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Christoph Bittner ist das Herzstück des A-Kreisligisten Hammer SC

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Von: Patrick Droste

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Christoph Bittner, hier rechts im Duell mit Rhynerns Gianluca Di Vinti, ist das Herzstück des A-Kreisligisten Hammer SC
Christoph Bittner, hier rechts im Duell mit Rhynerns Gianluca Di Vinti, ist das Herzstück des A-Kreisligisten Hammer SC © Reiner Mroß / Digitalfoto

 Christoph Bittner ist laut Aussage von Trainer Christian Lehmkemper „das Herzstück“ des Fußball-A-Kreisligisten Hammer SC. Was den 28-Jährigen für den HSC so besonders wertvoll macht, erzählt der Linksverteidiger im neunten Teil unserer Serie „Besondere Fälle“. 

Hamm – Er ist der absolute Alleskönner: Christoph Bittner ist der Organisator von Abschlussfahrten und Mannschaftsabenden, Stammspieler, Routinier, Gewinner eines Fairness-Preises und verlängerter Arm des Trainers. Oder wie es Christian Lehmkemper, Coach des Fußball-A-Kreisligisten Hammer SC 08, betont: „Er ist das Herzstück unserer Mannschaft.“ Und daher ist der 28-Jährige, den sie am Pilsholz alle nur „Bitti“ rufen, aus dem Team des HSC einfach nicht mehr wegzudenken. Dabei scheint für ihn sein Nebenjob als Kümmerer das Normalste der Welt zu sein. „Ich bin da so reingerutscht. Ich mache das einfach gerne“, sagt er lapidar.

Dabei ist Bittner – fußballerisch gesehen – im „Feindesland“ des HSC groß geworden. Denn das ABC des Kickens erlernte er beim SV Westfalia Rhynern, wo er als Kind zusammen mit Tim Neumann oder Lennard Kleine, seit vielen Jahren wichtige Stammkräfte des Fußball-Oberligisten vom Papenloh, in einer Mannschaft auflief. „Das war am Anfang so wie bei vielen anderen Jungs auch: Mein Papa hat mich mit zum Fußball genommen, und ich habe dann in Rhynern bei den Minis angefangen“, erklärt er. Doch je älter er wurde, umso deutlicher merkte er, dass er nicht mit ganz so viel fußballerischem Talent gesegnet ist wie ein Großteil seiner Teamkollegen. „Leistungsmäßig hat es irgendwann nicht mehr für Rhynern gereicht“, erinnert er sich und wechselte daher im Alter von 15 Jahren nach Westtünnen an den Pilsholz.

Und diesen Trikottausch hat er bis heute nicht bereut. Bei seinem neuen Klub wurde er sehr schnell integriert, schaffte problemlos den Sprung aus der Jugend in die erste Mannschaft des HSC und fand in seiner neuen sportlichen Heimat Freunde fürs Leben. „Ich bin total zufrieden, wie alles für mich gelaufen ist“, sagt Bittner, der in Münster an der Fachhochschule „Soziale Arbeit“ studiert und nebenbei an der Universitätsklinik des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), einer Einrichtung für Kinder- und Jugendpsychatrie, arbeitet. So ist er mittlerweile seit zehn Jahren fester Bestandteil des Kreisliga-A-Teams, beackert als Verteidiger mit viel Herzblut und Einsatzwillen die linke Seite und kümmert sich mit genauso viel Leidenschaft um das Wohlbefinden seiner Mannschaftskollegen. „Bitti ist die gute Seele auf und neben dem Platz. Er sorgt sich mehr um andere als um sich selbst“, stellt sein Trainer klar.

So organisiert Bittner die Abschlussfahrten und -feiern, regelmäßige Mannschaftsabende, Tagestrips nach Willingen, Paintball-Aktionen, Fifa-Spiele am Computer, eine Knobel-Weltmeisterschaft vor der Corona-Zeit im Vereinsheim, Mannschafts-Challenges während der beiden Lockdowns oder besorgt Geschenke für verdiente Spieler. Der Linksverteidiger macht dies aber nicht nur für das eigene Seelenheil, sondern er sieht darin auch einen Vorteil für seine Mannschaft, die durch die gemeinsamen Aktionen besser zusammenwachsen und -halten würde. „Ich denke, dass das auf dem Platz ein Pluspunkt ist, wenn man sich gut versteht. Dann bügelt man lieber und schneller einen Fehler von einem Mannschaftskollegen aus, wenn man sich mit demjenigen auch privat gut versteht. Es ist meine feste Überzeugung, dass das einen Mehrwert auf dem Platz hat“, sagt er und fügt hinzu: „Das ist schon eine coole Sache. Und meine Freundin unterstützt mich dabei voll und ganz, sie hat zum Beispiel schon mal Pokale für uns gebastelt.“

Ein Pokal hat für ihn aber einen ganz besonderen Stellenwert. Der ist nicht selbst gebastelt. Sondern den hat er im Februar 2020 vom Fußballkreis Unna/Hamm erhalten und steht daher auch im Wohnzimmer in einer Vitrine. „Ich habe auf diese Trophäe immer einen guten Blick drauf“, sagt er. Bekommen hat er diese Auszeichnung, nachdem er im Meisterschaftsspiel gegen den TuS Wiescherhöfen II in der 20. Minute im Strafraum zu Fall gekommen war und der Schiedsrichter auf Foulelfmeter entschieden hatte, ehe Bittner dem Unparteiischen signalisierte, dass dies kein elfmeterwürdiges Vergehen seines Gegenspielers gewesen sei.

Dafür wurde er zum Fairplay-Monatssieger im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen gekürt. „Das war damals einer meiner seltenen Ausflüge in den gegnerischen Strafraum, bei dem es mit meinem Gegenspieler einen kleinen Kontakt gab, den ich dankend angenommen habe“, erinnert er sich an die Szene. „Aber ich habe dann schnell das Gefühl gehabt, dass ich da mehr raus gemacht habe als es eigentlich war, zumal ich mich als Abwehrspieler immer wieder darüber ärgere, wenn ein Stürmer beim geringsten Kontakt direkt zu Boden geht und einen Elfmeter haben will.“ Daher suchte Bittner nach dem Pfiff sofort den Kontakt zum Referee und signalisierte, dass er seine Entscheidung korrigieren und den Strafstoß zurücknehmen soll. Der Unparteiische tat dies und entschied auf Abstoß für Wiescherhöfen. „Zum Glück haben wir am Ende noch mit 1:0 gewonnen“, meint er und gesteht ein, dass er nicht weiß, ob er sich genauso verhalten hätte, wenn seine Mannschaft kurz vor Ende der Partie in Rückstand gelegen hätte: „Das ist schon schwierig. Aber an dem Tag haben all meine Mitspieler gesagt, dass ich das richtig gemacht habe. Und letztlich erinnert man sich da jetzt viel mehr dran als an einen Sieg oder ein Tor, das man vielleicht mal geschossen hat.“

Für seinen Trainer war es nicht überraschend, dass sich Bittner an diesem Tag als überaus fairer Sportsmann präsentiert hatte. „Bitti ist einfach ein toller Typ. Es ist für jeden Trainer ein Segen, so jemanden in seiner Mannschaft zu haben. Ein Spieler, der so viel macht und tut, das ist schon einmalig“, sagt Lehmkemper, ehe er schnell hinzufügt: „Er ist für uns aber nicht nur wichtig, weil er so engagiert sowie fair ist und für jeden Spaß zu haben ist, sondern auch, weil er ein richtig guter Spieler ist.“

Dabei hat Bittner erst vor kurzem den zweiten Fauxpas begangen. Nicht nur, dass er aus der Jugend von Rhynern stammt, sondern mittlerweile ist er sogar nach Werries gezogen. Doch auch dies wird ihm von seinem Coach und seinen Mitspielern verziehen. „Ich bin in Westtünnen einfach fest verwurzelt“, sagt Bittner und freut sich darauf, noch viele Jahre am Pilsholz kicken zu können – genauso wie sich seine Teamkollegen darauf freuen, noch viele Spielzeiten mit ihm gemeinsam auflaufen zu können.

Sollte es seine Zeit erlauben, würde er in Zukunft auch gerne nochmal eine Jugendmannschaft trainieren, so wie er es vor einigen Jahren bereits gemacht hat. „Das hat mir Spaß bereitet“, sagt er. Seine kommenden Schützlinge können sich auf ihren Trainer jedenfalls schon mal freuen. Denn an gemeinsamen Aktionen und Ausfahrten wird es ihnen defintiv nicht mangeln.

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