Handball

Arena-Pächter Christoph Dressel bleibt trotz Corona zuversichtlich

Christoph Dressel ASV Hamm-Westfalen Sport & Event
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Von den Corona-Maßnahmen vollumfänglich betroffen: Hallenbetreiber Christoph Dressel.

So eine stille Zeit hat die Westpress Arena seit ihrer Eröffnung im Sommer 2008 nicht erlebt: Konzerte, Theater, Musicals oder Tanzshows – all das findet derzeit nicht statt. Und auch der Handballsport, das Herzstück des Hallenbelegungsplans, muss in Zeiten der zu hohen Corona-Inzidenzwerte unter Ausschluss der Zuschauer ausgetragen werden. Die Veranstaltungsbranche liegt auf der Intensivstation. Sehr zum Leidwesen von Christoph Dressel.

Hamm – Der Geschäftsführer der Sport & Event Veranstaltungsgesellschaft GmbH verdient in diesem Berufszweig als Betreiber der Hammer Arena sein Geld. Oder, was für den Moment den Kern wohl eher trifft, eben nicht. „Seit März sind wir von den Corona-Maßnahmen vollumfänglich betroffen“, sagt Dressel. „Und im Grunde hat für uns auch im Sommer nicht wirklich eine Lockerung stattgefunden, weil weder Handball noch ursprünglich geplante Feiern und Familiengeburtstage stattgefunden haben – sei es aufgrund der Bestimmungen oder aus Rücksichtnahme.“ Höhepunkt in den vergangenen neun Monaten: ein Testspiel des Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen gegen den TBV Lemgo – vor knapp 250 Zuschauern.

Für Dressel eine nicht nur unbefriedigende Situation, sondern auch eine existenzbedrohende. „Je länger diese ungewisse Zeit dauert, desto schwieriger wird es für mich, zu prognostizieren, wie lange wir die GmbH aufrecht erhalten können“, sagt der Sport-&-Event-Geschäftsführer. „Veranstaltungen werden mittelfristig nicht stattfinden können, ausverkaufte Hallen sind gar nicht denkbar, was angesichts der Lage auch so okay ist. Aber wenn das alles weiter wegbricht, würden wir das Frühjahr nicht überstehen.“

„Es gibt eine Nachfolgeregelung“

Eine Situation, die auch für den ASV Hamm-Westfalen als Hauptnutzer der Arena schwierig werden könnte. Existenzbedrohend aber wohl nicht, denn geschlossen würde die Halle im Falle einer möglichen Insolvenz des aktuellen Pächters wohl nicht. „Sollte die GmbH in die Insolvenz gehen müssen, gibt es eine Nachfolgeregelung“, versichert Dressel „Die ersten Gespräche würden dann mit dem ASV, der als neuer Pächter einspringen könnte, und der Stadt Hamm geführt. Bevor hier ein Fremder installiert wird, der einen Hüpfpark aus der Halle machen will, wird da sicher eine Lösung gefunden. Wir sind aber weiter positiv und sehen nicht schwarz, müssen aber auch realistisch sein. Wenn weitere Einschränkungen zu erwarten sind, wird es schwierig, eine Perspektive zu sehen.“

Die Sport & Event ist Pächter der Arena. Eigentümer ist die Hahn Fonds und Asset Management GmbH in Bergisch Gladbach, die bereits 2009 das Fachmarkt Zentrum Hamm-Werries mit seinen Einzelhandels-Geschäften, zu dem die Halle gehört, vom niederländischen Investor, der Ten-Brinke-Gruppe, übernommen hat. „Das ist ein börsenorientiertes Unternehmen, das seinen Aktionären natürlich Zahlen liefern muss“, sagt Dressel, der sich aber „in sehr guten Gesprächen mit den Besitzern befindet, auch was die Verhandlung über Miet- und Nebenkosten betrifft. Dort ist man sich natürlich bewusst, worum es geht. Die werden uns nicht im Regen stehen lassen. Wir haben zuletzt vor vier Wochen gesprochen und erörtern an einem Tag im Januar die Situation neu.“

Aufträge um 90 Prozent zurückgegangen

Auf einen knapp fünfstelligen Betrag belaufen sich die monatlichen Miet- und Nebenkosten, von denen ein Teil an den ASV als Hauptnutzer der Halle weitergegeben wird. „Und selbst, wenn wir irgendwann wieder 300 Leute in die Halle lassen dürfen, heißt das ja nicht, dass wir Geld damit verdienen“, so Dressel, der daher hofft, dass kleinere Firmentagungen und die Prüfungen der Hochschule Hamm-Lippstadt (HSHL), die die Sport & Event über den Sommer gebracht haben, auch im Januar wieder etwas Geld in die Kasse spülen. „Wenn man die reinen Aufträge sieht, haben wir einen Rückgang von knapp über 90 Prozent zu verzeichnen“, sagt Dressel, der ein Lehramtsstudium absolviert hat. „Glücklicherweise hat der Staat einiges an Unterstützung auf den Weg gebracht, auch wenn wir bisher ausschließlich die Soforthilfe im April beantragt und bezogen haben.“ Weitere Förderungen will er erst einmal nicht in Anspruch nehmen, „solange wir nicht akut in Liquiditätsprobleme kommen. Und bis klar ist, wofür dieses Geld eingesetzt werden darf“.

Bis der Betrieb wieder läuft, muss Dressel auch seine 40 Mitarbeiter, alles Minijobber, weiter vertrösten. „Während ich als Angestellter Kurzarbeitergeld beziehe, sind das alles Studenten und Schüler, denen ich jetzt keinen Ausgleich zahlen kann“, sagt Dressel. „Für sie ist das wirklich bitter. Wir sind ein super gewachsenes Team, das sich momentan nicht mehr sieht. Die kriegen zwar von mir ein monatliches Update. Aber da steht ja immer das gleiche drin.“

Dafür, dass er trotz der angespannten Lage weiterhin positiv gestimmt durchs Leben geht, sorgt die Tatsache, „dass ich im April Papa geworden bin und nie gedacht hätte, dass ich so viel Zeit für den Nachwuchs haben würde, nach der Geburt unserer Kleinen“. Und dass durch die Ankündigung der baldigen Verfügbarkeit verschiedener Impfstoffe ein Licht am Ende des Corona-Tunnels zu sehen ist. „Nach jetzigem Stand kann ich sagen, dass wir es bis ins Frühjahr schaffen werden“, bleibt Dressel zuversichtlich. „Vorausgesetzt, die Hochschulprüfungen und Tagungsveranstaltungen werden weiter genehmigt. Ich bleibe da optimistisch – einen Plan B habe ich jedenfalls nicht.“

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