Kanuslalom

Für Jürgen Schubert heißt es: Telefon statt Techniktraining

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Erfolgsgaranten: Trainer Jürgen Schubert (von links) mit seinen Kanu-Ring-Schützlingen Jasmin Schornberg, Sebastian Schubert und Stefan Hengst bei der EM 2019 im französischen Pau.

Eigentlich würde Jürgen Schubert, Slalom-Chef-Coach des Kanu-Rings Hamm, derzeit fast pausenlos im Auto sitzen. Doch das Coronavirus verändert auch seine Situation.

Hamm - In seiner Eigenschaft als Landes- sowie Bundestrainer der Juniorinnen würde Jürgen Schubert tausende von Kilometern zu den Trainings- und Wettkampfstätten zurücklegen, um seine Schützlinge vor Ort zu betreuen. Doch Covid-19 hat auch seinen Tagesablauf wesentlich verändert.

Aber arbeitslos ist der 58-Jährige keineswegs. Schuberts Aufgaben sind so vielseitig, dass er nicht wie manch anderer Trainerkollege in Kurzarbeit gehen musste. Dass sein Aufwand nicht mehr so groß ist wie in normalen Zeiten, ist angesichts des allgemeinen Sportverbots logisch. „Doch mein Arbeitgeber, der Landessportbund, zeigt sich in dieser Hinsicht sehr großzügig“, berichtet der Heessener. „Die wissen, dass ich ansonsten weit über das normale Maß hinaus tätig bin und gönnen mir deshalb jetzt auch mal ein paar ruhigere Wochen.“

"Man darf auch in diesen Zeiten nicht schlafen"

Dennoch ist er jeden Tag mit Kanuslalom beschäftigt. Vor allem in seiner Eigenschaft als Leiter des Bundesstützpunktes in Hohenlimburg. Die Trainingsstrecke auf der Lenne wurde von der Stadt Hagen zwar schon am 16. März gesperrt, doch um die besten Sportlerinnen und Sportler aus Nordrhein-Westfalen kümmert sich Schubert natürlich weiter. „Man darf auch in diesen Zeiten nicht schlafen“, beteuert der Coach, der über Telefon ständig Kontakt zu den Athleten hält.

Mit den Heimtrainern spricht er die individuellen Übungspläne ab. An ihren Heimatstandorten können die Aktiven zumindest allein auf Flüssen oder Kanälen trainieren. „Eine direkte Betreuung durch die Trainer ist aber aktuell nicht möglich. So können sich die Slalom-Fahrer immerhin im Wasser fithalten, das wichtige Technikprogramm kann derzeit allerdings nicht stattfinden“, berichtet Schubert.

Ihm liegt es besonders am Herzen, seine Schützlinge bei Laune zu halten, obwohl das angesichts der zahlreichen abgesagten Großveranstaltungen nicht immer leicht fällt.

Coronavirus in Hamm: Schornberg fällt in ein tiefes Loch

So ist auch Jasmin Schornberg, langjährige Ausnahmesportlerin des Kanu-Rings Hamm, zuletzt in ein tiefes Loch gefallen. Sie hatte für die Europameisterschaften Mitte Mai in London vom Deutschen Kanu-Verband eine Wild-Card erhalten. „Jasmin hat sich noch einmal intensiv durch den Winter gequält, um für den Höhepunkt zum Abschluss ihrer so langen und erfolgreichen Laufbahn richtig fit zu sein. Doch dann wurde die EM wegen Corona abgesagt“, erzählt Schubert.

Während der Heessener Stefan Hengst als Mitglied des Perspektivkaders weiter mit einer Ausnahmegenehmigung auf dem Olympiaeiskanal in Augsburg regelmäßig trainiert, hat Schornberg zunächst einmal ihr Trainings-Programm heruntergefahren. „Sie paddelt derzeit nur noch just for fun“, sagt Schubert.

Der Hammer kümmert sich derzeit als Stützpunktleiter vor allem darum, dass zumindest im Hintergrund alles normal läuft, sorgt dafür, dass seine Athleten weiter gefördert werden. Im Juli sollten die Junioren-Weltmeisterschaften im slowenischen Tacen stattfinden. Wie Schubert berichtet, hat der Weltverband diese erst einmal in den Monat September verschoben. „Was die Vorbereitung“, so der Landescoach, „nicht gerade erleichtert.“ Ohnehin geht er davon aus, dass in diesem Jahr keine größeren Titelkämpfe mehr stattfinden werden. „Für einige würde dann eine Welt zusammenbrechen, weil sie in diesem Jahr zum letzten Mal in dieser Altersklasse starten dürfen“, betont Schubert.

Schubert will auf Impfstoff warten

Deswegen ist er in diesen schweren Tagen auch oder gerade besonders als Psychologe gefragt, um den von ihm betreuten Sportlerinnen und Sportlern Perspektiven aufzuzeigen. Persönlich würde er es besser finden, wenn die komplette Saison abgesagt werden würde. „Bei Titelkämpfen sollten doch alle dabei sein können. Was wären denn Europameisterschaften, wenn die besonders von der Corona-Pandemie betroffenen Länder wie Frankreich, Italien, Spanien oder Großbritannien nicht dabei sein könnten“, sagt Schubert. 

„Wir sollten daher abwarten, bis es einen Impfstoff gibt. Wir haben doch auch gegenüber unseren Mitmenschen eine gewisse Verantwortung. Als Sportler reisen wir von Wettkampf zu Wettkampf, könnten dabei wieder das Virus neu verbreiten.“ Seinen Schützlingen würde er die Ungewissheit gerne ersparen, doch die International Canoe Federation (IFC) will erst im Mai entscheiden, wie es auf internationaler Ebene weitergehen wird. Bis dahin wird Hamms Trainer des Jahres 2019 weiter sehr viele Telefonate führen müssen.

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