Rollhockey

Corona-Pandemie legt Niklas Nohlens Träume vorerst auf Eis

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Einst Gegner, jetzt Teamkameraden: Niklas Nohlen (rechts) und Lucas Karschau gehen in dieser Saison gemeinsam für Herringen auf Torejagd

Die Corona-Pandemie hat Niklas Nohlens Träume vorerst auf Eis gelegt. Der Neuzugang des SK Germania Herringen hatte sich vor allem auf die EuropaLeague gefreut.

Hamm – Sie kennen sich von kleinauf, wuchsen nur einen Steinwurf voneinander entfernt auf und spielten schon im Kindesalter im Garten gemeinsam. Da war es kein Wunder, dass zwei Jahre nach Christoph Rindfleisch auch Niklas Nohlen im vergangenen Sommer den Weg vom RHC Recklinghausen zum deutschen Rollhockey-Meister SK Germania Herringen gefunden hat. „Ganz klar, Rindi war einer der Gründe, warum ich den Verein gewechselt habe“, bestätigt der 24 Jahre alte Nohlen, der nach eigener Aussage eher „auf Rollschuhen unterwegs war als dass ich laufen konnte.“

Und so fuhr Nohlen ab dem Sommer auch meist gemeinsam mit seinem Freund aus Kindestagen von Recklinghausen nach Herringen zu den Übungseinheiten in die Glückauf-Sporthalle an der Schachtstraße – bis der erneute Corona-Lockdown kam und in der Rollhockey-Bundesliga der Trainings- sowie Spielbetrieb eingestellt wurde. Gerade für den Neuzugang der Germanen war dies eine besonders unglückliche Situation, denn er war noch mitten in der Findungs- und Kennenlernphase mit seinen neuen Teamkollegen. „Ich hatte mich gerade gut eingelebt, alle sind meganett“, sagt Nohlen, der sich auch in Sachen Trainingsintensität und -inhalte mächtig umstellen musste. „Das ist schon was anderes als in Recklinghausen. Das Training ist deutlich anspruchsvoller, wenn man zum Deutschen Meister wechselt. Es geht in jedem Trainingsspiel voll zur Sache. Aber das macht schon richtig Spaß mit den Jungs zu spielen, auch wenn es echt anstrengend ist.“

Sein Einstand im ersten Saisonspiel Ende September, ehe anschließend die Partie eine nach der anderen abgesagt wurden, war dabei noch perfekt für ihn verlaufen. Beim 5:4-Sieg in Cronenberg steuerte er gleich einen Treffer bei, als er das zwischenzeitliche 3:2 für den SKG markierte. Dass er dabei nicht wie sonst in Recklinghausen von der ersten bis letzten Spielminute fast ununterbrochen auf dem Feld stand, störte ihn dabei weniger. „Das hatten wir vor der Saison klar besprochen. Ich weiß, dass ich mit Liam Hages, Kevin und Lucas Karschau, Rindi und Robin Schulz fünf mehr als starke Spieler für die vier Plätze vor mir habe. Aber mir wurde versicherte, dass ich meine Einsatzzeiten bekomme. So kann ich jetzt immer für kurze Zeit Vollgas geben und mich dann wieder ein wenig ausruhen“, sagt Nohlen, der in Cronenberg rund 15 Minuten auf dem Parkett stand und diese Minuten an der Seite der aktuellen und ehemaligen Herringer Nationalspieler sichtlich genoss.

Wann es das nächste Mal sein wird, dass er im Dress des Deutschen Meisters auflaufen wird, steht angesichts der Corona-Pandemie allerdings in den Sternen. Zwar ist für den 5. Dezember vom Rollhockey-Verband noch die Partie der Germanen gegen den TuS Düsseldorf Nord angesetzt, doch Nohlen geht angesichts des Lockdowns bis zum 30. November nicht davon aus, dass die Begegnung wenige Tage später ausgetragen wird. „Natürlich wünsche ich mir, dass es sofort wieder losgeht. Aber ich denke, dieses Jahr werden wir wohl kein Spiel mehr haben“, meint er und hofft, dass sich die Lage im neuen Jahr möglichst schnell wieder normalisiert: „Es wäre einfach schön, wenn wir schnell wieder starten und regelmäßig spielen können.“

Bis es so weit ist, hält er sich in Recklinghausen fit. Nohlen absolviert derzeit eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann und hat die Möglichkeit, nach seiner Arbeit in dem Studio noch individuell zu trainieren. „Ich mache da an den Maschinen in Sachen Kraft was, halte meinen ganzen Körper dadurch fit“, erklärt er. Denn wenn das Okay von der Politik und vom Verband kommt, dass wieder gespielt werden darf, will er sich in möglichst guter Form präsentieren. „Mir fehlt noch ein bisschen die Spritzigkeit. Und ich müsste noch drei, vier Kilos verlieren”, sagt Nohlen, der technisch sehr stark ist, im Umgang mit Schläger und Kugel ein feines Händchen hat und in der vergangenen Saison für die am Ende freiwillig aus der 1. Liga abgestiegenen Recklinghäuser über 20 Tore erzielt hatte.

Diese Fertigkeiten will er auch beim SK Germania einbringen und seinen Teil dazu beitragen, dass die Herringer erneut Meister werden. Denn von diesem Titel träumt Nohlen seit seiner Kindheit. „In der Jugend bin ich viermal Vize-Meister geworden. Ich will endlich mal ganz oben auf dem Treppchen stehen. Und wenn nicht mit dem dem SK Germania Herringen, mit welchen Verein sollte das momentan in Deutschland sonst klappen?”, fragt er. Zudem hatte er im Herbst voller Anspannung die Auslosung zur EuroLeague verfolgt. Ein weiterer Kindheitswunsch von ihm war es, mal in Barcelona oder Lissabon zu spielen. Als den Herringern dann der portugiesische Vorzeigeklub Sporting Lissabon zugelost wurde, war die Freude bei Nohlen groß. Jetzt ist es aufgrund der Corona-Pandemie aber völlig offen, ob dieser Wettbewerb in dieser Saison überhaupt ausgetragen wird. „Wenn man selbst immer Haue von Herringen bekommen hat und dann sieht, wie chancenlos die Herringer auswärts meist in der EuroLeague waren, dann mag ich mir kaum vorstellen können, wie stark diese Teams aus Portugal oder Spanien sind”, sagt Nohlen, möchte es dennoch nur zu gerne selbst erleben, gegen diese Topklubs aufzulaufen und gegen die internatiolanen Stars der Rollhockey-Szene, die er sonst nur aus dem Internet kennt, selbst anzutreten.

Derzeit hat Corona aber alle Träume erst einmal auf Eis gelegt. Daher gibt sich Nohlen momentan schon mit kleinen Wünschen zufrieden und hofft, demnächst einfach nur wieder regelmäßig trainieren und Rollhockey-Spiele austragen zu können – zusammen mit Christoph Rindfleisch, seinem Freund aus seiner frühesten Kindheit.

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