Hausbesuch

HSC-Trainer Christian Lehmkemper genießt die Geselligkeit

Christian „Kiki“ Lehmkemper fühlt sich in Westtünnen und speziell in seinem Garten so richtig wohl.
+
Christian „Kiki“ Lehmkemper fühlt sich in Westtünnen und speziell in seinem Garten so richtig wohl.

Für den Coach des A-Kreisligisten Hammer SC 08 ist „ein guter Zusammenhalt das A und O“.

Hamm - Christian Lehmkemper kann sich noch genau an diesen für ihn so extrem vermaledeiten 19. Mai 2001 erinnern. Der heutige Trainer des Fußball-A-Kreisligisten Hammer SC hatte sich an diesem Tag zusammen mit den anderen Mitgliedern des Fanclubs Berger Knappen extra früh auf den Weg von Hamm nach Gelsenkirchen begeben. Zum einen stand das letzte Meisterschaftsspiel der Saison 2000/2001 an, das mit einer kleinen Grillparty direkt vor dem Stadion immer besonders zelebriert wurde. Zum anderen hatte der FC Schalke die große Chance, das erste Mal seit 1958 wieder deutscher Fußball Meister zu werden. Aber am Ende, so gibt der mittlerweile 36-Jährige zu, „war es als Schalke-Fan der schlimmste Tag für mich“.

Schalke-Fan durch und durch

Als Lehmkemper, den alle nur Kiki rufen, gerade sechs Jahre alt war, hatte ihn sein 18 Jahre älterer Bruder Jörg das erste Mal mit auf Schalke ins Parkstadion genommen. „Das war in der Saison 1990/91 gegen 1860 München“, sagt der HSC-Coach, der danach mit dem blauweißen Virus infiziert war und seine Leidenschaft für den FC Schalke 04 mit der Zeit immer extremer auslebte. So besuchte er als Jugendlicher jedes Heimspiel. Als er volljährig war, wurde er zu einem sogenannten Allesfahrer. Egal, ob auf nationaler oder internationaler Ebene, Lehmkemper war immer dabei, wenn die Knappen irgendwo aufliefen. So führte ihn seine erste große Fahrt nach London, wo der FC Schalke in der Champions League nach drei Gegentreffern von Thierry Henry beim FC Arsenal mit 2:3 verlor. Unvergessen sind für ihn auch die Fahrten zu den Auswärtsspielen nach Warschau („Da war es sehr gut, dass es angesichts der polnischen Fans die Polizei gibt.“), nach Rotterdam („Die hatten total irre Anhänger.“) oder nach Schottland, als Schalke bei den Hearts of Midlothian antreten musste und Lehmkemper zusammen mit seinen Fanfreunden pro Weg rund 25 Stunden im Bus saß. „Da waren am Ende rund 8000 Schalke-Anhänger im Murrayfield Rugby Stadion in Edinburgh, unfassbar“, sagt er. Nur zu gerne erinnert er sich auch an die Partie bei Twente Enschede im Uefa-Pokal. „Das war zwar eine sehr kurze Anreise. Aber da es zwischen den Schalker Ultras und denen von Twente eine Fanfreundschaft gibt, wurden wir da super freundlich empfangen, sind mit denen vor dem Spiel in eine Kneipe gegangen und haben da mächtig gefeiert“, betont Lehmkemper und fügt hinzu: „Gerade bei den Auswärtsfahrten war das wie ein Dorf. Man hat immer die gleichen Leuten getroffen, man hat Freundschaften geschlossen, man kannte sich – das war schon super.“

In allen Jugendmannschaften des SC Westtünnen

Als Lehmkemper aber 2010 seinen ersten Bandscheibenvorfall erlitt und er immer mehr ins Trainergeschäft einstieg, verzichtete er nach und nach auf die Auswärtsfahrten und beschränkte sich auf die Heimpartien. Denn er wollte ja nicht immer nur gucken, sondern selbst ins Geschehen auf dem Platz involviert sein. So durchlief er von kleinauf beim damaligen SC Westtünnen alle Jugendmannschaften und war auch bei seinem Heimatverein in der ersten und zweiten Mannschaft aktiv. Von dort aus zog es ihn zuerst zum TuS Uentrop und dann weiter zum SV Eilmsen-Vellinghausen, ehe er beim SC Arminia 07 Hamm in der Reseve in der Kreisliga C landete, wo sein Bruder Michael mit ein paar Freunden kickte. Doch Lehmkemper hatte auch Ambitionen, wollte gerne in der Ersten spielen. Aber seine Rückenprobleme machte seinen Hoffnungen einen Strich durch die Rechnung. Dafür fragte ihn Ralf Thiemann, der damals den SC Arminia 07 trainierte, ob er nicht Coach der Reserve werden möchte. „Wir haben dann eine recht gute Saison gespielt. Und das muss man wohl auch beim HSC mitbekommen haben, „denn ich bekam dann das Angebot, als Trainer der Zweiten am Pilsholz einzusteigen“, sagt Lehmkemper. „Da habe ich nicht lange überlegt. Zum einen fühlte ich mich geschmeichelt, schon nach einem Jahr ein Angebot zu bekommen. Zum anderen waren da auch viele alte Weggefährten mit am Start.“

Direkt im ersten Jahr schaffte er mit der HSC-Reserve den Aufstieg von der Kreisliga C in die B, entwickelte das junge Team kontinuierlich weiter, so dass Lehmkemper und seine Schützlinge im Sommer 2016 nach einer starken Saison sogar an die Tür zur Kreisliga A anklopften. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt bereits klar, dass der Coach mit fast allen Spieler hoch zur Ersten aufrücken wird. „Wir hatten dann das Aufstiegsspiel mit der Reserve gegen den SuS Oberaden. Für das gleiche Wochenende hatten wir aber auch unsere Mannschaftsfahrt ins Sauerland geplant. Wenn wir nicht alle hochgegangen wären, hätten wir auf die Fahrt verzichtet. So aber haben wir das gemacht, sind angetreten und haben 0:3 verloren. Ich bin mir sicher, dass wir das Spiel gewonnen hätten, wenn wir uns darauf richtig vorbereitet hätten“, betont er.

Zusammenhalt und familiäres Miteinander am Pilsholz

So ist er beim HSC jetzt in seinen vierten Saison als Chefcoach des Kreisliga-A-Teams und verbindet dort sportlichen Ehrgeiz mit einem familiären Miteinander am Pilsholz. Denn das gute Auskommen untereinander und die Geselligkeit genießen in Lehmkempers Leben einen sehr hohen Stellenwert. „Für mich ist ein guter Zusammenhalt das A und O. Und nach dem Training möchte ich es nicht missen, mit den Jungs noch zusammenzusitzen. Das gehört für mich auf dieser Ebene einfach dazu”, stellt er klar.

Daher ist er auch in Westtünnen fest verwurzelt. Mit seiner Frau, er ist seit 2017 verheiratet, und seinem zwei Jahre alten Sohn Mads lebt er in Westtünnen in einem schicken Haus mit einem großen Garten, in dem er immer wieder gerne Gäste empfängt. „In Westtünnen habe ich mein ganzes Leben gelebt, das ist mein Zuhause”, sagt er. Daher kann er es sich auch nicht vorstellen, nach Neheim zu ziehen, wo er als Personaldisponent arbeitet. Im Hammer Süden ist er aber nicht nur als Fußball-Coach aktiv, sondern gehört seit 2001 dem Schützenverein Westtünnen an, gehörte bis 2013 zur Avantgarde, jetzt ist er Mitglied der Alten Garde. „Das ist etwas, was für mich sein muss. Ich mache das super gerne”, betont er. Daher organsiert er am 18. September auch das erste Schützenfest seit zwei Jahren – und zwar in seinem Garten: „Das wird zwar nur ein kleiner Kreis sein, aber wir schießen dann auf einen Styroporadler und ermitteln den Corona-Schützenkönig.”

Lehmkemper freut sich auf Fertigstellung des neuen Vereinsheims

Aber auch mit dem Hammer SC will er etwas aufbauen, seine Schützlingen kontinuierlich nach oben führen. „Wir vom Hammer SC werden jetzt ganz anders wahrgenommen als noch vor ein paar Jahren. Die Jungs haben Potenzial.” Hinzu kommt, dass mit der neuen Anlage und dem neuen Vereinsheim auch im Bereich der Infrastruktur wichtige Grundlagen gelegt worden sind. „Gastronomie gehört für mich einfach dazu. Wenn das neue Vereinsheim zur Rückrunde fertig ist, dann wird das eine der schönsten Sportanlagen in Hamm sein”, sagt Lehmkemper, dem sogar schon Anfragen anderer Vereine vorlagen. Doch bislang hat er allen abgesagt. Und wenn es nach ihm geht, soll das in naher Zukunft auch so bleiben. „Solange die Jungs bei uns glücklich mit mir sind, mache ich das”, sagt er und hofft noch auf viele schöne Erfolge mit seinem Team.

Denn so etwas, wie er vor 20 Jahren mit dem FC Schalke erlebt hat, möchte er mit seiner Mannschaft nicht durchmachen. „Wir standen damals im Parkstadion in der Nordkurve. Und als das Spiel abgepfiffen wurde, sind wir, so wie alle anderen auch, in dem Glauben, dass wir Meister sind, auf den Platz gerannt”, erinnert sich Lehmkemper, der sich ein Stück Rasen sicherte und überglücklich den Titel feierte. „Dann haben wir auf einer Leinwand das Bayern-Spiel in Hamburg gesehen. Zuerst dachten wir, das ist eine Wiederholung, bis wir realisiert hatten, dass das live war.“ Und als dann Patrick Andersson mit seinem Treffer in der Nachspielzeit die Bayern zur Meisterschaft schoss, war das Entsetzen bei den Schalkern – und natürlich auch bei Lehmkemper – extrem groß. „Das Stück Rasen habe ich weggeworfen. Und auf der Rückfahrt im Bus hat keiner ein Wort gesagt. Ich war auch fix und fertig, habe mit meinen 16 Jahren da gehockt, und mir liefen die Tränen.”

Doch eine Woche später war die Welt – zumindest fast – wieder in Ordnung, als die Schalker durch den 2:0-Sieg über den damaligen Regionalligisten Union Berlin DFB-Pokalsieger wurden. „Und da haben wir dann schon wieder gefeiert“, sagt Christian „Kiki“ Lehmkemper.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare