Coronavirus

HSC-Geschäftsführer Kai Hegemann ist als Krisenmanager gefragt

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Kai Hegemann ist seit der großen Fusion im Hammer Süden Geschäftsführer des größten Hammer Sportvereins und trifft derzeit in der Corona-Krise in erster Linie auf verständnisvolle Mitglieder.

Die Corona-Pandemie hat auch den größten Hammer Sportverein, den Hammer SC 08, vor erhebliche Probleme gestellt. Über 5700 Mitglieder können derzeit ihren Freizeitaktivitäten in den unterschiedlichsten Sportarten nicht mehr nachgehen.

Hamm - Für einige hauptamtliche Mitarbeiter musste Kurzarbeit angemeldet werden. Wie der Sport-Club mit der Situation umgeht und wie lange er das noch durchhalten kann, berichtet HSC-Geschäftsführer Kai Hegemann.

Wie hart hat Corona Ihren Verein getroffen?

Wir wurden damit natürlich genauso überrascht wie alle anderen, die in diesen Bereichen arbeiten. Dass das mit dieser Heftigkeit kommen könnte, haben wir vielleicht geahnt, doch wie wir damit umgehen mussten, hat uns doch sehr empfindlich getroffen, weil wir von heute auf morgen unseren Mitgliedern nichts mehr anbieten konnten.

Wie waren die Reaktionen der Sportlerinnen und Sportler des Vereins?

Wir haben den Vorteil, dass wir verständnisvolle Mitglieder haben, die diese Solidargemeinschaft auch mit leben und tragen. Bei dieser hohen Zahl an Mitgliedern sind es lediglich 20 bis 25 Personen, die ihr Geld zurückhaben wollen, weil wir derzeit angeblich unseren Vertrag nicht erfüllen. Das ist aber ein grundsätzliches Problem, weil wir mit den Menschen ja keine Verträge abschließen, sondern ein Beitragssystem haben. Das erklären wir den Leuten. Der überwiegende Teil sieht das dann auch ein.

Die Geschäftsstelle mussten Sie ja gleich schließen. Wie halten Sie den Kontakt zu den Mitgliedern?

Wir haben seit Dienstag nach Ostern die Geschäftsstelle soweit wieder geöffnet, dass wir zumindest telefonisch erreichbar sind. Wir machen jetzt täglich von 10 bis 15 Uhr Telefondienst und versuchen die Probleme, die derzeit anfallen, damit auch zu meistern.

Gibt es viele Anfragen?

Das Telefon klingelt schon regelmäßig. Es nutzen einige die Möglichkeit, sich zu informieren. Zumal wir ja auch Sportarten anbieten, zum Beispiel wie Tennis, bei denen es auf Grund der persönlichen Distanz vielleicht sogar möglich wäre, zu spielen, weil es ja keine direkten Berührungspunkte gibt. Aber es gibt keine Ausnahmen. Der Sportbetrieb ist derzeit komplett unterbrochen, bis wir die Freigabe erhalten, wieder zu öffnen.

Das heißt, dass auch die Bogenschützen, die ja auf der Freiluftanlage in Westtünnen große Distanz halten könnten, derzeit nicht trainieren?

Da macht das Land keine Unterschiede. Die Vorgabe ist ganz klar: kein Sportbetrieb auf jedweder Anlage. Da sind uns einfach die Hände gebunden.

Coronavirus in Hamm: 17 HSC-Mitarbeiter sind in Kurzarbeit

Sie haben in Ihrem Verein 60 sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter. Was passiert derzeit mit diesen Beschäftigten?

Wir haben aktuell 17 Vereinsmitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Das sind die Leute, die direkt davon betroffen sind. Dabei handelt es sich um die Mitarbeiter in unserem Sportwerk und die Trainer, die in den einzelnen Abteilungen tätig sind. Die haben derzeit natürlich keine Funktion. Einige andere haben noch ihre Aufgaben, weil wir momentan ja die Kita weiter komplett mit allen Mitarbeitern fahren, weil wir dort auch Notgruppen haben. Die Geschäftsstelle arbeitet ebenfalls mit 50 Prozent der normalen Besetzung, so dass wir am Tag X auch sofort wieder loslegen und zu 100 Prozent starten können.

Sie haben ja im September durch das Fitnessstudio, das Sportwerk genannt wird, über 700 neue Mitglieder gewonnen. Die meisten Fitnessstudios müssen sich derzeit mit ihren Vertragspartnern wegen der Zahlungen auseinandersetzen. Wie sieht das beim HSC aus?

Wir haben den Leuten zwei Aufnahmeanträge vorgelegt. Einen für den Hauptverein, den anderen für das Sportwerk als Abteilung des HSC. Damit weiß auch jeder, dass er Mitglied im Verein ist und nicht nur einen Vertrag mit einem Fitnessstudio abgeschlossen hat. Wir haben deshalb nicht, im Gegensatz zu anderen Studios, die Situation, dass wir über Verträge reden, weil wir ja im Verein gemeinnützig, daher steuerbegünstigt oder sogar steuerbefreit sind in vielen Bereichen. Die Leute gehören also einer Solidargemeinschaft an, die die ganzen Sportstätten aufrecht erhalten muss, wenn man wie wir momentan kein Angebot machen kann. Dafür benötigen wir natürlich die Beiträge. Doch das wird von den meisten sehr positiv angenommen. Es gibt nur einen ganz kleinen Teil von Betroffenen, die das nicht so sehen. Doch mit denen sind wir im Gespräch.

Es gibt im heimischen Bereich zahlreiche Sportvereine, deren Existenz jetzt sogar bedroht ist. Kommt dem HSC in dieser Situation entgegen, dass er in erster Linie ein Breitensportverein ist?

In der augenblicklichen Zeit ist das sicherlich eine Stärke von uns. Wenn man jetzt noch die hohen Personalkosten hat, die von Sportlern verursacht werden, wäre das natürlich problematisch. Es gibt aber auch in Hamm selbst in der Fußball-Kreisliga A Mannschaften, wo das eine oder andere an Geld gezahlt wird. In diesen Vereinen ist zum Teil die Not schon sehr groß. Wir hoffen alle, dass wir die Sportlandschaft in Hamm erhalten und möglichst bald wieder mit entsprechenden Angeboten durchstarten können.

Welche Hilfen gibt es denn derzeit von Stadt oder Land für die Sportvereine, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten?

Positiv ist die Kurzarbeit, die momentan auch ohne große Anträge schnell genehmigt wird. Da wird nicht lange geprüft, die Bescheide gehen auch relativ schnell raus. Wir müssen die Löhne zwar vorstrecken, erhalten die aber zwei Monate später auch wieder zurück. Auch Banken bieten die Möglichkeit an, diese Kurzarbeitergelder vorzufinanzieren. Da ist viel im Fluss und auch positiv für die Vereine. Wir haben die große Hoffnung, dass wir vielleicht Ende Mai wieder arbeiten und diese Zeit deshalb auch überbrücken können.

Wie lange kann ein Verein wie der HSC diese Situation überhaupt überstehen, ohne dass sich etwas bewegt?

Es ist schon so, dass wir jeden Tag Geld verlieren. Wir machen ja auch Angebote im Bereich der Rehakurse, wir bieten Kinderbetreuung an, wir planen Events. Da gehen uns in jedem Monat schon fünfstellige Beträge verloren. Durch die Beiträge können wir da einiges auffangen, doch wir könnten diese Verluste nicht über ein halbes Jahr verkraften. Auch wir würden dann sicherlich Probleme bekommen.

Auf Ihrer Internetseite gibt es derzeit nur wenige Anleitungen für Übungen daheim. Haben Sie sich auch mal Gedanken über einen Videocoach gemacht, oder ist das beim HSC kein Thema?

Über unsere Instagramseite bieten wir das im Augenblick ja sporadisch an, doch momentan scheint da der Markt im Internet durch zahlreiche Anbieter gesättigt zu sein. Sollte das Sportverbot aber länger andauern, werden wir sicherlich reagieren müssen und auch zeitnah etwas ins Netz stellen.

Wären Freiluftangebote mit großer Distanz ein erster Schritt, zur Normalität zurückzukehren?

Wir dürfen das einfach nicht. Als Veranstalter würden wir 1000 Euro Geldstrafe zahlen, jedes teilnehmende Mitglied noch einmal 250 Euro. Das wären die Summen, die als Bußgeld bezahlt werden müssten, wenn wir uns auf einer Wiese mit großem Abstand zum gemeinsamen Sport treffen würden. Das ist auch mit Absicht so entschieden worden. Die Leute schwitzen bei der sportlichen Betätigung. Danach die Abstände auf dem Heimweg einzuhalten, wäre enorm schwierig. Das macht diese Krankheit auch so problematisch. Da wäre die Ansteckungsgefahr einfach zu groß. Das könnte auch niemand verantworten.

Wäre es überhaupt denkbar, Sport unter Einschränkungen zu betreiben?

Das ist alles sehr zweischneidig. Wir haben viele Leute, die bei uns die Rehakurse bestreiten, um überhaupt wieder gesund zu werden. Die sind ja nicht umsonst vom Arzt zu uns geschickt worden, sondern weil sie irgendwelche Probleme in der Beweglichkeit haben. Die müssten eigentlich dringend wieder Training machen, um schmerzfrei den Alltag bewältigen zu können. Deswegen wäre es sehr wichtig, diese Kurse wieder anbieten zu können. Man kann eher auf ein Handballspiel verzichten, aber eigentlich nicht auf die Angebote, die die Gesundheit fördern. Diese Kurse müssen wir möglichst schnell wieder ans Laufen kriegen.

Können Sie sich vorstellen, dass es unterschiedliche Lösungen für verschiedene Sportarten gibt?

Das ist eigentlich nicht möglich. Auch wenn es Sportarten gibt, bei denen es die nötige Distanz gibt. Wir können den Aktiven aber nicht die Toiletten und Duschen abschließen und sie nach dem Sport direkt nach Hause schicken. Der Sport lebt doch von der Gemeinschaft. Deshalb wird es nur eine generelle Lösung geben. Sport mit Mundschutz oder mit Handschuhen wird vermutlich nicht funktionieren.

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