Fußball-Oberliga

HSV-Coach Steven Degelmann: "Vielleicht spielen wir dieses Jahr gar nicht mehr"

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Pessimistisch: HSV-Coach Steven Degelmannn.

Die Profis haben das Training längst wieder aufgenommen. Bei der Hammer SpVg hingegen ist Geduld angesagt.

Hamm - Bis in die 3. Liga spielen sich die zwangspausierenden Kicker entweder in Kleingruppen die Kugel hin und her oder feilen an ihrem Torschuss. Alles unter strenger Aufsicht und Einhaltung von Sicherheitsvorkehrungen. In der Fußball-Oberliga bleiben die Plätze leer. Die Coronavirus-Krise nötigt die Spieler zu individuellen Einheiten. Nicht anders ist es beim Tabellenschlusslicht Hammer SpVg.

Trainer Steven Degelmann befindet sich im regelmäßigen Austausch mit seinen Akteuren, wenn auch nur telefonisch: „Ich halte Rücksprache mit meinen Spielern. Natürlich bekommen sie etwas von uns mit auf den Weg, aber sie sind eben auch individuell noch sehr fleißig“, erläutert der HSV-Coach, der zu Beginn des Jahres das Zepter im Hammer Osten übernommen hatte. Einen Grund dafür, dass seine Schützlinge auch in der Krisenzeit so beharrlich Sport treiben, hat er längst ausgemacht. „Die Jungs wissen wahrscheinlich auch nicht, was sie mit der ganzen Zeit anfangen sollen.“

"Die Jungs werden heiß auf den Ball sein"

Fit sei das Team ohne jeden Zweifel. Doch wie tragisch ist es, dass die Spieler buchstäblich nicht am Ball bleiben können? „Wenn man frech ist, könnte man sagen: Nachher können alle rennen, aber haben das Fußballspielen verlernt“, scherzt Degelmann und fügt mit seriöser Miene an: „Nein, ich glaube nicht, dass das so sehr ins Gewicht fällt. Die Jungs werden doch total heiß darauf sein, den Ball wieder am Fuß zu haben.“

Und auch der Übungsleiter selbst fiebert der Wiederaufnahme des Trainings entgegen: „Ich freue mich darauf, wenn ich wieder anfangen kann“, sagt der Polizeibeamte, der seinen Vertrag bei der HSV kürzlich bis 2021 verlängert hat.

Realistisch sei es jedoch nicht, dass seine Mannschaft bald wieder auf den Rasen zurückkehren darf. „Ich befürchte, das könnte sich alles noch länger ziehen“, kommentiert Degelmann sein ungutes Bauchgefühl. „Vielleicht spielen wir dieses Jahr gar nicht mehr.“ Zumindest kann sich der 37-Jährige aktuell nicht vorstellen, bald mit 22 Spielern in einer Kabine zu hocken.

Coronavirus in Hamm: Das sportliche Ziel fällt weg

Und Schutzmaßnahmen, wie sie in den Profiligen umgesetzt werden, sind im Amateurfußball nicht so einfach zu verwirklichen. „Wir müssen jeden Tag damit rechnen, dass auch die neue Saison erst später anfängt. Somit fällt das sportliche Ziel weg“, bedauert Degelmann.

Doch auch wenn der Coach die innere Fußballflamme gerne so schnell wie möglich wieder zum Lodern bringen würde, geht Degelmann nüchtern mit den blanken Fakten um. „Gesundheit geht nun einmal vor“, sagt er entschieden. Neben dem Kontaktverbot, das jüngst bis zum 3. Mai verlängert wurde, gelte schließlich weiterhin die Verfügung der Stadt Hamm. Die Sportplätze bleiben geschlossen.

Sollte jene Verfügung das Kontaktverbot überdauern, hat der HSV-Trainer bereits eine Idee. „Dann könnte man wenigstens gemeinsam laufen gehen. Und das wäre schon sehr wertvoll“, so Degelmann. „Die Jungs haben sich ja schon lange nicht mehr gesehen. Telefonieren kann ein Mannschaftsgefühl nicht ersetzen.“

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