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Corona spielt keine Rolle mehr

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Von: Rainer Gudra

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Michael Allery, Vorsitzender des Fußballkreises Unna-Hamm, fühlt sich durch die Informationspolitik des Verbandes bloßgestellt.
Michael Allery, Vorsitzender des Fußballkreises Unna-Hamm, fühlt sich durch die Informationspolitik des Verbandes bloßgestellt. © Liesegang

Ab Montag, 28. März, dürfen im Bereich des Westfälischen Fußball- und Leichtathletikverbandes keine Amateurspiele mehr aufgrund von infizierten Spielerinnen oder Spielern abgesagt werden. Die Regelung, dass Partien ab drei Coronafällen in einem Team vom Staffelleiter neu angesetzt werden können, entfällt auch in den Junioren-Spielklassen.

Hamm - Im zuständigen Ausschuss des Westfälischen Fußball- und Leichtathletikverbandes (FLVW) ist in einer Sitzung am Mittwoch noch keine Entscheidung darüber gefallen, ob es neue Heimspiel-Regelungen für die Auf- und Abstiegsrunde in der Fußball-Oberliga Westfalen geben wird – oder diese wegen der sich häufenden Zahl von Nachholspielen möglicherweise später beginnen werden. Statt dessen haben der Fußball- und der Jugendfußball-Ausschuss (VFA und VJA) in einer anderen Sache Nägel mit Köpfen gemacht.

Ausnahmen nur in Einzelfällen

So hat der Verbands-Fußballausschuss entschieden, dass ab Montag, 28. März, keine Spiele mehr aufgrund von infizierten Spielerinnen oder Spielern abgesagt werden dürfen. Das hat auch für den Juniorenfußball Gültigkeit. „Wir passen unsere Regeln an die aktuelle Coronaschutzverordnung an. Und für draußen gibt es ja keine Einschränkungen mehr“, sagt Manfred Schnieders, Vize-Präsident Amateurfußball im FLVW. Bisher genügte der Nachweis über drei Infizierte im Kader für eine Absage über den Staffelleiter. Nun sollen diese Ausnahmen nur in begründeten Einzelfällen und bei sehr hohen Infektionsraten in einer Mannschaft gelten – ähnlich wie früher schon bei Grippewellen.

Offenbar ein Alleingang

Michael Allery, Vorsitzender des Fußballkreises Unna-Hamm, ist darüber wenig erfreut. Nicht nur, weil die Entscheidung offenbar ein Alleingang von Schnieders & Co ohne Rücksprache mit den Kreisvorsitzenden gewesen ist, sondern auch, dass die Regelungen bereits am Mittwochabend über die „Ruhrnachrichten“ öffentlich wurden. „Ich habe mich heute morgen echt bloßgestellt gefühlt“, sagt Allery am Donnerstag, nachdem er die offizielle Mitteilung seines Verbandes gerade erst bekommen hatte. Noch am Montag habe man in einer Vorbesprechung der Ständigen Konferenz, die am 26. März stattfinden wird, Kontakt gehabt. Allery: „Da ist nicht ein Wort darüber verloren worden, und jetzt stehen wir wie die doofen Jungs gegenüber unseren Vereinen da.“

Für den Kreisvorsitzenden ist die Entscheidung nicht nachvollziehbar: „Die haben das einfach so festgelegt. Für mich unverständlich, man hätte die bisherige Regelung bis zum Saisonende so lassen sollen“, sagt Allery.

Verdacht des Missbrauchs der alten Regelung

Offenbar ist die neue Maßnahme auch eine Reaktion darauf, dass Vereine die Drei-Spieler-Regelung mutmaßlich dazu ausgenutzt haben sollen, ihre Partien auch schon mal zu verlegen, weil ein paar Leistungsträger aus anderen Gründen fehlten. Da sollen dann Testergebnisse von Corona-Infizierten vorgelegt worden sein, die Wochen oder Monate vorher schon nicht mehr in Pflichtspielen vor dem Ball getreten haben.

Festgelegt ist nun, dass jeweils aus unteren Mannschaften nachgefüllt werden muss. Wo die Grenze liegt und wie bei Vereinen entschieden wird, die keine zweite Mannschaft haben, regele Paragraf 53 genau, sagt Schnieders. Jeder Verein habe demnach die Möglichkeit, Spiele abzusagen. „Die Punkte sind dann aber weg“, sagt der Vizepräsident Amateurfußball im westfälischen Verband, aber immerhin: Bei einer Corona-bedingten Absage verzichte man auf ein Ordnungsgeld.

Oberliga-Regelung weiterhin unklar

Nichts Neues gibt es hingegen aus der Oberliga: „Erst wenn wir endgültig wissen, welche Vereine in der Auf- und Abstiegsrunde spielen, werden anhand von Schlüsselzahlen die jeweiligen Spielpläne erstellt“, sagte VFA-Vorsitzender Reinhold Spohn am Donnerstag auf Anfrage. Ziel sei es dabei, die „Anzahl von Heim- und Auswärtsspielen (...) möglichst ausgeglichen zu gestalten.“

Das widerspricht der ursprünglichen Fassung. Die ist vor dem Saisonstart verabschiedet, zuletzt aber wieder heftig diskutiert worden. Diese sah vor, dass kein Team zweimal zuhause oder zweimal auswärts gegen den gleichen Gegner antreten soll. Was zum Beispiel dem SV Westfalia Rhynern – Stand heute – zu sieben Heim- und zwei Auswärtsspielen verholfen hätte.

Auch die Frage, ob wegen der inzwischen zehn Nachholspiele die angehängten Entscheidungsrunden später beginnen werden, ist nicht final beantwortet. „Ich hoffe nicht“, sagte Spohn. Als Auftaktspieltag ist der 10. April vorgesehen.

Auch zur Anzahl der Bezirksliga-Staffeln in der Spielzeit 22/23 hat sich der VFA aufgrund der noch ausstehenden Spieltage nicht festgelegt. Wahrscheinlich sei aber, so Spohn, dass es weniger als 14 Staffeln geben werde. Ursprünglich bestand die Bezirksliga in Westfalen aus zwölf, nach dem dem coronabedingt vorzeitigen Ende der Saison 2019/20 wurde die Anzahl um zwei Staffeln erhöht.

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