Fußball

FLVW-Umfrage: So haben die Hammer Klubs abgestimmt

+
Darf die SG Bockum-Hövel noch den Aufstieg in die Landesliga feiern? Dafür müsste der Verbandstag für einen Abbruch der Saison und die Wertung nach der Hinrunde votieren.

Abbruch mit Wertung? Annullierung? Fortsetzung? Der FLVW hatte die Klubs um ein Meinungsbild gebeten. Wir haben bei den Hammer Vereinen nachgefragt, welche Lösung sie favorisieren.

Hamm - Es sind außergewöhnliche Zeiten, in denen es nur mit außergewöhnlichen Entscheidungen geht. Dass es dabei nicht immer gerecht zugehen kann und nicht alle Beteiligten zu 100 Prozent mit den Beschlüssen zufrieden sind, ist der schwierigen Situation mit dem Coronavirus geschuldet. 

Um ein möglichst umfassendes Stimmungsbild zu erhalten, wie mit der aktuellen Fußball-Saison verfahren werden soll,

hatte der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) eine Umfrage gestartet, die am Dienstag publik gemacht worden war.

Der Tenor: Die große Mehrheit der Vereine hat sich für einen Abbruch der Spielzeit entschieden. „Solange Kontaktsperren bestehen und auch die Sportanlagen geschlossen sind, kann auch nicht trainiert werden. Das heißt, die Saison 2019/20 ist beendet. Alles andere ist unsererseits unverantwortlich“, betont Arnulf Kleine, der Vorsitzende des Oberligisten SV Westfalia Rhynern. „Trainings- und Spielbetriebsbeginn für die nächste Saison stehen auch noch in den Sternen und sind abhängig von der weiteren Entwicklung bezüglich der Neuinfektionen und weiteren Verbreitung des Coronavirus.“ 

Ähnlich bewerten die Verantwortlichen der Hammer SpVg die Situation. „Wir haben uns aufgrund einer notwendigen Planungssicherheit ebenfalls für einen Abbruch ausgesprochen. Auch wenn unsererseits betont wurde, dass eine Fortführung der Saison das sportlich einzig faire Mittel ist, kann aufgrund der unzähligen Unwägbarkeiten nur ein Abbruch den jetzigen Schwebezustand beenden“, stellt Dirk Blumenkemper, Fußball-Abteilungsleiter und Vize-Präsident des Oberliga-Schlusslichtes, klar.

Coronavirus in Hamm: Ergebnisse sollen berücksichtigt werden

Wie aber bei einem vorzeitigen Ende das Fußball-Jahr gewertet werden soll, darüber gibt es in der Umfrage der 1596 angeschriebenen Vereine des FLVW keine Einigkeit – wobei der Trend schon klar dahin geht, dass die bisherigen Ergebnisse der Spielzeit 2019/20 berücksichtigt werden sollen.

24,2 Prozent hatten für die Wertung des aktuellen Tabellenstandes und 30 Prozent für die Wertung des Klassements nach der Hinrunde votiert, während 34,2 Prozent für eine komplette Annullierung gestimmt hatten.

Auch die Hammer Klubs kommen zu keinem einheitlichen Meinungsbild darüber, ob der aktuelle Tabellenstand oder die Hinrunde – jeweils mit Auf-, aber keinen Absteigern – gewertet oder ob die Saison komplett annulliert werden soll. Jeder Verein hat dabei seine eigene Sicht auf die Dinge, wobei die Wertung der Hinrunde in Hamm favorisiert zu sein scheint.

Pahnreck: "Froh, wenn noch dieses Jahr gespielt wird"

„Es gibt keine absolut faire Lösung. Die Fortsetzung irgendwann in diesem Jahr ist total unrealistisch. Der Amateurfußball kann froh sein, wenn zum Ende des Jahres überhaupt wieder gespielt werden kann“, sagt Sven Pahnreck, Trainer des A-Kreisligisten SVF Herringen. „Daher hat sich der Vorstand des SVF für die aus unserer Sicht noch halbwegs faire Lösung der Wertung nach der Hinrunde ohne Absteiger ausgesprochen. Auch dies ist mit Sicherheit nicht der optimale Weg, und es bleibt dann ja auch noch die endgültige Entscheidung des Verbandes abzuwarten.“

Bis die erfolgt, wird es aber noch dauern. Denn den Abbruch und die Wertung kann letztlich nur der Verbandstag entscheiden, für den aber mit einer dreiwöchigen Vorlaufzeit geladen werden muss. Wenn es nach den Verantwortlichen des TuS Wiescherhöfen geht, müsste zumindest über eine Wertung nicht mehr diskutiert werden. Der Verein von der Wielandstraße, aktuell Tabellenletzter der Landesliga, plädiert für einen Abbruch. „Die Varianten mit einer Wertung haben unterschiedliche Auswirkungen auf die jeweiligen Ligen und werden, je nachdem, wer gerade oben steht, von den Vereinen unterschiedlich bewertet. Eine Fortsetzung kommt bei den aktuellen Beschränkungen nicht in Frage und wird sich auch nach den Sommerferien nicht verwirklichen lassen. Daher erscheint für uns die Annullierung aus sportlicher Sicht die fairste Lösung zu sein“, heißt es in dem Statement des Wiescherhöfener Vorstandes.

Beim SVE Heessen hoffen die Spieler und die Entscheidungsträger des Vorstandes, dass es zu keiner Annullierung kommt. Sondern dass die aktuelle Saison, in der das Team auf dem ersten Tabellenplatz steht und den Aufstieg in die Bezirksliga anpeilt, in irgendeiner Weise gewertet wird. „Wir haben uns dafür entschieden, bei der Umfrage die Hinrundentabelle zu nehmen. Das empfinden wir als fairste Lösung. Denn nach der Tabelle haben bei uns alle Teams 14 Partien absolviert, jeder hat gegen jeden gespielt. Wir wissen, dass es momentan sicher sehr schwer ist, allen eine gefühlt gerechte Entscheidung zu präsentieren, halten daher die Variante mit der Hinrunde am sinnvollsten“, sagt Jens Heusener, der Sportliche Leiter der Heessener. „Die Saison irgendwann im September fortzusetzen, halten wir für schwierig, weil da auch schon die Frage auftaucht, wie es dann in Zukunft mit den Folgespielzeiten weitergehen soll.“

VfL Mark hat das Nachsehen, ist aber für Wertung

Auch beim VfL Mark erscheint den Verantwortlichen die Wertung nach der Hinrunde die plausibelste Möglichkeit zu sein, auch wenn das Team aus dem Hammer Osten dann als derzeit Tabellenzweiter der Kreisliga A den Sprung in die Bezirksliga verpassen würde. „Dies scheint für uns von den vier Optionen die sinnvollste und fairste Lösung zu sein“, sagt Trainer Kevin Schulzki. „Die subjektive und um die verbleibende Chance trauernde Sicht ist natürlich die, dass der Tabellenführer und mögliche Absteiger belohnt werden, während zweitplatzierte Mannschaften von einem Abbruch der Saison vermutlich am härtesten getroffen sind.“

Anders als der Handball-Verband, der durch einen Koeffizienten auch den Mannschaften, die knapp hinter den aufstiegsberechtigten Teams liegen, den Sprung in die nächst höhere Ligen ermöglicht, hat der FLVW diese Möglichkeit bei seiner Umfrage nicht angeboten. Von einer Regelung dieser Art würde nicht nur der VfL Mark profitieren, sondern auch die SG Bockum-Hövel, die in der Bezirksliga lediglich einen Zähler hinter Spitzenreiter SV Drensteinfurt liegt. Da diese Variante aber nicht zur Abstimmung stand, haben sich die Verantwortlichen aus dem Adolf-Brühl-Stadion ebenfalls für die Wertung der Hinrunde entschieden. „Das hat nichts mit unserem Tabellenstand zur Hinrunde zu tun gehabt“, wiegelt Spielertrainer David Schmidt ab, der mit seinem Team das Klassement zur Winterpause noch angeführt hatte. „Aber in der Hinrunde hatte jeder gegen jeden einmal gespielt, damit gibt es eine Gleichberechtigung unter den Vereinen.“

TSC Hamm verzichtet auf Abstimmung

Genauso schätzen es die Kicker und Entscheidungsträger beim TuS Germania Lohauserholz ein. Zwar rangiert das Team des Trainerduos Torsten Skerra/Jörg Fiebig im Niemandsland der Tabelle, kann also weder im negativen noch positiven Sinn von irgendeiner Entscheidung profitieren, dennoch wird auch am Hahnenbach ein Abbruch mit Wertung nach der Hinrunde bevorzugt. „Ein Abbruch würde in unseren Augen eine bessere Planungssicherheit für alle Vereine mit sich bringen. Und die Tabelle der Hinserie ist für uns die fairste Variante, da dort alle Vereine einmal gegeneinander gespielt haben“, sagt Abteilungsleiter Mario Bürger.

Eine ganz andere Sicht auf die Dinge hat dagegen der TSC Hamm. „Für uns geht es in der Kreisliga A um nichts. Und wir wollen nicht über das Schicksal anderer Mannschaften entscheiden, die eventuell auf- oder absteigen können. Da soll der Verband selbst das Heft des Handelns in die Hand nehmen und nicht die Vereine in die Verantwortung ziehen oder sich hinter den Vereinen verstecken. Sonst kommen die ja auch mit Entscheidungen über unseren Kopf hinweg“, meint Trainer Erdal Akyüz und verrät. „Daher hat sich unser Verein bei der Abstimmung enthalten.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare