufsteigen und keine Mannschaft absteigen lassen, um dann im nächsten Jahr mit einem größeren Feld in den Ligen weiter zu spielen“, schlägt Gerald Stoffers, Geschäftsführer der HSV, vor. „Was am Ende durchziehbar ist, weiß ich nicht. Aber ich glaube, da laufen gerade bei den Verantwortlichen die Drähte heiß.“

Wessels kann sich ebenfalls vorstellen, dass das im Profibereich angedachte Modell mit Aufsteigern und keinen Absteigern in den Amateurbereich durchgereicht wird. „Sportlich gesehen wäre es aber natürlich am besten, wenn man die Saison nach dem 19. April weiter durchziehen kann“, sagt der TuS-Coach. „Würde man aber die aktuelle Tabelle nehmen, wäre das ja Wettbewerbsverzerrung. Wir sind nur zwei Zähler hinter einem Nichtabstiegsplatz und könnten in dieser Saison noch 36 Punkte aus den verbleibenden zwölf Spielen holen. Da würden viele Vereine, denen es ähnlich geht wie uns, am Ende Rechtsbeistand suchen, wenn sie am grünen Tisch absteigen würden. Aber letztlich ist das schon eine heikle Nummer, die die älteren Herren im Verband zu entscheiden haben, zumal man die Tragweite der ganzen Sache derzeit noch gar nicht absehen kann.“

Thorsten Skerra vom TuS Germania Lohauserholz und Michael Kaminski vom SV Westfalia Rhynern, die mit ihren Teams jeweils im Tabellenmittelfeld stehen, schauen der weiteren Entwicklung im sportlichen Bereich eher gelassen entgegen. „Wir sind sportlich jenseits von Gut und Böse, da gibt es für uns keine großen Konseqenzen. Trotzdem ist so eine Unterbrechung gerade für eine junge Mannschaft, wie wir sie haben, von der Entwicklung her nicht förderlich“, sagt Skerra. Und Kaminski meint: „Der Sport ist nicht nur wegen unserer Position im Tabellenmittelfeld nebensächlich. Ich denke, es geht derzeit um ganz andere Sachen.“

Wenn die Saison fortgeführt wird, gibt es dann nur noch englische Wochen mit zahlreichen Partien in der Woche?

Davon ist auszugehen. Aber Jens Heusener, der Sportliche Leiter der SVE Heessen, hat große Bedenken, wie die Fülle an Nachholspielen zu bewältigen ist: „Wir hätten dann ja nur noch englische Wochen. Das geht doch gar nicht, die Spieler im Amateurbereich sind ja alle Arbeitnehmer.“ Der SV Westfalia hat zum Beispiel noch zwölf Begegnungen plus vier Nachholspiele sowie das Kreispokal-Halbfinale gegen die Hammer SpVg und eventuell das Finale – also im Extremfall 18 Partien – zu bestreiten. Das ist nach dem 19. April bis zum normalen Saisonende am 24. Mai nicht zu bewältigen. „Sollte der Spielbetrieb fortgesetzt werden, ist der derzeit bestehende Terminplan nicht einzuhalten. Zumal wir ja auch gar nicht wissen, ob der 19. April überhaupt haltbar ist“, sagt Rhynerns Andreas Kersting. „Aber letztlich ist der Fußball auch nur ein ganz kleiner Teil in dieser großen Problematik. Es kann keiner voraussagen, was noch alles passiert. Wichtig ist einzig und allein, dass wir alle gesund bleiben. Ich finde es nur schade, wenn jetzt Leute oder Vereine versuchen, aus der aktuellen Situation einen Vorteil für sich zu ziehen.“

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