Handball

Abbruch steht bevor: Der ASV Hamm-Westfalen bleibt Zweitligist

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Franz Dressel ist sich zu 100 Prozent sicher: Die Saison in der 1. und 2. Handball-Bundesliga wird abgebrochen.

Der Abbruch der Saison in der 1. und 2. Handball-Bundesliga aufgrund der Corona-Krise steht unmittelbar bevor. Der ASV Hamm-Westfalen bleibt Zweitligist.

Hamm - Die Entscheidung steht laut Franz Dressel, die offizielle Bestätigung in der kommenden Woche sei nur noch Formsache: Das Präsidium der Handball Bundesliga (HBL) werde dann die Saison 2019/2020 in den Bundesligen für beendet erklären. Der ASV Hamm-Westfalen bleibt in der 2. Bundesliga.

„In einem Umlaufverfahren wird den Vereinen der 1. und 2. Liga bis Anfang der Woche noch eine Beschlussvorlage des HBL-Präsidiums zugestellt“,bestätigt Dressel, der neben seiner Funktion als Geschäftsführer des ASV Hamm-Westfalen auch einer von drei Vizepräsidenten der HBL ist. „Sollte dieser Vorschlag eine Zweidrittel-Mehrheit erhalten, gilt die Saison als beendet. Hiermit ist mit einer sehr großen Wahrscheinlichkeit zu rechnen, da diese Meinung in den vorausgegangenen Konferenzen von den Geschäftsführern sehr deutlich geteilt wurde.“

Keine Grundlage für Hannings Planspiele

Damit würde auch allen alternativen Planspielen die Grundlage fehlen – etwa dem Vorschlag von Bob Hanning, Geschäftsführer der Füchse Berlin, die Mannschaften der 1. Liga an einem Spielort zu versammeln und die Saison in kurzer Zeit ohne Publikum zu Ende zu bringen. Ein Gedankenspiel, das für die 2. Bundesliga ohnehin nicht in Frage gekommen wäre, da hier Begegnungen ohne Publikum wirtschaftlich nicht darstellbar gewesen wären. „Die gemachten Vorschläge zu einer Fortführung des Spielbetriebs sind nicht mehrheitsfähig, da sich insbesondere die finanzschwachen Vereine der 1. Liga darauf nicht einlassen werden“, ist sich Dressel zu annähernd 100 Prozent sicher, dass die Beschlussvorlage von den Vereinen bestätigt wird.

Zumal auch der zeitliche Rahmen äußerst eng bemessen wäre. „Die Trainer haben gesagt, dass sie mindestens drei Wochen Vorbereitung mit der Mannschaft brauchen würden“, sagt Dressel. „Und wir haben ja auch eine Fürsorgepflicht für die Spieler – es bringt keinem etwas, wenn wir mit zahlreichen Kreuzbandrissen in die kommende Saison gehen.“

Kiel wird Meister

Der ASV-Geschäftsführer bestätigte zudem, dass der HBL-Vorstand in einer Telefonkonferenz bereits das weitere Vorgehen festgezurrt hat. „Für die Wertung der abgebrochenen Saison ist dann ausschließlich das Präsidium der HBL zuständig. Und für diesen wahrscheinlichen Fall des Saisonabbruchs hat das Präsidium einen Vorratsbeschluss gefasst, mit dem Ergebnis, die Wertung der Tabelle mit Stichtag 8. März 2020 vorzunehmen.“

Während in der 1. Liga der neue Meister THW Kiel nach einer Quotienten-Regelung ermittelt wird, da hier nicht alle Mannschaften die gleiche Anzahl an Begegnungen absolviert haben, wird für Liga zwei der Tabellenstand vom 8. März für die Aufstiegsregelung zu Rate gezogen. Absteigen soll nach der HBL-Entscheidung aus den ersten drei Ligen kein Verein – einzige Ausnahme ist die HSG Krefeld, die zum Stichtag keine Lizenz beantragt hatte.

Damit stehen als Aufsteiger in die 1. Liga die Teams von HSC Coburg (1.) und Tusem Essen (2.) fest. Der ASV Hamm-Westfalen, der noch zur Saisonpause auf Platz zwei gelegen hatte und bei einer diskutierten Wertung der Hinrunde aufgestiegen wäre, wird damit auch in der kommenden Saison in der 2. Liga antreten. „Ich glaube, dass wir es auch sportlich nicht verdient hätten, aufzusteigen, da wir aus den sieben Spielen der Rückrunde nur sechs Punkte geholt haben“, kann Dressel mit der Entscheidung gut leben. „Nach genauer Betrachtung dieser Entscheidung sollten wir daher nicht traurig sein, da die 1. Liga unter den jetzigen Umständen sowohl sportlich als auch wirtschaftlich eine fast unlösbare Herausforderung für den ASV gewesen wäre.“

Keine Auswirkungen auf den ASV-Kader

Die Mannschaft und der neue Trainer Michael Lerscht seien bereits informiert und haben die Nachricht, dass es für sie in der 2. Liga weitergehen wird, nach Einschätzung Dressels positiv aufgenommen. Zumal sich für sie nicht viel ändern wird. „Auf den Kader hat diese Entscheidung soweit keine Auswirkung“, sagt Dressel. „Die hätte es eher gehabt, wenn wir aufgestiegen wären. Aber da die Etatplanung nicht im Ansatz überschaubar ist, hätten wir keine weiteren Verpflichtungen vornehmen können. Jetzt freue ich mich auf die kommende Saison in Liga zwei – alles andere wäre nicht gut gewesen.“

Denn die kommende Spielzeit wäre in der 1. Liga für den Aufsteiger ASV zu einer Herkulesaufgabe geworden. „Bei einem unsicheren Etat, entsprechend ohne weitere Neuverpflichtungen und mehr Absteigern aus der 1. Liga kann man sich leicht ausrechnen, was eingetroffen wäre“, sah der Hammer Geschäftsführer den direkten Wiederabstieg als kaum vermeidbar an. Denn durch den Nichtabstieg der beiden letztplatzierten Teams aus der 1. Liga in dieser Saison wird es in der kommenden Spielzeit vier Absteiger geben.

Auf den Spielbetrieb des Unterhauses wird sich der durch die Corona-Krise bedingte Nichtabstieg noch länger auswirken. Denn aus Liga drei werden statt drei nun vier Mannschaften aufsteigen – der TV Großwallstadt, Wilhelmshavener HV, TuS Fürstenfeldbruck und der HC Empor Rostock, „so dass wir in der kommenden Saison mit 19 Mannschaften den Spielbetrieb aufnehmen“, bestätigt Dressel.

Neue Saison frühestens Mitte September

Noch gravierender wird es in der darauffolgenden Saison, denn mit vier Absteigern aus der 1. Liga, dann zwei Aufsteigern aus der dritten und drei Absteigern aus der zweiten Liga wird sich die Sollstärke auf 20 erhöhen. Diese soll dann in den folgenden beiden Spielzeiten um jeweils eine Mannschaft wieder auf die alte Größe von 18 Klubs schrumpfen.

Auch der Zeitrahmen für die künftige Serie ist bereits weitestgehend besprochen. Entsprechend soll der Startschuss Mitte bis Ende September fallen, das Saisonende wird um einen Monat von Ende Mai auf Ende Juni verschoben.

„Das geschieht in der Hoffnung, dass wir dann nicht ohne Zuschauer spielen müssen“, sagt Dressel, der sich ein anderes Szenario gar nicht ausmalen mag. „Wenn die Krise länger dauert und wir ohne Zuschauer spielen müssen, wird es noch mal richtig weh tun. Welche Vereine dann noch in die Rückrunde starten würden, weiß ich nicht.“

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