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Cihan Tasdelen ist ein Kind des Hammer Westens

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Von: Patrick Droste

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Cihan Tasdelen ist in Hamm zur Welt gekommen. Am Sonntag ist er mit Eintracht Rheine zu Gast.
Cihan Tasdelen ist in Hamm zur Welt gekommen. Am Sonntag ist er mit Eintracht Rheine zu Gast. © Imago

Cihan Tasdelen, Trainer des FC Eintracht Rheine, kommt am Sonntag zum Fußball-Oberligaspiel bei der Hammer SpVg zurück in seine Geburtsstadt.

Hamm - Der Hammer Westen, genauer gesagt der Ortsteil Pelkum, war acht Jahre lang sein Revier. Dort machte der mittlerweile 46 Jahre alte Cihan Tasdelen die ersten Schritte ins Leben, besuchte bis zur dritten Klasse die Schillerschule, kickte in der F-Jugend beim 1. FC Pelkum und verbrachte im Sommer bei schönem Wetter die Tage im Freibad im Selbachpark. „An bestimmte Orte, Stellen und auch Begebenheiten habe ich noch gute Erinnerungen, aber manches ist auch verblasst. Ich war damals eben noch jung, und es ist lange her“, sagt Tasdelen, der am Sonntag wieder einmal in seine Geburtsstadt kommen wird – als Trainer des Fußball-Oberligisten FC Eintracht Rheine zum Gastspiel bei der Hammer SpVg.

Schöne Zeit in Hamm

Als Tasdelen acht Jahre alt war, musste er all das, was er zuvor lieb gewonnen hatte, hinter sich lassen. Denn seine Eltern hatten 1984 entschieden, wieder zurück in die Türkei nach Istanbul zu ziehen. „Ich hatte in Hamm eine schöne Zeit“, sagt er. „Direkt hinter unserem Haus in der Parkstraße war ein Ascheplatz, wo wir oft Fußball gespielt haben. Im Winter haben wir in der Kopernikushalle trainiert. Und wir haben gerne in den Wellen im Freibad herumgetobt. Mir kam das damals alles riesig vor. Als ich 1999 das erste Mal wieder in Hamm war, war ich überrascht, dass alles doch irgendwie recht klein war“.

Kein Wunder, denn ab seinem achten Lebensjahr war Istanbul, die Millionenmetropole am Bosporus, die neue Heimat von Tasdelen, wo er zur Schule ging, anschließend mit dem Studium begann und auch seine Fußball-Karriere fortsetzte. Als er von 1993 bis 1995 bei Istanbulspor unter Vertrag stand, musste er allerdings wegen eines Knochentumos im Schienbein seine aktive Laufbahn beenden und wurde 1994 Trainer der zweiten Mannschaft. „Ich hatte ja noch einen gültigen Vertrag bei dem Verein“, sagt Tasdelen. Zudem begann er in Ankara ein Studium der Sportwissenschaft und Romanistik, das er 1998 in Göttingen fortsetzte und dann in Münster beendete. Mittlerweile arbeitet der 46-Jährige, der inzwischen in Münster sesshaft geworden ist, als Sport- und Italienisch-Lehrer an der Montessori-Schule in Haltern.

Doch auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland ist er vom Fußball nicht losgekommen. 1999 lockte ihn Helmut Horsch zum SC Preußen Münster, wo er bis 2018 verschiedene Jugendteams, die U21 und im Herbst 2016 sogar für zwei Spiele interimsmäßig die erste Mannschaft trainierte beziehungsweise betreute. „In dieser Zeit sind viele Spieler von mir nach Rheine gewechselt, und wir haben oft Test- oder Pokalspiele gegen die Eintracht bestritten, so dass ich immer einen Bezug zu diesem Verein hatte und da auch einige Leute kannte“, sagt Tasdelen. So wurde er im Dezember 2020 vom früheren Trainer und jetzigen Vorsitzenden Uwe Laurenz angesprochen, ob er nicht beim FCE als Coach einsteigen will. Der gebürtige Hammer sagte zu, musste aber bis zum Sommer 2021 warten, ehe er wegen des Lockdowns mit seinem neuen Klub das erste Pflichtspiel bestreiten durfte.

Ziel ist der Sprung in die Aufstiegsrunde

Aktuell rangiert Rheine auf dem neunten Platz – mit dem klaren Ziel vor Augen, den Sprung in die Aufstiegsrunde zu schaffen. „Wir sind gut in die Saison gestartet, hatten dann aber mit verletzungsbedingten Ausfällen zu kämpfen. Und wir sind auswärts leider nicht konstant genug“, meint der Trainer, der zuletzt mit seinem Team gleich zweimal pausieren musste. Zuerst hatte die Eintracht am 20. November spielfrei, dann wurde am vergangenen Sonntag das Heimspiel gegen die TSG Sprockhövel abgesagt. „Eine Woche Pause tat uns gut. Aber die zweite hat uns nicht gepasst. Dadurch ist uns der Spielrhythmus verloren gegangen“, beklagt Tasdelen.

Daher kam ihm am Mittwoch die Begegnung im Westfalenpokal gegen den Regionalligisten SV Rödinghausen, die Rheine erst im Elfmeterschießen verlor, genau passend, um seine Mannschaft für die Partie am Sonntag wieder in den Wettkampfmodus zu bekommen. „Ich hoffe, dass wir einen Schub nach vorne erhalten haben“, meint er, wohl wissend, dass die Aufgabe bei der auf dem viertletzten Platz stehenden HSV kein Selbstläufer sein wird. „Wir haben zuletzt zuhause gegen Clarholz verloren. In dieser Liga ist alles möglich. Das wird ein verdammt schweres Spiel. Die HSV hat viel Potenzial, steckt aber eben schon länger da unten fest. Irgendwann wird auch bei den Hammern wieder der Knoten platzen. Ich hoffe nur nicht, dass dies am Sonntag geschieht.“

Keine Gastgeschenke

Die Rückkehr nach Hamm sieht Tasdelen übrigens sehr pragmatisch. „Wenn man als Trainer am Rand steht, dann zählt nur die eigene Mannschaft“, sagt er, will auf dem Weg Richtung Aufstiegsrunde unbedingt die drei Punkte mitnehmen und denkt nicht daran, aus alter Verbundenheit irgendwelche Gastgeschenke in Hamm zu verteilen.

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