Rudern

Für Lene Mührs ist der gewohnte Alltag ganz weit weg

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Training im heimischen Garten statt Wettkampf auf dem Wasser: Lene Mührs muss sich in Corona-Zeiten zuhause fithalten.

Es sollte die große Saison für Lene Mührs werden. Doch das Coronavirus wirbelt die Pläne der Hammer Ruderin durcheinander.

Hamm - Nachdem die Hammer Ruderin im vergangenen Jahr bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Tokio (Japan) mit dem Deutschland-Achter Vize-Weltmeisterin geworden war, wollte sie in diesem Sommer bei den Titelkämpfen in ihrem letzten Wettkampfjahr in dieser Alterklasse groß auftrumpfen. 

„Mein Ziel war es, nachdem wir ja letztes Jahr die Goldmedaille so knapp verpasst hatten, dieses Mal ganz oben auf dem Treppchen zu stehen. Und Deutsche Meisterin wollte ich auch werden. Darauf habe ich hingearbeitet. Denn man sagt, dass es im zweiten Jahr einfacher ist“, meint die 17-Jährige, bevor sie zähneknirschend feststellt: „Aber das wird ja alles nichts wegen des Coronavirus. Das ist schon blöd gelaufen. Denn im nächsten Jahr, wenn ich zur U23-Klasse gehöre, wird das sehr schwer.“

Überhaupt ist derzeit alles anders, als es sonst im Leben von Lene Mührs ist. Normalerweise geht sie in Essen zur Schule und lebt dort im Sport-Internat eines Gymnasiums, wo sie derzeit die elfte Klasse besucht. Und auch ihrem Sport geht sie in der Ruhrmetropole nach, trainiert und bestreitet ihre Wettkämpfe für die Kettwiger Rudergesellschaft. 

Coronavirus in Hamm: Zuhause bei der Mutter eingezogen

Doch davon ist ihr in ihrem augenblicklichen Leben nicht viel geblieben. Der gewohnte Alltag mit Sport, Rudern und Freunden ist für sie mehr als nur die rund 80 Kilometer, die zwischen Essen und Hamm liegen, weg. Denn sie ist wieder zuhause in Hamm bei ihrer Mutter eingezogen und vermisst dort mehr als nur das tägliche Training auf der Ruhr. „Eigentlich geht es mir ganz gut. Man ist zuhause nicht so wie sonst auf sich alleine gestellt. Und meine Mutter macht mir auch die Wäsche“, sagt sie, muss aber auch zugeben: „Es ist schon ein bisschen langweilig ohne den Sport. Und man muss sich immer selbst motvieren. Soziale Kontakte habe ich nicht wirklich, weil meine Leute aus Essen so weit weg sind.“ Selbst die Schule fehlt ihr, zumindest ein bisschen. „Denn wenn die Schule wieder wäre, wüsste ich, dass der Alltag wieder da ist“, meint sie, fügt aber hinzu: „Aber in der Liste von den Dingen, die ich vermisse, steht die Schule an letzter Stelle.“

Bis ihr normales Leben im Internat und der tägliche Gang zu Schule wieder anstehen, schlägt sie sich zuhause mit den von den Lehrern gestellten Aufgaben herum. Manchmal erfolgt der Unterricht auch per Videokonferenz – das mag sie aber nicht so gerne. „Das ist ungewohnt und daher irgendwie komisch“, sagt die Gymnasiastin, die neben den täglichen Aufgaben für die Schule natürlich auch versucht, sich fit zu halten. Am Anfang hatte sie von ihrem Verein noch einen intensiven und engmaschigen Trainingsplan bekommen. Mittlerweile ist der deutlich gelockert worden. Denn bis zum Herbst sind alle Regatten abgesagt, lediglich die deutsche Sprintmeisterschaft im Oktober steht noch auf dem Wettkampfplan. „Am Anfang mussten wir zuhause auf dem Ergometer noch bestimmte Strecken rudern. Das war schon eine Quälerei, denn alleine ist das schon schwer, das durchzuziehen. Jetzt geht es nur noch darum, die Grundlagenausdauer zu halten“, sagt Mührs, die für vier Tage noch einen Plan bekommt, die anderen drei Tage aber in Sachen Training frei gestalten kann. So setzt sie sich daher auch mal auf ihr Rennrad und tritt kräftig in die Pedalen. Abends steht immer noch Gymnastik auf dem Programm, um ihren verletzungsanfälligen Rücken in Form zu halten.

2021 will Lene Mührs wieder angreifen

Denn auch wenn das aktuelle Jahr alles andere als geplant verläuft, 2021 will sie wieder angreifen. Zum einen in der Schule, denn dann will sie ihr Abitur machen. Zum anderen natürlich in sportlicher Hinsicht, auch wenn es mit dann 18 Jahren in der U23-Altersklasse recht schwer sein wird, sofort wieder für Furore zu sorgen und Siege einzufahren.

Ob sie nach dem Abtur weiter in Essen wohnen wird, ist wie so viele andere Dinge in dieser Coronavirus-Zeit aber noch offen. „Entweder bleibe ich in Essen oder ich wechsel zum Stützpunkt nach Potsdam. Das weiß ich aber noch nicht“, sagt sie – und hofft wie alle andere Menschen, dass in ihrem Leben bald alles wieder normal wird.

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